Hormon macht Zugvögel reisefreudig

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Botenstoff "Ghrelin" signalisiert kleinen Singvögeln nach ausreichender Nahrungsaufnahme bei Reisepausen volle Fettspeicher und löst "Zugunruhe" aus.

Zugvögel reisen zweimal im Jahr tausende Kilometer. Dabei müssen vor allem die kleinen Tiere öfters Pausen einlegen, um auszuruhen und den Hunger zu stillen. Ein Hormon namens "Ghrelin" beeinflusst, wie rasch sie weiterfliegen, fanden Wiener Forscher mit Kollegen bei einer Singvogel-Art heraus. Es signalisiert ihnen wohl, wann ihre Fettspeicher wieder voll sind, erklären sie im Fachmagazin "Pnas".

Die Forscher um Leonida Fusani vom Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien haben sogenannte Gartengrasmücken (Sylvia borin) auf ihren Rastplätzen in Italien eingefangen und ihre Ghrelin-Spiegel gemessen. Außerdem injizierten sie den Vögeln dieses Hormon, und beobachteten, ob sich dadurch ihr Verhalten ändert.

"Reisehungrig"

Gartengrasmücken sind etwa so groß wie Kohlmeisen, sie leben bevorzugt in Wäldern mit reichem Unterwuchs, an Waldrändern und Gewässern. Ihr Gefieder ist braun und unscheinbar, umso mehr fallen die Vögel durch ihren Gesang auf, der am ehesten als "melodisches Geschwätz" zu beschreiben ist. Sie fressen vor allem Insekten, Spinnentiere und Beeren. Wenn sie sich beim Rasten gesättigt haben, steigt ihr Spiegel an Ghrelin, fanden die Forscher heraus. Das gibt den Vögeln vermutlich zu erkennen, dass ihre Fettspeicher nicht mehr leer sind und macht sie "reisehungrig". Als die Wissenschafter den Grasmücken nämlich dieses Hormon injizierten, verloren diese die Lust weiterzunaschen, wurden rastlos und entwickelten eine erhöhte "Zugunruhe", berichten sie.

( Agenturen , sl ) Erstellt am 06.02.2017