© 60Minutes Australia

Transplantation
05/29/2015

Frau trifft Mann, der das Gesicht ihres Bruders bekam

Richard bekam das Gesicht von Joshua, der mit 21 überfahren wurde. Die Geschichte einer Begegnung.

Es war ein spektakulärer Eingriff und der erfolgreichste dieser Art: Dem Amerikaner Richard Lee Norris wurde 1997 bei einem Zwischenfall mit einer Schrotflinte das Gesicht zerfetzt – sein gesamter Kiefer, seine Nase, seine Lippen wurden dabei komplett zerstört. Fünfzehn Jahre später bekam der mittlerweile 37-jährige die zerstörten Gesichtsteile ersetzt, ebenso wie die Zähne, Zunge und Gesichtsnerven. Der Eingriff dauerte 36 Stunden und wurde von einem Chirurgen-Team an der Universität Maryland durchgeführt.

Berührend

Weitere drei Jahre später fand eine emotionale Begegnung statt, die für das News-Magazin 60 Minutes Australia gefilmt wurde kommenden Sonntag ausgestrahlt wird: Die Schwester des verstorbenen Spenders Joshua Aversano – Rebekah – traf erstmals Richard Lee Norris, der das Gesicht ihres Bruders erhielt. Joshua war mit 21 Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt.

Dabei kam es zu berührenden Szenen: Als sich Norris bei Rebekah bedankte, streckte sie ihre Hand aus und fragte, ob es ihn störe, wenn sie sein Gesicht berühre. Als er verneinte, legte sie ihm ihre Hand auf die Wange – , um danach ein wenig zurückzuweichen und erstaunt zu sagen: „Wow, das ist das Gesicht, mit dem ich aufgewachsen bin.“ Schließlich umarmten die Beiden einander.
Die Mutter des Spenders, Gwen, betonte in einem Interview mit dem kanadischen Fernsehen, dass die Entscheidung, das Gesicht nach dem Tod ihres Sohnes zur Transplantation freizugeben, richtig war: „Wir können eindeutig das Antlitz unseres Sohnes in ihm erkennen. Wir sind so glücklich, dass wir helfen konnten – auch wenn der Verlust für uns sehr groß war.“

Depressiv

Norris hatte nach seiner Verletzung die Hölle durchlebt – mit seinem völlig entstellten Gesicht traute er sich nur noch bei Dunkelheit oder mit Maske hinaus. Er hatte keine Freunde mehr, wurde depressiv und war selbstmordgefährdet. Heute zeigt er wieder Mimik, seine motorischen Funktionen in der rechten Gesichtshälfte würden zu 80 Prozent funktionieren, jene der linken zu 40. Bereits einige Monate nach dem Eingriff sagte er: „Es geht jeden Tag besser. Ich verbringe Zeit beim Fischen und Golfen. Ich kann jetzt an Leuten vorbeigehen, ohne dass mich jemand eines zweiten Blickes würdigt.“ Klar ist, dass das Leben des 39-Jährigen nie ganz normal sein wird, er braucht regelmäßig Nachuntersuchungen und er muss Medikamente gegen die Abstoßung nehmen. Doch immerhin kann Norris wieder schmecken und riechen. Und er schafft etwas, was er lange nicht konnte: ein Lächeln.

Hilfe für Kriegsopfer

Die Erfolge, die das Ärzteteam dieser Operation feiern konnte, sollen auch anderen Patienten zugutekommen. Die Chirurgen haben sich jahrelang darauf vorbereitet und diverse Methoden erforscht; diese Expertise will man auch in anderen Fällen anwenden. Vor allem Verwundeten aus Kriegsgebieten soll so wieder zu einem normalen Leben verholfen werden.

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