Wohnen
05.12.2011

Architekt Holzbauer: Pension? Nein, danke!

Ans Aufhören denkt Wilhelm Holzbauer noch lange nicht: Im APA-Interview zum 80. Geburtstag verrät er, welche Projekte die nächsten sind.

Am Freitag (3. September) wird Architekt Wilhelm Holzbauer 80 Jahre alt. Beruflich will er trotzdem noch lange nicht kürzer treten. Mit der APA sprach der gebürtige Salzburger über seine Liebe zu Musik-Bauten, die Erschwernisse der Architekten-Arbeit durch die EU und erklärte, wieso er kein Verehrer der Bauten Zaha Hadids ist.

APA: Sie werden am Freitag 80 Jahre alt, in diesem Alter sind andere schon seit 15 Jahren in Pension. Denken Sie manchmal ans Aufhören?
Wilhelm Holzbauer: Nein, ich wüsste nicht, was ich dann täte.

Es wird also auch in Zukunft neue Projekte von Ihnen geben?
Ja. Seit mehreren Jahren habe ich drei Partner, zwei ehemalige Schüler von mir und ein ehemaliger Schüler von Gustav Peichl und das Büro geht unter dem Namen Holzbauer und Partner einfach so weiter.

Welche größeren Projekte haben Sie in letzter Zeit geplant?
Der Architektenberuf wird ja immer schwieriger, mit den ganzen Ausschreibungsvorgaben der EU. Beim Wettbewerb für das Rathaus Amsterdam war die Ausschreibung ungefähr 15 mm dick, heute ist es bei einer Schule schon ein Stapel von 30 cm. Jedes Projekt ab 200.000 Euro, in das Steuergeld fließt, muss laut EU-Richtlinie ausgeschrieben werden, und Österreich ist da besonders folgsam. Andere Länder nehmen das nicht so genau und finden irgendwelche Konstruktionen, um das ohne Ausschreibung zu machen. Es ist schon sehr kompliziert geworden. Ein größeres Projekt, das unlängst fertig geworden ist, ist die St. Martins Therme in Seewinkel, sonst machen wir Bürobauten. Wir haben außerdem einen Wettbewerb gewonnen für ein Konzerthaus in Konstanz, das Projekt ist dann aber an einer Bürgerbefragung gescheitert. So wie auch die Beethovenhalle in Bonn und der Bahnhof in Stuttgart, das Schloss in Berlin ist auch abgesagt - es ist für Architekten derzeit eine komische Situation.

Können Sie nachvollziehen, dass Bürger stärker in die Stadtgestaltung eingebunden werden wollen?
Natürlich ist das nachvollziehbar, weil doch so wahnsinnig viel schiefgegangen ist. Und nicht jedes große Projekt ist auch wirklich sinnvoll, man sieht das etwa an der Elbphilharmonie, die so wahnsinnig hochgelobt wird. In Wirklichkeit sieht man von einem Konzerthaus überhaupt nichts, das ist ein riesiger Bürokasten. Die Kosten sind inzwischen um das Zweifache gestiegen, da werden die Leute natürlich irgendwie skeptisch. Wir hatten für das ganze "Haus für Mozart" 29 Mio. Euro und sind nicht um einen Cent darüber hinausgegangen, wir hatten eigentlich nie Kostensteigerungen zu verantworten.

Sie haben in den vergangenen 60 Jahren so Unterschiedliches wie Einfamilienhäuser, U-Bahnstationen oder den Umbau des Kleinen Festspielhauses in Salzburg entworfen. Welche Aufgabe finden Sie als Architekt am Interessantesten?
Am liebsten hab ich schon Räume für die Musik, obwohl meine eigene musikalische Karriere aus Mangel an Begabung gescheitert ist. Die Amsterdamer Oper, das Festspielhaus in Baden, die neuen Säle im Musikverein oder das "Haus für Mozart" - das waren mir die liebsten Bauaufgaben. Wobei das nicht heißt, dass ich nicht andere Sachen auch gerne mache. Wir planen jetzt zum Beispiel wieder fünf U-Bahn-Stationen für die Verlängerung der U1 nach Rothneusiedl.

Oft wird geklagt, dass es in Österreich schwer sei, innovative Architektur umzusetzen. Oder es passiert, dass sich Architekten vom fertigen Projekt wegen der vielen Änderungen distanzieren - siehe Zaha Hadid am Donaukanal oder Boris Podrecca am Praterstern. Ist Ihnen das jemals passiert?
Nein, das ist bei mir nie vorgekommen. Wenn ich was schlecht gemacht hab, dann war ich selber schuld.

Waren Sie nie gezwungen, sich Wünschen Ihrer Bauherren zu beugen?
Ich gehe nie Kompromisse ein. Meine Konzepte sind alle aus mir heraus und ich könnte keinem Bauherren vorwerfen, dass er mich beeinflusst hat. Aber es ist natürlich so: Ich bin kein Freund von Extremen. Die Architektur ist heutzutage eigentlich zu einem Design-Wettbewerb verkommen, es geht nur mehr um die äußere Form, es muss so auffallend und so exzessiv als möglich sein - und damit ist natürlich der ganze Städtebau kaputt gegangen. Die Gebäude sind vielleicht für sich einzeln sehr schön - wenn auch nicht nach meinem Geschmack. Aber es sind lauter Einzelobjekte. Im urbanen Verband sieht man halt, dass diese Haltung nicht immer brauchbar ist.

Auch dann nicht, wenn man solche Bauten wie die von Zaha Hadid auch als große Raumskulpturen versteht?
Das hat ja nicht funktioniert! Wenn man sich die Hungerburgbahn anschaut - das ist ja lächerlich! Da wurde unglaublicher Aufwand betrieben, technisch haut das nicht hin und in 20 Jahren wird's zusammenfallen. Aber bitte, das ist halt die Hadid. Ich bin kein Verehrer der Hadid, obwohl sie meine Nachfolgerin an der Angewandten ist.

(Das Gespräch führte Judith Lecher/ APA)