Wissen
06.09.2017

Wieso der Schädel doch von Plinius stammen könnte

"Überzeugende Hinweise" lassen vermuten, dass die 2000 Jahre alten Knochen einst dem Gelehrten gehörten.

Jahrzehntelang lagen die letzten Überreste unbeachtet in einem italienischen Museum, jetzt glauben Forscher, es könnte sich um den Schädel von Plinius dem Älteren handeln. Der Gelehrte starb vor fast 2000 Jahren bei dem Versuch, die Einwohner der antiken Stadt Pompeji vor dem Ausbruch des Vesuvs zu retten. "Wir können nicht vollkommen sicher sein. Aber es gibt viele überzeugende Hinweise, und weitere Tests können uns eine fast definitive Antwort geben", begründet der Militärhistoriker Flavio Russo die Therorie, die er seit 30 Jahren verfolgt.

Plinius - Autor und Katastrophen-Helfer

Plinius der Ältere lebte von 23 bis 79 n. Chr. Als Autor der "Naturgeschichte" ist er bis heute bekannt, das Werk zählt zu den ältesten Enzyklopädien der Welt. Einst mobilisierte der Fregattenkapitän auch eine ganze Flotte zur Rettung der Überlebenden der Naturkatastrophe in Süditalien. Die meisten Informationen über sein Leben stammen aus den Briefen seines Neffen Plinius des Jüngeren. Er schrieb, dass sein Onkel am Strand von Stabiae gestorben sei - an den giftigen Gasen des Lava spuckenden Vulkans.

Alte Knochen

Die mutmaßlichen Überreste von Plinius wurden im frühen 20. Jahrhundert unter 73 Skeletten entdeckt. Eines von ihnen war von den anderen getrennt und mit wertvollem Schmuck dekoriert worden - darunter eine Goldkette, Ringe und ein Schwert mit Elfenbein und Muschelschalen. Der Ingenieur Gennaro Matrone, der damals die Grabung leitete, stellte als erster die Verbindung zu Plinius her. Aber ein führender Archäologe sagte ihm, ein römischer Admiral könne nicht als "Kabarett-Tänzerin" verkleidet sein. Später bestätigten Studien, dass solche Dekorationen für Persönlichkeiten von Plinius' Rang durchaus normal waren. Matrone durfte den Schmuck behalten, den er anschließend verkaufte. Den Schädel schenkte er einem Armee-General, der ihn später dem Historischen Nationalmuseum für die Kunst der Medizin in Rom übergab, wo er heute noch zu sehen ist.

Ötzi

Jetzt hat Isolina Marota von der mittelitalienischen Universität Camerino ihre Hilfe angeboten. Die Anthropologin, die zuvor die Mumie des berühmten Gletschermannes Ötzi aus Südtirol untersucht hatte, will die Zähne des Schädels unter die Lupe nehmen und mit bekannten Porträts des älteren Plinius abgleichen. Wissenschaftler können Isotope im Zahnschmelz mit Isotopen im Boden einer bestimmten Region vergleichen. Sollten die Isotope des römischen Schädels mit den Proben von Plinius' Geburtsort Como nördlich von Mailand übereinstimmen, wäre das Rätsel möglicherweise gelöst.

Reste aus antikem Rom

Dieselbe Methode hatte es Forschern ermöglicht, das Alpendorf zu identifizieren, aus dem Ötzi stammte. Nach einem Aufruf in der Tageszeitung "La Stampa" haben bereits eine Reihe öffentlicher und privater Spender ihre Unterstützung zugesagt. Sollten die Wissenschaftler die Verbindung bestätigen, wäre der Schädel "der erste (identifizierte) menschliche Überrest aus dem antiken Rom", sagt der Kunsthistoriker und freie Journalist Andrea Cionci, der den Spendenaufruf in die Zeitung gesetzt hat.