Wissen und Gesundheit
03.06.2017

Was die tägliche Turnstunde bringt

Schulen setzen auf Coaches und digitale Helfer, um Schüler für Sport zu motivieren.

Bewegungscoach Goran Patekar, der normalerweise Bundesliga-Basketballer trainiert, gibt Anweisungen. Und schon laufen die Schüler der Neuen Mittelschule Markt Allhau los: "Seit Schulanfang spielen wir täglich Fußball, Volleyball oder machen Übungen. Was für ein Spaß!", sagt Sarah, die in die dritte Klasse geht. Im Burgenland hat man die tägliche Bewegungseinheit in 179 Volks- und Mittelschulen umgesetzt, ab September wird die tägliche Turnstunde an Schulen in ganz Österreich umgesetzt.

Mit den Ergebnissen ist man in Markt Allhau zufrieden. "Fast 100 Prozent der Eltern und 90 Prozent der Schüler zeigten sich bei einer Befragung begeistert", sagt Direktorin Daniela Hallemann. Goran Patekar bemerkt, dass die Schüler täglich Fortschritte machen: "Viele sind sogar sportlich sehr talentiert." Die Übungen seien auf alle Schüler abgestimmt, egal wie fit sie sind, jeder kann mitmachen. Dass die Coaches teilweise aus dem Spitzensport kommen, gefällt Schülern und Lehrern.

Auch digitale Helfer werden genutzt, um die Jugendlichen zu motivieren. Sportwissenschaftler Michael Reinprecht hat, abgestimmt auf die tägliche Bewegungseinheit, eine Smartphone- App entwickelt. "Fit in 11 Min – School" soll die Kinder nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause in Bewegung versetzen. "Es ist ein Trainingsprogramm mit einem Motivationssystem", erklärt Elisa Reinprecht, die die App in Markt Allhau vorstellte. Man sammelt Medaillen und Punkte, jener Schüler der am meisten trainiert, landet in der Hall of Fame. "Es gibt 70 Einstiegslevels, für jeden Schüler ist etwas dabei."

Dauerhaft aktiv

Ebenfalls von Sportwissenschaftlern entwickelt wurde in Wien das Projekt Eddy. Selbst übergewichtige Jugendliche werden motiviert, Fitness, Kraft und Sprungfähigkeit zu verbessert. Sie werden von Experten dazu angeleitet, sich auch außerhalb der Schule zu bewegen – zu laufen, zu hüpfen oder mit dem Ball zu spielen. Rund 20 Stunden dauert diese "Einschulung" in die aktive Freizeitgestaltung: Zeit, die gut investiert ist, wie Kinderarzt Kurt Widhalm (Österr. Akademisches Institut für Ernährungsmedizin) sagt: "Sowohl Normalgewichtige als auch Adipöse schnitten bei Motorik- und Bewegungstests Monate später noch besser ab als eine Vergleichsgruppe, die nicht an "Eddy" teilgenommen hatte." Die Daten von Markt Allhau werden derzeit an der Pädagogischen Hochschule in Eisenstadt ausgewertet.

Wie wichtig solche Maßnahmen sind, weiß der Mediziner Wildhalm: "Von Jahr zu Jahr bewegen sich die Kinder weniger, dafür sitzen sie umso länger am Computer oder an Hausübungen." Leider fehle immer noch das Verständnis dafür, wie wichtig Bewegung für Kinder ist. "Die wirkt sich auf fast alle Lebensbereiche positiv aus: auf die körperliche und psychische Gesundheit, auf die Konzentration und auf die schulische Leistung."

Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder auch in der Schule aktiver werden: "Das muss nicht die tägliche Sportstunde sein – besonders in Wien gibt es hierfür zu wenig Raum. Es gibt zu wenige Turnsäle, zu wenige Duschen und Umkleidekabinen. Was aber jeder Lehrer tun kann, ist, mit den Kindern in den Park zu gehen." Und auch Vereine sollten junge Menschen so motivieren, dass sie Spaß am Sport haben.