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Interview
03/15/2014

Die große Kunst, ein Optimist zu sein. Und zu bleiben

Jeder kann Optimist werden, behauptet Elaine Fox. Dem KURIER verriet sie, wie.

von Susanne Mauthner-Weber

Elaine Fox erzählt eine Geschichte: Der US-Luftfahrtpionier, Industrielle und Filmproduzent Howard Hughes war überaus erfolgreich und – angstgesteuert. Er war fest davon überzeugt "Ich werde an Krankheitserregern sterben", schreibt die Neurologin und Psychologin von der Universität Oxford in ihrem neuen Buch "In jedem steckt ein Optimist".

30 Jahre nach dem Tod von Hughes verkörperte Leo DiCaprio den Angstgebeutelten im Film "Aviator". Monatelang vertiefte er sich in Hughes kranke Psyche und arbeitet mit einem Psychiater, bis er schließlich dachte und fühlt wie Hughes: In sein Gehirn war vorübergehend eine Zwangsstörung eingepflanzt worden und es waren drei Monate intensive Therapie nötig, um ihn wieder von seiner pessimistischen Weltsicht zu befreien.

"Wie wir lernen können, eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen" ist daher wohl nicht zufällig der Untertitel des Buches von Elaine Fox. Die britische Neurologin forscht seit Jahren über Optimismus und Pessimismus, "wie sie sich entwickeln, wie sie mit mentaler Gesundheit, Angststörungen und Depression zusammenhängen und was sie damit zu tun haben, ob wir das Beste aus unserem Leben herausholen."

KURIER: Prof. Fox, Sie sagen, Optimismus ist viel mehr als positives Denken. Was genau?

Elaine Fox:Unsere Forschungen haben gezeigt, dass Optimismus (und auch Pessimismus) sich aus vielen Elementen zusammensetzen: Positives Denken spielt natürlich eine Rolle, aber eben nur eine. Positive Handlungen sind ebenso wichtig. Optimisten gehen hinaus und tun Dinge, anstatt nur daran zu denken. Das Tun führt zu Ergebnissen, nicht das daran denken. Ich wollte auch davon wegkommen, dass der Gedanke "Alles wird gut" den Optimismus ausmacht. Dem ist nämlich nicht so. Optimisten probieren verschieden Lösungen aus.

Das führt uns zum dritten wichtigen Bestandteil.

Stimmt: Beharrlichkeit, Ausdauer. Die Fähigkeit, weiterzumachen, selbst dann, wenn alles dagegen spricht, ist ein Hauptmerkmal für einen optimistischen Geist. Das vierte Merkmal von Optimismus ist das Gefühl, Kontrolle über das zu haben, was uns gerade passiert. Pessimisten, speziell jene, die zu Depressionen neigen, haben das Gefühl, keinen Einfluss auf das zu haben, was ihnen geschieht. Selbst, wenn es eine Illusion ist: Forschungen haben ergeben, dass es uns stärkt, wenn wir das Gefühl haben, Einfluss auf unser Schicksal nehmen zu können.

Angst und Belohnung sind die zentralen Player in den Köpfen von Pessimisten bzw. Optimisten. Warum?

Die Schlüsselerkenntnis meiner Arbeit ist, dass Optimismus und Pessimismus einem alten Teil des Gehirns entspringen, der auch für Angst und Freude zuständig ist. Das sind die beiden wichtigsten biologischen Motivatoren – wir schenken Dingen, die uns glücklich machen oder uns bedrohen mehr Aufmerksamkeit als allem anderen. Wir brauchen beide Systeme für ein erfolgreiches Leben.

Im Buch erzählen Sie von einer Frau, der aufgrund einer Hirnverletzung das Angstzentrum fehlte.

Ja, sie führt ein komplett normales Leben bis auf die Tatsache, dass sie keinerlei Angst empfindet. Das hat zur Folge, dass sie ständig kleine Unfälle erleidet, sie verbrennt sich die Finger an der Kerze und hat auch jegliches Urteilsvermögen verloren, ob ihre Mitmenschen vertrauenswürdig sind oder nicht.

Unser Angstzentrum hält nach Gefahren und Problemen Ausschau und ist die Wurzel für eine pessimistische Lebenseinstellung – ich nenne das "the rainy brain" (das verregnete/bewölkte Hirn). "The sunny brain" (das sonnige Gehirn) auf der anderen Seite ist der optimistische Schaltkreis und hat seine Wurzel im Belohnungszentrum.

Wir brauchen beide Netzwerke – unser "rainy brain" und unser "sunny brain". Es ist nur wichtig, sie in einem gesunden Gleichgewicht zu halten und aufmerksam zu bleiben, was rund um uns vorgeht.

Wenn wir in einer Gefahrensituation sind, sollte unser "rainy brain" das Kommando übernehmen und uns durch die Situation helfen damit wir überleben.

Was ist mit dem Optimismus-Gen? Gibt es so was?

Eine schwierige Frage. Es besteht kein Zweifel daran, dass Gene an der Ausbildung beider Gehirne, des "rainy" wie des "sunny brain", beteiligt sind. Zum Beispiel wissen wir, dass Dopamin eine wichtige Rolle im Belohnungssystem spielt, Serotonin dagegen für das Angstzentrum wichtig ist. Also werden auch Gene, die diese Gehirn-Chemie steuern, in der Ausprägung von Optimismus und Pessimismus eine Rolle spielen. Wie auch immer: Die Art, wie das funktioniert, ist eine komplizierte Interaktion zwischen jenen Dingen, die uns passieren und unserer genetischen Ausstattung. Auf den Punkt gebracht: Nein, es gibt kein Optimismus-Gen, aber es sind die Gene, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man unter den richtigen Umständen optimistisch wird.

Wissenschaftler wissen längst, dass wir unser Hirn modellieren können. Aber wie?

Das wichtigste ist, unsere negativen mentalen Gewohnheiten zu brechen. Das Gehirn tendiert dazu, eine Information entweder unter positiv oder negativ abzulegen. Derzeit entwickeln wir computergestützte Aufgabenstellungen, die Menschen dabei helfen, ihr Gehirn neu zu stimmen. Diese Tests sind noch nicht allgemein erhältlich, aber auf meiner Homepage können Interessierte schon mal ihr Gehirn positiv trainieren (www.rainybrainsunnybrain.com, unter BBC Horizon, nur englisch). Was man noch tun kann: Dinge, die einem passieren, positiv neu bewerten. Auch jede Änderung von Gewohnheiten kann helfen, zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Oder ein Buch lesen, das man normalerweise niemals aufschlagen würde.

BUCHTIPP:

Elaine Fox: "In jedem steckt ein Optimist. Wie wir lernen können, eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen. Neue Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychologie." C. Bertelsmann Verlag. 320 S. Preis: 20,60 €

Mit Achtsamkeit Negatives ausschalten

Innere Ruhe, positive Gefühle und Gedanken können trainiert werden. Einen Boom erleben derzeit Meditationsübungen. Bei der sogenannten "Achtsamkeitsmeditation" konzentriert man sich etwa auf die augenblicklichen Erfahrungen, Klänge, Gerüche, Gefühle – die Sonnenstrahlen, die einem die Wangen wärmen, den Duft des Kaffees, das Hintergrundgeplauder in einem Lokal. Mögliche, aufkommende negative Gedanken lässt man dabei wie eine Wolke vorbeiziehen, hält nicht an ihnen fest.

Anfängern fällt die gerichtete Aufmerksamkeit, bei der man sich auf eine einzelne Sache wie eine Kerze oder die eigene Atmung konzentriert, oft einfacher. Das Gehirn lernt durch solche Übungen, Ablenkungen zu widerstehen. So haben Studien gezeigt, dass es Eltern mithilfe von gerichteter Meditation sogar gelingt, das Getöse und Geschreie ihrer Kinder besser auszublenden. Meditationserfahrene Menschen können sich demnach besser konzentrieren und bewahren eher die innere Ruhe. Auch die eigene Körperwahrnehmung wird gestärkt. Untersuchungen mit depressiven Menschen deuten darauf hin, dass Achtsamkeitsübungen sie davon abhalten, das Netzwerk depressiver Gedanken zu aktivieren, das für einen Rückfall verantwortlich ist, berichtet Elaine Fox in ihrem Buch "In jedem steckt ein Optimist".

Verhältnis 3 zu 1

Die Psychologin Barbara Fredrickson entdeckte im Rahmen ihrer Forschungen, dass positive und negative Gefühle sich in einem Verhältnis von 3 zu 1 gegenüberstehen müssen. Drei positive Emotionen seien nötig, um eine negative auszugleichen und sich glücklich zu fühlen. Fredrickson zufolge sollten wir nicht versuchen, negative Erfahrungen zu verhindern, sondern uns bemühen, das Verhältnis von 3 zu 1 herzustellen.

Wer sich als optimistisch einstuft, neigt stärker dazu, nach lustvollen Erfahrungen zu streben und diese zu genießen, berichtet Fox nach der Untersuchung von 200 Studenten. Ihre Hirnaktivität zeigte, dass die Optimisten äußerst aktive Belohnungssysteme hatten. Optimismus ist übrigens auch gesünder. So belegen etliche Studien, dass Optimisten seltener unter Herzkrankheiten leiden, sich schneller von Operationen erholen und sogar länger leben.

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