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09/14/2012

Wenn Billig-Fusel das Leben kostet

In Tschechien ist es die schlimmste Serie an Vergiftungen seit mehr als 30 Jahren. Doch auch in anderen Ländern gibt es immer wieder Fälle.

von Ernst Mauritz

17 Tote bereits in Tschechien, 2009 drei tote deutsche Schüler in der Türkei: Mit Methanol gepanschter Billigalkohol führt immer wieder zu Todesfällen.

Wie sicher sind Spirituosen in Österreich?
"Grundsätzlich handelt es sich um sehr sichere Produkte", sagt der Lebensmittelgutachter Alan Tessadri vom Institut für Lebensmittelsicherheit der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) in Innsbruck. "Wir untersuchen jährlich rund 200 Proben – Gin, Obstbrände, Rum, Tequila, Wodka – aus dem Lebensmittelhandel ebenso wie von kleinen Brennereien auf ihren Methanolgehalt. Seit ich dafür zuständig bin – die vergangenen fünfeinhalb Jahre – gab es keine Probe, die wir wegen eines zu hohen Methanolgehalts als gesundheitsschädlich eingestuft haben." 2011 warnte die EU über ihr Schnellwarnsystem vor Wodka eines deutschen Herstellers wegen eines erhöhten Methanolgehalts.

Ist bereits eine geringfügige Überschreitung der Qualitätsvorgaben gesundheitsschädlich?
Nein. Ein Wodka darf – laut den Qualitätsvorgaben bzw. Spezifikationen einer EU-Verordnung – nicht mehr als 10 Milligramm (mg) Methanol pro 100 Milliliter (ml) reinem Alkohol enthalten. Bei einem Vogelbeerbrand oder Williamsbrand sind es 1350 mg pro 100 ml. Beides sind absolut sichere Produkte, obwohl der Methanolgehalt des Obstbrandes deutlich höher ist als der von Wodka, betont Tessadri. "Auch wenn diese Qualitätsparameter einmal geringfügig überschritten werden, sind wir weit von einer Gesundheitsschädlichkeit entfernt. Eine Person mit 70 kg kommt erst bei einer Aufnahme von rund sieben Gramm (7000 mg) pro Tag in einen gesundheitsschädlichen Bereich."

Ist garantiert, dass bei den großen organisierten Maturareisen in die Türkei keine Billigware ausgeschenkt wird?
"Wir haben eine Kooperation mit Pernod Ricard und bieten – neben vielen Softdrinks – nur internationalen Markenalkohol wie Absolut Vodka und Havana Club Rum an", sagt Dietmar Tunkel, Geschäftsführer von Splashline ("Summersplash"). "Die Getränke werden von uns direkt bei der Türkei-Zentrale von Pernod Ricard gekauft, die Flaschen sind verplombt." Ähnlich Alexander Knechtsberger, Geschäftsführer von DocLX ("X-Jam"): "Wir bieten auf unseren Eventreisen auf dem Getränkesektor ausschließlich Markenprodukte – im alkoholischen Bereich Bacardi, Eristoff, Grey Goose – an. Den Großteil dieser Getränke importieren wir bereits im Vorfeld der Reisen aus Österreich. Beim Einkauf von Getränken vor Ort werden selbstverständlich mehrfach die Verschlüsse kontrolliert."

Gepanschter Alkohol - eine Chronologie

Juni 2001: Drei junge Russinnen sterben, weil ihnen auf einer Bootstour vor der Küste von Bodrum, Türkei, gepanschter Alkohol serviert wird.

Oktober 2006: Mengen an gepanschtem Wodka lösen in vielen Regionen Russlands eine Vergiftungswelle mit tausenden Erkrankungen und über hundert Todesfällen aus. Die Behörden berichten von völlig überfüllten Krankenhäusern. In mindestens zwei Gebieten wird der Notstand ausgerufen.

Juli 2009: Gepanschter Alkohol kostet im westindischen Bundesstaat Gujarat mindestens 136 Menschen das Leben.

Mai 2009: Auf der Ferieninsel Bali sterben 16 Menschen nach dem Trinken von Alkohol an Methanolvergiftungen.

März 2009: Einer Schülergruppe aus Lübeck, Deutschland, wird in einem Hotel in der türkischen Stadt Kemer gepanschter Alkohol serviert. Die Schüler dachten, es wäre Wodka. Ein 21-Jähriger starb an einer Methanolvergiftung, ein 17- und ein 19-Jähriger fielen ins Koma und starben später in der Uniklinik in Lübeck. Der Schnaps enthielt laut einem deutschen Gutachten das Zehnfache der tödlichen Dosis an giftigem Methanol.

Dezember 2011: Mehr als 140 Menschen sterben in Indien - die meisten von ihnen arme Tagelöhner, Rikschafahrer und Straßenhändler. In illegalen Branntweinstuben südlich von Kolkata (früher Kalkutta) hatten sie gepanschten Schnaps getrunken. 

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