Wissen und Gesundheit
20.06.2016

Zlatko Junuzovic: Wenn das Außenband im Sprunggelenk reißt

Zlatko Junuzovic laboriert an der häufigsten Sportverletzung.

"Teilriss des Außenbandes im rechten Knöchel" – Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic ist der derzeit prominenteste Patient mit dieser Diagnose. Die Außenbandverletzung am oberen Sprunggelenk (Verbindungsgelenk zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß) ist die häufigste Sportverletzung", sagt Unfallchirurg Univ.-Prof. Christian Gäbler, (Sportordination Wien). – "Und sie wird oft als ,Verstauchung‘ bagatellisiert", ergänzt Unfallchirurg Univ.-Prof. Reinhard Weinstabl (Wiener Privatklinik).

Bänder sorgen für Stabilität

Drei Bänder an der Außenseite des Knöchels bilden den "Außenbandkomplex". Bänder sind robuste und elastische Bindegewebsstränge, die die Knochen im Gelenk miteinander verbinden. Sie geben dem Gelenk Stabilität.

In der Regel reißt das vordere Außenband als Erstes. Weinstabl: "Es beginnt oft mit einem harmlosen Umknicken. Ein plötzlicher stechender Schmerz und ein knacksendes Geräusch sind typisch für einen Bänderriss. Der Außenknöchel schwillt an und wird blau."

Kühlen und Kompressen

"Die wichtigste Erstmaßnahmen sind Kühlen und Kompression – Druck auf das Gewebe mit Kompressionsverbänden, um ein Ausbreiten des Blutergusses zu verhindern", sagt Gäbler. Auch Lymphdrainagen (spezielle Massagetechnik) wirken abschwellend.

Junuzovic bekommt auch ein Enzympräparat – chemische Verbindungen, die Reaktionen im Körper beschleunigen. Entzündungen und Wassereinlagerungen (Ödeme) sollen sich dadurch schneller zurückbilden.

Unterschiedliche Daten

"Manche Studien zeigen gute Ergebnisse, andere nicht", erläutert Gäbler. "Deshalb gebe ich sie nur in Einzelfällen. Schließlich kommt es bei einem Hobbysportler ja nicht auf jeden einzelnen Tag an." Anders sei dies bei Profis: "Hier ergreift man jeden Strohhalm und versucht alles, was den Heilungsverlauf beschleunigen könnte – da geht es um jeden Tag."

Beschleunigt werden kann die Heilung auch mit plättchenreichem Plasma (PRP) – aus einer kleinen Menge Eigenblut wird durch Zentrifugieren ein hoch dosiertes Konzentrat aus Blutplättchen und Wachstumsfaktoren gewonnen. Weinstabl: "Der Anteil an Wachstumsfaktoren ist bis zum 600-Fachen so groß wie im Blut." Vielfach kann damit die Heilungsdauer auf die Hälfte verkürzt werden.

"Entscheidend ist, dass so rasch wie möglich mit Kräftigungs- und Koordinationsübungen begonnen wird", betont Gäbler. "Gerade bei Profisportlern ist das oft schon am Verletzungstag der Fall."

Wann operieren?

Bleibt die Frage, wann eine Operation notwendig ist, bei der die Bänder zusammengenäht und eventuell durch einen körpereigenen Beinhautlappen verstärkt werden. "Es gibt Patienten, die auch bei zwei komplett gerissenen Außenbändern ohne Operation gut zurechtkommen", sagt Weinstabl. Voraussetzung dafür ist aber umfangreiche Physiotherapie zur Stabilisierung des Sprunggelenks.

Unterschätzte Verletzung

"Weil diese Bänderverletzungen so häufig sind, werden sie aber häufig auch unterschätzt", weiß Gäbler. "Es wird eine Zerrung oder ein Einriss diagnostiziert und der Patient geht mit einer elastischen Binde nach Hause. Aber aus meiner Erfahrung haben mindestens zehn Prozent der Patienten eine schwerere Verletzung als ursprünglich angenommen – dass zum Beispiel nicht ein, sondern zwei oder drei Bänder verletzt sind, dass der Knorpel mitbetroffen ist. Aber dadurch, dass die Verletzung oft als ,ein bisschen eine Zerrung‘ bagatellisiert wird, gibt es gar nicht wenige Hobby-Ballsportler, die mit instabilen Sprunggelenken herumlaufen."

Weinstabl: "Oft zeigt sich erst in der Magnetresonanztomografie – so wie sie auch bei Junuzovic durchgeführt wurde – die ganze Schwere der Verletzung, die Art des Risses, die Beeinträchtigung des umliegenden Gewebes." "Mit dem Röntgenbild alleine kann man das nicht erkennen." Bei schwereren Verletzungen kann dann eine rein konservative Behandlung (Physiotherapie, physikalische Anwendungen) eine massive Instabilität im Sprunggelenk zur Folge haben.

Dauerhafter Schaden

Die Folge, so Weinstabl: "Man überknöchelt immer wieder. Aber je häufiger diese Verletzung passiert, umso größer ist die Gefahr eines dauerhaften Knorpelschadens. Es gibt einfach Verletzungsmuster bei zur Gänze gerissenen Bändern, bei denen eine Operation die besseren Ergebnisse liefert. Das heißt nicht, dass jeder Riss operiert wird."

Dass die Prognose bei gerissenen Außenbändern im Sprunggelenk generell sehr gut ist, zeigt auch das Beispiel des damaligen italienischen Abwehrspielers Fabio Cannavaro. Er zog sich bei der EURO 2008 in Wien einen mehrfachen Bänderriss zu und wurde von einem italienischen Ärzteteam und dem damaligen Chief Medical Officer der EURO, Christian Gäbler, operiert. Bereits wenige Wochen später konnte er das Training wieder aufnehmen.