Warum Gruppenpraxen nicht funktionieren

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Ein Jahr nachdem die "Ärzte-GesmbH" vom Parlament ermöglicht wurde, sind die Zahlen ernüchternd.

Sie würden für Patienten täglich bis in die Abendstunden und an Wochenenden offen halten; sie würden mehr Ärzte und damit mehr Fachwissen auf einem Fleck bieten; und all das wäre günstiger als die vergleichsweise teuren Spitalsambulanzen: Als vor knapp einem Jahr die "Ärzte-GesmbH" gesetzlich ermöglicht wurden, war die Erwartungshaltung groß.

Allen voran die Standesvertreter der Ärzte hatten die Vorzüge der neuen Ordinationen gepriesen, zumal sie sich einen großen Vorteil erhoffte: Ambitionierte Ärzte würden im Team zusammenarbeiten können - ohne mit dem Privatvermögen für die Ordination zu haften.

Ein Jahr nachdem die neuen Gruppenpraxen vom Parlament ermöglicht wurden, sind die Zahlen ernüchternd. Denn vorerst ist nur eine einzige Ärzte-GesmbH gegründet worden.
Waren die Hoffnungen überzogen? Sind Ärzte einfach nicht bereit, sich zu größeren Ordinationen zusammenzuschließen?

Verträge fehlen

"Alles andere als das. Das Problem ist eher, dass zusätzliche Verträge mit der Krankenkasse fehlen, um jungen Kollegen die Gründung einer Gruppenpraxis schmackhaft zu machen", sagt Michael Akta.

Der Oberarzt aus dem Orthopädischen Spital Speising hat mit seiner Kollegin Veronika Löhnert in Wien-Neubau das "Orthopädicum" gegründet - die erste Ärzte-GesmbH nach dem neuen Modell.

Für die Patienten ist der Zusammenschluss offenkundig ein Gewinn: Die Öffnungszeiten wurden von 20 auf 55 Stunden pro Woche fast verdreifacht; auf einen Termin wartet man nicht Wochen, sondern nur Tage; und weil sich die Ärzte auf unterschiedliche Gebiete spezialisiert haben, stehen Krankenversicherten viele Therapien offen.

"Egal, ob Akupunktur, Infiltrationen oder die Vorbereitung von Operationen: Wir decken ein weites Feld ab", sagt Akta. Er selbst ist auf operative Orthopädie und Sport-Orthopädie spezialisiert; Partnerin Löhnert auf Schmerztherapie mit Komplementärmedizin.

Die Ärzte selbst profitieren vor allem von der Diskussion. "Als niedergelassener Arzt bist du Einzelkämpfer. Du sollst alles wissen, hast alles allein zu entscheiden." Anders sei es in der großen Praxis. "Man kann sich ständig mit Kollegen austauschen. Bei komplexeren Fällen kann der Partner einen Blick auf Röntgenbilder oder Befunde werfen. Im Team findet man oft bessere Lösungen", sagt Löhnert.

In Bälde könnte das Orthopädicum auch am Wochenende offenhalten - eine dritte Ärztin wird angeworben. Sie soll sich der Kinderorthopädie und der Schmerztherapie widmen.
Die Ärztekammer meint, all das könne schneller gehen, würden die Kassen zusätzliche Verträge freigeben - allein in Wien würden 80 Kassenstellen fehlen. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger bremst. "Es dauert eben, bis sich Neuerungen durchsetzen", sagt ein Sprecher. Mehr Kassenstellen seien nicht nötig. "Denn die Ärzte werden bald sehen, welche Vorteile das neue Modell bietet."

Erstellt am 05.12.2011