Bis zu 29.000 Menschen in Österreich injizieren Heroin.

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Rückgang bei Neueinsteigern
12/16/2015

Weniger Heroinkonsum und weniger Drogentote

Neuer Bericht: Problematischer Konsum in Österreich geht zurück.

von Elisabeth Gerstendorfer

Der problematische Konsum illegaler Drogen geht in Österreich zurück. Vor allem die Zahl junger Erwachsener unter 25 Jahren, die erstmals psychoaktive Substanzen verwenden, ist gesunken. Diese erfreulichen Ergebnisse zeigen der Österreichische Drogenbericht 2015 sowie der zugehörige Epidemiologiebericht Drogen, die am Mittwoch in Wien präsentiert wurden. Beide Berichte werden einmal jährlich im Auftrag des Gesundheitsministeriums von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) veröffentlicht.

29.000 konsumieren Heroin und Opiate

Der größte Anteil sogenannten risikoreichen Drogenkonsums in Österreich entfällt auf Opioide wie Heroin und Opiate (z. B. Morphium). Zwischen 28.000 und 29.000 Personen konsumieren diese Substanzen mit vorwiegend sedierenden und euphorisierenden Effekten, meist in Kombination mit anderen legalen oder illegalen Drogen. „Positiv ist, dass immer weniger Leute in den Opioidkonsum einsteigen. Der Anteil der Jungen unter 25 Jahren ist seit 2004 kontinuierlich gesunken und hat sich nahezu halbiert“, sagte Martin Busch, Drogenexperte der GÖG. Zwar ist in der Gruppe der ab 25-Jährigen ein Anstieg zu verzeichnen. Dabei handle es sich aber hauptsächlich um jene Konsumenten, die vor Jahren begannen und für die ihre Drogenabhängigkeit heute eine chronische Erkrankung ist.

Weniger Drogentote

Der „Alterungsprozess“ dieser Gruppe von Drogenkranken zeigt sich auch an der Zahl der Todesfälle. Der Anteil junger Erwachsener, aber auch die Zahl der Drogentoten insgesamt ist rückläufig. Etwa ein Fünftel der 122 Drogentoten im Jahr 2014 war unter 25 Jahre alt. 2004 waren es noch 43 Prozent. Der Rückgang Junger an den Todesfällen sei auf die geringere Anzahl von Einsteigern in den Opioidkonsum zurückzuführen, so Experte Busch. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung dürften die Behandlungs- und Drogensubstitutionsprogramme haben. „Zwei Drittel der Menschen mit problematischem Drogenkonsum sind in Behandlung, 60 Prozent in Substitutionstherapie“, berichtete Johanna Schopper, Bundesdrogenkoordinatorin im Gesundheitsministerium.

Mehr Substitutionstherapie

Seit dem Jahr 2005 habe sich die Zahl der Patienten in Drogenersatztherapie fast verdreifacht. 85 Prozent der Personen in drogenspezifischer Betreuung sind opioidabhängig, jeder Zehnte ist wegen einer Cannabis-Abhängigkeit in Therapie. Die Anzeigenstatistik der Polizei spiegelt diese Entwicklungen des Drogenkonsums allerdings nicht wider – Verstöße gegen das Suchtmittelgesetz wegen Cannabis waren 2014 überproportional vertreten: 30.250 Anzeigen erfolgten nach dem Suchtmittelgesetz – 84 Prozent davon standen in Zusammenhang mit Cannabis.

Cannabis-Konsum stabil

Busch: „Dieser hohe Anteil ist auf Schwerpunkte in der Polizeiarbeit zurückzuführen. Der tatsächliche Cannabis-Konsum in Österreich ist stabil.“ Zwar haben 30 bis 40 Prozent der Österreicher zumindest einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert, innerhalb eines Jahres tun dies laut Busch aber nur etwa vier Prozent.

Auch die Einnahme von Stimulanzien, insbesondere Kokain, blieb stabil. Der Konsum von Methamphetaminen, z. B. des oft als Modedroge bezeichneten Crystal Meth, lasse sich laut dem Drogenbericht nur in lokal abgegrenzten Szenen beobachten. Auch neue psychoaktive Substanzen, etwa die als Legal Highs bekannt gewordenen Kräutermischungen, spielen in Österreich kaum eine Rolle.

Hepatitis C: Zunahme

Problematisch sei hingegen eine Zunahme an Hepatitis C unter Opioidabhängigen. Aus manchen Betreuungseinrichtungen gibt es laut GÖG Zahlen von bis zu 75 Prozent Infizierten unter den Behandelten. Dies ist auf die Nutzung nicht steriler Spritzen zurückzuführen – 40 bis 50 Prozent der Konsumenten injizieren sich Opioide, vor allem Heroin, intravenös. Spritzentauschprogramme, die eine Ansteckung unter Abhängigen reduzieren, gibt es vor allem in Ballungszentren, deutlich weniger aber im ländlichen Bereich.

Auch in den österreichischen Gefängnissen seien die Infektionsraten mit Hepatitis C sehr hoch. Spritzentausch sei in der Haft trotz bestehenden intravenösen Suchtgiftkonsums derzeit aber nicht möglich, sagte Busch.

Die aktuelle Situation in einer Infografik

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