Wissen und Gesundheit
28.01.2018

Von Bologna auf den Ball der Wissenschaften

Studenten der Johns Hopkins Universität lernten ein Stück österreichischer Kultur kennen.

Anh Nguyen freute sich schon darauf, ihr Kleid beim Ball der Wissenschaften auszuführen: "Es hat goldene Pailletten", verrät sie. Dafür ist die Vietnamesin mit rund 180 weiteren Studenten eigens aus Italien angereist. Neben dem Ball ist auch eine Stadtbesichtigung und für manche unter ihnen ein Besuch bei Nichtregierungsorganisationen und Firmen geplant.

Die Studenten besuchen das Bologna Center der Johns Hopkins Universität, wo Menschen aus vierzig Nationen gemeinsam lernen und leben – der Niederländer Christian van Eden oder der Klagenfurter Daniel Frey zum Beispiel. Der Kärntner hat schon einen Berufswunsch: "In den diplomatischen Dienst zu gehen, das würde mir gefallen." Doch festlegen will er sich nicht. Seine Kommilitonen sind noch etwas unentschlossen: "Wir studieren erstmal und sehen dann, was wir machen", sagen Nguyen und van Eden.

Dass alle aus unterschiedlichen Kulturen kommen, ist für sie beflügelnd: "Alle sind weltoffen. Wenn es Probleme mit jemandem gibt, hat das weniger mit seinem kulturellen Hintergrund als mit seiner Persönlichkeit zu tun."

Dass es ein Privileg ist, nach dem Bachelor am Bologna Center zu studieren, ist van Eden bewusst – werden dort doch nur rund 200 Studenten aufgenommen: "Ich habe viel Zeit investiert, um mich auf die Aufnahmegespräche vorzubereiten und Essays zu schreiben", erzählt er. Die Anstrengung hat sich bezahlt gemacht. Das Verhältnis von Professoren und Studenten ist optimal, viele Lehrende tragen prominente Namen, wie etwa Romano Prodi, ehemaliger Präsident der EU-Kommission. Von solchen Bedingungen können österreichische Unis nur träumen.

Über den Erfolg freuen

Als elitär würde Daniel Frey die Uni dennoch nicht bezeichnen: "Vorher hatte ich in St. Andrews in Schottland studiert – dort konnte man eher das Gefühl bekommen. In Bologna ist es mehr ein Miteinander, wo jeder dem anderen den Erfolg gönnt."

Wer einmal einen Weltkonzern leiten will, für den ist Bologna nicht unbedingt die erste Wahl: Die Absolventen sind eher in internationalen Organisationen und Vereinen sowie in gesellschaftspolitisch relevanten Positionen zu finden. Bekanntes Beispiel aus Österreich: Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, der die Studenten am Freitag im Rathaus-Keller empfing.

Rund 500 Österreicher waren bisher im Bologna Center, so z. B. Karl Krammer, der die österreichische Alumni-Organisation leitet: "Dort lernt man etwas fürs Leben. Man bildet hier ein Netzwerk im positiven Sinne. Viele gute Weggefährten blieben mir bis heute." Ihn hatte fasziniert, dass die Uni schon zu seiner Zeit (1979/80) so interdisziplinär war. Alles, was mit internationalen Beziehungen zu tun hat, wird und wurde thematisiert – Völkerrecht, Politik, Konfliktmanagement."

Doch beim Wissenschaftsball am Samstag durften die Studenten die Themen für ein paar Stunden vergessen und in das Leben der Wiener eintauchen, was für einen Amerikaner wie Christian Perez einen besonderen Reiz hat: "In Europa sind nicht nur die Städte voller historischer Bauten. Die Menschen tragen die Geschichte in sich." In Wien gehören dazu natürlich die Bälle. In diesem Sinne: "Alles Walzer!"