Wissen und Gesundheit
18.02.2015

Verschleimt Milch?

Eine Volksweisheit rät davon ab, Milch bei Erkältung zu trinken.

Keine Milch bei Husten, Schnupfen und Halsweh – das sagt eine weit verbreitete Volksweisheit. Die Milch würde verschleimen und den Heilungsprozess von Erkältungen verlangsamen. Insbesondere in der Traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird davon abgeraten, Kuhmilch zu konsumieren, da sie verschleimt. Stimmt das? Nein, sagt Angela Mörixbauer, Ernährungsexpertin und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Verbandes der Ernährungswissenschaftler Österreichs. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass Kuhmilch oder Milchprodukte zu einer vermehrten Schleimbildung führen. Bei einer australischen Studie konnten die Teilnehmer in Bezug auf Schleimbildung keinen Unterschied zwischen Kuh- und Sojamilch erkennen.“

Subjektives Gefühl

In der Untersuchung erhielten Teilnehmer entweder Milch oder als Placebo Sojamilch. Bei drei Faktoren zeigte sich ein signifikanter Anstieg: eine stärker belegte Zunge (39%), ein erhöhtes Schluckbedürfnis (31%) und verdickter Speichel, der das Schlucken erschwere (42%). Allerdings nahm dies in beiden Gruppen in gleichem Maß zu, egal ob Kuh- oder Sojamilch. Mörixbauer: „Einige Menschen haben nach dem Konsum von Milch subjektiv das Gefühl, dass sich ihr Rachenraum „schleimig“ anfühlt. Allerdings ist dies auch nach dem Konsum anderer Getränke mit ähnlicher Textur der Fall, wie etwa nach dem Konsum von Sojamilch.“ Der Überzug in Mund und Rachen entsteht durch das Milchfett und wird oft als Schleim gedeutet.

In Bezug auf Erkältungen konnte in einer weiteren Studie kein Verschleimen festgestellt werden. Forscher impften die Untersuchungsteilnehmer mit dem Schnupfenvirus, eine Gruppe trank Milch, die andere nicht. Zwischen den beiden Gruppen konnte kein Unterschied hinsichtlich Produktion von Nasensekret, Husten oder verstopfter Nase festgestellt werden.

Asthma

In Zusammenhang mit Asthma gibt es laut Ernährungsexpertin Mörixbauer keine Belege für eine schleimfördernde Wirkung. Allerdings kann es bei einer echten Allergie gegen Milcheiweiß – wie bei anderen Allergien auch - in seltenen Fällen zu asthmaähnlichen Symptomen kommen. Dass in der TCM-Ernährungsberatung immer wieder der Konsum von Milch „verboten“ werde, beruhe laut Mörixbauer auf einem Missverständnis. „TCM-Experten, die die Empfehlungen differenzierter betrachten, betonen, dass Milch als ,kostbare Essenz‘ gilt. Therapeutisch wird Kuhmilch auch in der TCM eingesetzt, z.B. bei Schlafstörungen, innerer Unruhe und trockenem Husten“, erklärt Mörixbauer.

Nur bei schwachem Verdauungstrakt – gemeint sei vor allem Laktoseunverträglichkeit sowie Milcheiweißallergie – solle Milch laut TCM gemieden werden. Wer unter Laktoseintoleranz leidet, dem fehlt das Enzym Laktase, das zum Abbau des Milchzuckers notwendig ist. In der Folge kommt es zu Durchfall und Blähungen. Viele Missverständnisse der TCM würden laut Mörixbauer durch den Versuch entstehen, die Begriffe der chinesischen Heilkunst in westliche Sprachen zu übersetzen. „Eine genaue Übertragung ist nicht möglich, da es gewisse Begriffe bei uns nicht gibt. Man muss auch wissen, dass im asiatischen und afrikanischen Raum deutlich mehr Personen unter Laktoseintoleranz leiden, als im europäischen Raum.“

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