Wissen und Gesundheit
19.04.2017

Was passiert, wenn sich Pflanzen erkälten

Eiskristalle im Gewebe der Pflanzen können Blätter zerstören. Manche Pflanzen stellen das Wachstum ein.

Winter – mitten im Frühjahr. Für Wien ein eher seltenes Phänomen, da schneite es in der zweiten Aprilhälfte zuletzt im Jahr 1997. Bis Donnerstag kann es noch in vielen Regionen schneien, in der Nacht auf Freitag wird es im Großteil Österreichs zumindest leicht frostig, prognostiziert die ZAMG. In schneebedeckten Tälern sind am Freitag in der Früh Temperaturen zwischen minus sieben und minus zwölf Grad zu erwarten.

Kälte stresst die Pflanzen

„Kältestress“ oder „Chilling“ – so heißt das, wenn Pflanzen frieren. Während die Pflanzen im Winter „schlafen“, sich also in ihrer Ruhephase befinden, ist es normal, dass im Frühjahr alles erwacht und der natürliche Kälteschutz verloren geht. Besonders empfindlich sind Knospen und junge Blätter. Je nach Kälteresistenz – es gibt kälteempfindliche, gefrierempfindliche sowie gefriertolerante Pflanzen – reagiert das Grün anders. Viele Gefrierempfindliche stammen ursprünglich aus den Subtropen, etwa Zitronen- oder Orangenbäumchen bzw. Olivenbäume. Heikel wird’s, wenn sich in ihrem Gewebe Eiskristalle bilden, dabei werden die Zellen der Pflanze zerstört. Blätter werden matschig, glasig und welken.

Wachstum wird eingestellt

Selbst wenn gefriertolerante Pflanzen weniger sensibel reagieren, so ist es auch hier so, dass erste Blütenanlagen und Knospen hochsensibel sind. Manche Pflanzen stellen aufgrund von Kältestress ihr Wachstum ein, Etwa solche, die bevorzugt in warmen Gebieten wachsen – wie Paradeiser, die oft unter 15 Grad nicht mehr wachsen, weil der Stoffwechsel streikt. Auch bei Gurken kann es zu Wachstumsproblemen kommen, bei Temperaturen unter 12 Grad. Außerdem wird manches Gemüse nicht mehr bestäubt, weil die Pollen durch die Kälte nicht lebensfähig sind – so bei Paprikablüten. Andere Sorten bringen dann nur mehr männliche Blüten hervor, wenn es kalt ist - zum Beispiel bei Kürbissen. Der Frost hat besonders negative Folgen für die Landwirtschaft. Obstbäume sind durch Kaltlufteinbrüche mittlerweile stärker betroffen als früher, sagt ZAMG-Phänologe Helfried Scheifinger: „Viele Pflanzen beginnen durch die immer wärmeren Frühlingsmonate früher auszutreiben und zu blühen. Daher reagieren sie auf Kaltlufteinbrüche deutlich empfindlicher.