Wissen und Gesundheit
31.07.2017

So wirkt Östrogen auf die Knochen

Wissenschafter der VetmedUni Wien haben den Mechanismus jetzt entdeckt.

Dass das weibliche Sexualhormon Östrogen eine zentrale Rolle beim Knochenaufbau spielt, ist bekannt. Es stabilisiert sie und ist ein wichtiger Faktor für deren Stabilität. Bei Frauen kann der reduzierte Östrogenspiegel nach der Menopause Osteoporose, Knochenschwund, auslösen.

Bislang war jedoch unklar, an welche speziellen Zielzellen Östrogen bindet, um seine Wirkung auf die Knochen zu entfalten. Forschern der Vetmeduni Vienna gelang nun der Nachweis an Mäusen, dass die sogenannten "Bone Lining Zellen" den "Pförtner" für das Hormon spielen. Dieser Zelltyp umhüllt die Knochen und ist mit anderen Knochenzellen, wie den im Knocheninneren liegenden Osteozyten, durch Zell- zu Zell-Kontakte verbunden. Durch die Bindung an diese Art von Zellen kontrolliert es den Botenstoff RANKL. Und dieser ist wiederum ein wichtiger Faktor des Knochenumbaus.

Faktor für Abbau

Wie sich die Struktur unserer Knochen entwickelt, hängt von einem komplexen System aus Botenstoffen und Proteinen ab. Das Signalmolekül RANKL ist hier offenbar eine wichtige Komponente. Es beeinflusst die Entwicklung spezieller Zellen, sogenannte Osteoklasten, die für den Knochenabbau verantwortlich sind. Ohne Östrogen oder die entsprechenden Zellrezeptoren, an die es binden kann, wird RANKL vermehrt gebildet und löst schließlich die krankhaften Knochenveränderungen aus. Dass das Hormon die Bildung des Botenstoffs reguliert und damit die bestehende Knochendichte schützt, ist durch mehrere Studien bestätigt. "An welche Zellen es für diesen positiven Effekt allerdings andocken muss, war dagegen umstritten", sagt Studienleiter Reinhold Erben von der Abteilung für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie.