Wissen und Gesundheit
19.04.2012

Wie leben Kinder mit zwei Müttern?

Die meisten Experten sehen keine Nachteile für Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen.

Jules (Julianne Moore) und Nic (Annette Bening) sind in der US-Komödie „The Kids Are All Right" ein lesbisches, verheiratetes Paar – und die Mütter von Joni und Laser. Die Turbulenzen beginnen, als Laser, 15, wissen will, wer sein Vater ist.

Derzeit ist in Österreich für lesbische Paare und Alleinerzieherinnen die künstliche Befruchtung verboten. Seit sich die Mehrheit der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt dafür ausgesprochen hat – der KURIER berichtete –, ist eine heftige Diskussion ausgebrochen: Widerspricht eine Lockerung der Bestimmungen dem Kindeswohl?

 

Die Befürworter

Sie verweisen unter anderem auf eine Studie des Staatsinstituts für Familienforschung an der Uni Bamberg (im Auftrag des deutschen Justizministeriums) aus dem Jahr 2009: „Die Ergebnisse der Kinderstudie legen in der Zusammenschau nahe, dass sich Kinder und Jugendliche in Regenbogenfamilien ebenso gut entwickeln wie Kinder in anderen Familienformen. Entscheidend für die Entwicklung der Kinder ist nicht die Struktur der Familie, sondern die Qualität der innerfamiliären Beziehungen." Signifikante Unterschiede habe es nur in zwei Punkten gegeben: „Dass Kinder und Jugendliche aus gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften über ein höheres Selbstwertgefühl und über mehr Autonomie in der Beziehung zu beiden Elternteilen berichteten als Gleichaltrige in anderen Familienformen."

Ähnlich das Ergebnis einer Meta-Analyse, für die das Datenmaterial von 23 zwischen 1978 und 2000 publizierten Studien ausgewertet wurde: „Die Studien zeigen, dass es bei Kindern, die von lesbischen Frauen erzogen werden, keine negativen Folgen gibt." Dasselbe gelte auch für homosexuelle Männer, doch sollten hier noch mehr Studien durchgeführt werden. Auch Entwicklungspsychologin Univ.-Prof. Brigitte Rollett sieht keine grundsätzlichen Bedenken.

 

Die Gegner

Anders sehen dies sechs der 25 Mitglieder der Bioethikkommission. Auch wenn die bisherigen Studien „keine alarmierenden Ergebnisse im Sinn von Schäden für das Kindeswohl liefern, bestehen nach wie vor Unsicherheiten bzw. beträchtliche Spannungen in den Ergebnissen", heißt es in ihrer Stellungnahme. Und während auf der einen Seite die These verfochten werde, dass die klassische Familienkonstellation (Vater-Mutter-Kind) keinerlei Mehrwert für die Entwicklung des Kindes habe, „stehen wir auf der anderen Seite vor einem Trend, den Vater aufgrund seiner prägenden Rolle mehr in die Kindererziehung einzubeziehen – Stichwort Vaterkarenz".

Kritisch ist auch der Katholische Familienverband. Studien würden immer wieder zeigen, welche bedeutsame Rolle den Vätern bei der Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder zukommt, sagt Präsident Alfred Trendl. „Väter unterstützen ihre Kinder sowohl bei der körperlichen als auch bei der psychischen Entwicklung."

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Interview