© Sandor Jackal - Fotolia/Sandor Jackal/Fotolia

Warum Sie trotz Erkältung küssen dürfen
10/14/2016

Warum Sie trotz Erkältung küssen dürfen

Erste Krankheitswelle ist da, Tausende sind betroffen. Wie Sie sich schützen können.

von Ernst Mauritz

"Unser Büro ist wie ausgestorben" – einen solchen oder ähnlichen Satz haben in den vergangenen Tagen wohl viele gehört. Die erste Erkältungswelle hat Tausende in ganz Österreich erfasst. Alleine in Wien gab es in nur einer Woche hochgerechnet mehr als 5600 Neuerkrankungen, wie der Grippemeldedienst des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien erhoben hat. "Wir merken, dass es mehr wird", sagt Paul Prem, ärztlicher Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes: "Es ist ja auch kein Wunder. Das nass-kalte Wetter der vergangenen Tage, der Start des Schul- und Universitätsjahres – das alles begünstigt die Verbreitung der Erkältungsviren."

Wobei laut einer jüngeren Theorie kühlere Temperaturen auch deshalb das Risiko erhöhen, weil es dann auch in den Nasen frischer wird – und das senke die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen, so das „Common Cold Centre“ in Cardiff. Und gleichzeitig lieben besonders die Rhinoviren – sie sind für rund 40 Prozent der Erkältungen verantwortlich – nass-kaltes Wetter ganz besonders.

Erkältungen sind weltweit die häufigste Erkrankung – der KURIER berichtete. 17,2 Milliarden solcher Infekte gab es 2015 laut einer Studie im Auftrag der Gates-Foundation. Das macht etwas mehr als zwei für jeden Menschen – im Schnitt.

Noch keine Influenza

Und vorerst sind es auch hauptsächlich Erkältungen. In den Bundesländern gab es teilweise zwar auch schon erste Nachweise von echter Virusgrippe (Influenza) – in Wien sind solche aber noch ausständig. "Ich habe noch keinen Fall gesehen", sagt Infektionsspezialist Univ.-Prof. Christoph Wenisch vom Sozialmedizinischen Zentrum Süd (Kaiser-Franz-Josef-Spital). Auch die Virologen der MedUni Wien haben noch keine Influenza nachgewiesen.

Lesen Sie bitte unterhalb der Infografik weiter

Wer beim ersten Erkältungsgefühl gleich gegensteuert und zum Beispiel leicht entzündungshemmende und abschwellende Wirkstoffe einnehme, könne den Krankheitsverlauf unter Umständen abmildern, sagt Prem.

Bewährt hätten sich bei festsitzendem Husten Präparate mit dem schleimlösenden Wirkstoff Acetylcystein ( ACC).

Auch Echinacea- oder Zinkpräparate können die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verkürzen. Leicht entzündungshemmend wirkt auch eine Hühnersuppe. "Wer sich hingegen nicht schont, auf Hochtouren weiterarbeitet und keinen Gang zurückschaltet, darf sich nicht wundern, wenn das die Genesung verzögert", betont Prem.

Große Virenmenge notwendig

Händewaschen – Samstag ist der Tag des Händewaschens – kann nicht nur das eigene Infektionsrisiko senken – es reduziert auch das Risiko der Ausbreitung innerhalb der Familie. Übrigens: "Kissing is OK", schreiben die Experten des Zentrums für Erkältungskrankheiten der Universität Cardiff in Großbritannien. Denn es braucht eine größere Virenmenge, damit es zu einer Infektion kommt. Eine solche wird durch Husten oder Niesen, aber auch durch mit Viren überhäufte Finger weitergegeben – zum Beispiel, wenn man sich damit ins Auge fährt. Hingegen ist die Virenmenge, die beim Küssen weitergegeben wird, einfach zu gering.

Bleibt die Frage, gibt es noch eine Möglichkeit, sich vor einer Infektion zu schützen? Ja, sagt die britischen Experten: "Werden Sie zum Einsiedler."

So oft waschen sich die Österreicher die Hände

Auch die Weltgesundheitsorganisation hat Sinn für lebensnahe Ratschläge: „Richtiges Händewaschen dauert ungefähr so lange wie das zweimalige Singen von ,Happy Birthday‘“, heißt es in ihren Händewaschempfehlungen – das sind ungefähr 20 Sekunden.

Wenn Kinder lustig ihre Hände zusammenpatschen, freudig Wasser und Seifenschaum im ganzen Bad verteilen – dann freut das zwar nicht die Eltern, aber neben den Kindern auch die Keime auf den Händen.

Wichtig ist es, ganz besonders auch die Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und vor allem die Daumen einzuseifen: Dort sammeln sich besonders viele Keime an.

Warme Füße

Wer sein Erkältungsrisiko senken will, sollte auch auf warme Füße achten: Englische Studenten, die sie für Studienzwecke 20 Minuten lang in kaltem Wasser kühlten, erkrankten in den darauffolgenden fünf Tagen doppelt so oft an einer Erkältung wie Studenten, die ihre Füße schön warm hielten.

Ausreichend schlafen wäre jetzt auch nicht schlecht: Weniger als sieben Stunden pro Nacht können das Erkrankungsrisiko um das Dreifache erhöhen.

Und falls Sie auch gleich etwas gegen die echte Virusgrippe tun wollen: Die Grippeimpfung wird auch wieder angeboten – in den Wiener Bezirksgesundheitsämtern etwa zum Preis von 11 Euro.

Hier zurück zum Themenschwerpunkt. .themenschwerpunktspan:after { content: "e632"; font-family: "kurierfont"; font-size: 14px; left: 5%; margin-right: 5px; position: absolute; top: auto; }

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.