Wissen und Gesundheit
22.01.2018

Wie Mikroben in der Nase unser Leben beeinflussen

Störungen des Geruchssinns können die Lebensqualität stark beeinflussen – Grazer Forscherinnen suchen nun einen Ansatz, die Riechfunktion über Mikroben in der Nase zu verändern.

Die Mischung aus Bakterien, Pilzen und Mikroben in der Nase könnte einen größeren Einfluss auf den Geruchssinn haben, als bisher vermutet. Die Besiedelung könnte sogar die Entstehung von Krankheiten beeinflussen. Das legt eine aktuelle Studie der Karl-Franzens-Uni Graz und der MedUni Graz im Fachjournal Scientific Reports nahe.

Der Geruchssinn beeinträchtigt viele Lebensbereiche, die einem oft gar nicht bewusst sind: die Laune, die Fähigkeit, Mahlzeiten zu genießen, die Hygiene – sogar soziale Interaktionen und das Sexualleben werden vom Riechvermögen beeinflusst. Schätzungen zufolge leiden etwa 20 Prozent der Bevölkerung an einem eingeschränkten Geruchssinn. Riechstörungen wurden außerdem schon mit einigen neurologischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht: Multiple Sklerose, Epilepsie und möglicherweise auch Alzheimer und Parkinson.

Andere Schleimhaut

Im Rahmen der Studie wurde der Einfluss des Mikrobioms in der Nase auf die Entwicklung der Riechschleimhaut bzw. der Riechfunktion untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich das Nasenmikrobiom der Teilnehmer mit einem eingeschränkten Geruchssinn auffällig unterschied, wie Studienleiterin Univ.-Prof. Veronika Schöpf , Professorin für Neuroimaging, erklärt: "Es zeigte sich vor allem ein Zusammenhang zwischen buttersäureproduzierenden Mikroorganismen und einer beeinträchtigten olfaktorischen Funktion."

Ihre Forschung basiert auf der Erkenntnis dass es in der Nase rund 360 Rezeptoren für Gerüche gibt. "Aber jeder nimmt Gerüche etwas anders wahr, weil die Rezeptoren sich bei jedem etwas unterscheiden." In der Wissenschaft habe man sich lange auf die Erforschung dieser Rezeptoren gestürzt, doch das fehlende Puzzle-Teil sind die Bakterien, wie Schöpf erklärt: "Sie tragen wesentlich dazu bei, wie gut wir riechen. Wir können heute theoretisch mit einem Abstrich feststellen, wie gut jemand riechen kann."

Auch in der Darmforschung lassen erste Forschungsergebnisse erahnen, wie groß der Einfluss des Mikrobioms auf die Gesundheit ist – dieser reicht vom Gewicht über Allergien bis hin zum psychischem Wohlbefinden.

Riechtraining

Obwohl es Schätzungen zufolge in Österreich rund 1,6 Millionen Betroffene mit eingeschränkter Riechfunktion gibt, mangelt es allerdings an entsprechenden Therapien. "Das Riechtraining kann bis zu 36 Wochen dauern und ein Erfolg ist nicht garantiert", beschreibt Schöpf die aufwändige Prozedur.

Ihre Hoffnung ist, eines Tages ein Nasenspray zu entwickeln, das sich jeder in der Apotheke holen kann. "Dann könnte man bei Menschen mit eingeschränkter Riechfunktion die Therapie beschleunigen, indem man die Mikroben mit so einem Spray gezielt beeinflusst."

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg mit weiteren Forschungsarbeiten – für ihre aktuelle Studie werden noch Teilnehmer mit Riechstörungen gesucht, deren Mikrobiom in der Nase im Darm und auf der Haut untersucht wird. Im Rahmen einer Riechtherapie wird auch die Umorganisation der Netzwerke im Gehirn analysiert. Interessenten melden sich unter DieNase@uni-graz.at