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© AP/Sebastian Willnow

Urlaub & Darmprobleme: Was man wissen sollte
07/31/2016

Urlaub & Darmprobleme: Was man wissen sollte

Der Darm ist ein hochsensibles Organ und reagiert stark auf Veränderung.

So groß ist der menschliche Darm

Wer Darm sagt, denkt häufig nur an dessen Ende (weil es meist die größten Probleme macht). In Wirklichkeit steckt dahinter ein Riesensystem, das sich vom Ende des Magens, dem Magenpförtner, bis zum After erstreckt. Diese Strecke misst etwa fünf bis sieben Meter. Er hat eine Oberfläche von 400 bis 1000 Quadratmeter, die sich aus den vielen Falten, Zotten und Mikrozotten des Darms ergeben.

Die verschiedenen Abschnitte

Der Darm beginnt mit dem Dünndarm (Zwölffingerdarm, Leerdarm, Krummdarm) und endet beim Dickdarm (mit Blinddarm, Kolon, Mastdarm). All diese Abschnitte sind wichtig, für die Nährstoffaufnahme. Die Komplexität des Systems macht das Organ aber auch so anfällig für äußere Einflüsse.

Immunsystem im Darm

Der „Kopf“ des menschlichen Immunsystems sitzt im Darm – das Gros der immunkompetenten Zellen sitzt in der Darmschleimhaut. Wer gesund bleiben möchte, sollte daher gut auf den Darm aufpassen.

Der Darm lebt

Tatsächlich kann man sich den Darm als gigantischenMikrokosmos vorstellen, alle Darmabschnitte sind bakteriell besiedelt. 90 Prozent aller menschlichen Bakterien leben im Dickdarm – 40.000 verschiedene Bakterienarten. Sie sind maßgeblich für die Gesundheit eines Menschen zuständig. Und damit ist es auch nicht egal, was ein Mensch zu sich nimmt, wie er isst, wie er lebt und wie viel Stress er hat. Jedes Bakterium hat in diesem ökologischen Kosmos eine Aufgabe, selbst schädliche Mitbewohner. Sie „trainieren“ das Immunsystem. Die „Guten“ wiederum sind wichtig für den Schutz der Darmoberfläche, andere wiederum spalten Ballaststoffe auf. Die Aufgabenvielfalt ist groß.

Wenn das Ökosystem ins Ungleichgewicht gerät

Es ist vor allem die Nahrung, die die Bakterien im Darm beeinflusst. Einseitige Ernährung wirkt sich negativ auf dieses Ökosystem aus. Auch Medikamente beeinflussen den Darm (man denke etwa nur an Antibiotika, die Bakterien daran hindern sich zu vermehren und sie abtöten – die Folge: eine gestörte Darmflora). Enorme Wirkung hat auch Stress. Gestresste essen viel zu schnell – die Nahrung wird nicht gut genug gekaut und in der Folge auch verdaut. Manchmal aber lähmt Stress – das Verdauungssystem braucht länger, um alle Prozesse durchzuführen. Das Essen bleibt, sinnbildlich, „stecken“. Jedenfalls gibt es einen engen Zusammenhang zwischen zentralem Nervensystem und Darm – die sogenannte Darm-Hirn-Verbindung. Der Darm hat es also gerne ausgewogen, ruhig und entspannt.

Verstopfung oder Durchfall im Urlaub

All das vorangegangene Wissen erleichtert das Verständnis für Darmprobleme in den schönsten Wochen des Jahres. Ausgerechnet! Aber Reisestress, vor oder direkt bei der Anreise, die Umstellung (Zeit, Ort, Örtlichkeiten – bis hin zum Hotelzimmer) und die ungewohnte Ernährung machen unbewusst nervös und damit auch den Darm. Alleine die Enge eines Hotelzimmers kann dazu beitragen, dass man sich anspannt und der Darm in Stress gerät. Dazu kommen andere Nahrungsmittel oder eben auch Erreger, etwa durch ungewaschenes Obst oder leicht verdorbene Nahrungsmittel. Heikel kann auch eine schnelle Abkühlung sein - wenn man zu lange im kalten Pool bleibt, weil es draußen so heiß ist und der Bauch abkühlt. Ähnliches gilt für eiskalte Getränke. An so viel "Neues" kann sich ein Darm nur schwer gewöhnen und rebelliert.

Was tun?

Bei Verstopfung: Sich Zeit lassen. Der Darm-Hirnachse signalisieren: kein Stress, alles ist gut. Versuchen, den Darm wieder zu trainieren, indem man immer zur selben Zeit aufs Klo geht, auch wenn nix passiert. Der Darm ist ein Gewohnheitstier. Viel trinken ist wichtig, speziell wenn es heiß ist. Oft kommt’s vor, dass man sich im Urlaub weniger bewegt und faul ist – auch das mag der Darm nicht. Warmes Wasser (abgekocht!) hilft, um ihn zu entspannen und anzuregen. Spaziergänge, leichtes Laufen sind der Verdauung zuträglich. Achtung beim Essen: Auf fette und schwere Speisen besser verzichten, bei Ungekochtem vorsichtig sein. Oft Händewaschen, lieber Mineral- als Leitungswasser trinken. Auf Eiswürfel und Obst eher verzichten. Tipp aus der Traditionellen Chinesischen Medizin: Frischen Ingwer in den Urlaub mitnehmen und pro Mahlzeit ein paar Scheibchen dazuessen. Das kann helfen, etwaige Erreger auszutricksen.