Wissen und Gesundheit
05.12.2011

Wenn Höhe krank macht

In 8000 Metern Höhe setzen der niedrige Luftdruck und der geringe Sauerstoffgehalt selbst Profibergsteigern zu.

Dieser Tage versuchen zwei Österreicher, den K2 zu bezwingen: Gerlinde Kaltenbrunner und Gerfried Göschl befanden sich mit ihren jeweiligen Teams Freitagfrüh auf über 7000 Metern Höhe. Erreicht sie den Gipfel, so wäre Kaltenbrunner - anders als ihre Konkurrentinnen Oh Eun-Sun und Edurne Pasaban - die erste Frau der Welt, die alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen hat.

Niemand kommt als Gipfelstürmer zur Welt. Extrembergsteigen bedarf jahrelanger Vorbereitung, denn nicht jeder Körper ist dem niedrigen Luftdruck und Sauerstoffgehalt in 8000 Metern Höhe gewachsen. Manche Menschen bemerken schon auf - für Extrembergsteiger - niedrigen Bergen körperliche Veränderungen.

Für einige wird Atmen und Schlafen schon ab Höhen von 1500 m zur Qual. Univ.-Prof. Otto Burghuber, Vorstand der Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals, bestätigt dies: "Manche Menschen sind empfindlich, andere weniger."

In 2500 m Höhe wird es für fast jeden Körper schwierig, den Sauerstoffmangel zu kompensieren. Um die Lunge und das Herz an die extremen Bedingungen zu gewöhnen, sind ab diesen Höhen Anpassungsphasen überlebenswichtig. Eine Faustregel lautet: Pro Tag sollten nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter zurückgelegt werden. Bei Bedarf verwenden einige Bergsteiger zusätzlich Sauerstoff aus Flaschen. Dadurch können mögliche Beschwerden hinausgezögert werden.

Höhenkrankheit

Ab 2500 m kann eine leichte Form der Höhenkrankheit auftreten. Sie wird auch Acute Mountain Sickness ( AMS) genannt und zeichnet sich durch Symptome aus wie: Kopfschmerzen, Appetit- und Schlaflosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Für Burghuber können diese Beschwerden jedoch ebenso erste Anzeichen einer Hirnschwellung sein.
Selbst wenn man nicht an der Höhenkrankheit leidet, macht einem der niedrige Luftdruck zu schaffen.

Diese Erfahrung hat auch der Profibergsteiger und Fotograf Stefan Gatt gemacht. Er war bisher zwei Mal auf dem Mount Everest und spürte starke Reaktionen seines Körpers: "Der Aufstieg war eine mentale und eine physische Herausforderung. Die Puls- und Atemfrequenz stieg bei mir stark an. Zusätzlich bekam ich leichte Kopfschmerzen."

In 5500 m Höhe ist der Luftdruck um die Hälfte reduziert. Auch die Sauerstoffsättigung der Luft nimmt mit jedem Meter ab. Der Körper braucht daher mehr Energie, um die nötige Menge Sauerstoff in die Lungen zu transportieren.

Um die Körperzellen trotzdem ausreichend zu versorgen, beschleunigt sich die Atmung. Auch die Anzahl der roten Blutkörperchen nimmt zu, wodurch das Risiko von Thrombosen steigt.
Mit sinkendem Luftdruck erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für Ödeme (Wasseransammlungen im Körper) . Diese bilden sich im schlimmsten Fall in der Lunge und im Gehirn. Ödeme können selbst für erfahrene Gipfelstürmer lebensbedrohlich werden.
Obwohl Extrembergsteiger große Risiken eingehen, sind immer mehr Menschen davon fasziniert, die höchsten Gipfel der Erde zu bezwingen.

Tourismus

Auch Sportler machen sich die Veränderungen des Körpers in großen Höhen zunutze: Sportverbände veranstalten Trainingscamps in Tausenden Metern Höhe, um den Hämoglobinwert (Anzahl der roten Blutkörperchen) im Körper der Athleten zu steigern und so die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Wussten Sie, dass ...

... die Kosten für eine derartige Expedition von Veranstalter und Ort abhängig sind? Ein Budget im Wert eines Kleinwagens sollte jedoch einkalkuliert werden.

... die Einheimischen in den Anden Blätter des Koka-Baumes , gegen die Höhenkrankheit zu sich nehmen?
... das Gewicht eines Expeditions-Rucksacks für eine Achttausenderbesteigung ohne Sauerstoffflaschen etwa 27 kg beträgt?

... Bergsteiger in 8000 m Höhe am meisten mit Erfrierungen zu kämpfen haben? Leichte Erfrierungen erkennt man an weißen Flecken auf der Haut.

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