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09/14/2012

Verhütung: Österreicher wissen viel zu wenig

Am besten schützen sich die Wiener und Salzburger. Doch viele glauben an "Aufpassen" als wirksame Methode.

von Laila Daneshmandi

Kondom, Pille oder doch einfach nur "aufpassen"? Verhütung ist für den Großteil der Österreicher (77 Prozent) selbstverständlich – das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die vom Wiener Gynmed Ambulatorium vorgestellt wurde.

Allerdings gibt es Mängel beim Wissen um die Sicherheit der gewählten Methode, erklärt der Gynäkologe Christian Fiala: "Es ist auffallend, wie häufig die weniger wirksamen Methoden angewandt werden." Testen Sie Ihr hier Verhütungswissen.

Auch, wenn Pille und Kondom theoretisch wirksame Methoden sind, gibt ein Drittel der Befragten (über sich selbst oder die Partnerin) zu, einzelne Tabletten schon öfter vergessen zu haben. Jedem Dritten ist es schon passiert, dass ein Kondom geplatzt oder abgerutscht ist. Rund 60 Prozent verhüten also mit Methoden, die je nach richtiger Anwendung nur mäßig wirksam sind.

Bedenklich findet die Gesundheitspsychologin Petra Schweiger, dass es sich bei 18 Prozent der Verhütungsmuffel um die Altersgruppe der 21- bis 29-Jährigen handelt. "Viele argumentieren das damit, dass sie derzeit nicht in einer Beziehung sind. Doch gerade in diesem Alter wird Sexualität oft spontan gelebt. Ein unnötig hohes Risiko für eine ungewollte Schwangerschaft."

Das zeigt sich auch im Bedarf für die "Pille danach": 19 Prozent der Befragten (bzw. die Partnerin der männlichen Befragten) haben die Pille danach schon eingenommen. Bei den 21- bis 29-Jährigen sind es sogar 29 Prozent.

Das dürftige Wissen um die verschiedenen Verhütungsmethoden gestehen sich die Befragten auch selbst ein. Bei der Einschätzung der eigenen Methode glauben 41 Prozent sogar, dass "aufpassen" (Coitus interruptus) oder das Zählen von Tagen sehr wirksam sei. "Hier offenbart sich ein großer Informationsbedarf – und zwar in allen Altersgruppen", sagt Fiala. "Es wäre auch wichtig, dass Eltern sich damit auskennen, welche Methoden für ihre Kinder geeignet sind."

Schwangerschaft

Zwölf Prozent der Befragten waren schon mit einer ungewollten Schwangerschaft konfrontiert – mit dem Alter steigen auch die Fallzahlen: Bei den 40- bis 49-Jährigen haben schon 17 Prozent diese Erfahrung gemacht. Mehr als jede Zweite (54 Prozent) hat sich daraufhin für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden.

Auffällig, aber auch erwartbar, ist dabei der Unterschied in den Angaben zwischen Männern und Frauen: "Hier sieht man, dass die Männer offenbar nicht immer von der Schwangerschaft wussten bzw. nicht in die Entscheidung miteinbezogen wurden."

Ein großes Anliegen ist Fiala die Kostenübernahme durch den Staat: "Wirksame Verhütungsmittel sollten wenigstens bestimmten Gruppen wie Jugendlichen und Menschen mit geringem Einkommen kostenlos als Krankenkassenleistung zugänglich gemacht werden." Außerdem kritisiert er, dass Österreich in Westeuropa zu den wenigen Ländern gehört, in denen ein Schwangerschaftsabbruch (Kosten etwa 500 Euro) nicht von öffentlicher Hand bezahlt wird: "Österreich ist da eine peinliche Ausnahme. Eine Schwangerschaft ist ein Verhütungsunfall. Es wäre ja auch absurd, wenn ein Unfall beim Skifahren nicht bezahlt würde."

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