Wissen und Gesundheit
28.03.2017

Worauf man nach einer Herzoperation achten muss

Ein Herzchirurg beantwortet die wichtigsten Fragen von Herzpatienten.

OA Dr. Peter Poslussny ist Gastprofessor der Medizinischen Universität Wien und Facharzt für Chirurgie, Herzchirurgie und Gefäßchirurgie im Herzzentrum Krankenhaus Hietzing.

Mein Mann befindet sich nach einer Herz-Bypass-Operation im Reha-Zentrum. Welche Medikamente muss er dauerhaft nehmen?

Als Standardtherapie nach einem solchen Eingriff gelten sogenannte Beta-Blocker, die Blutdruck und Herzfrequenz stabilisieren, Medikamente, die den Fettstoffwechsel positiv beeinflussen und blutverdünnende Substanzen. Dazu – abhängig von anderen Begleiterkrankungen – z.B. Insulin, Dosieraerosole für weitere Atemwege usw.

Kann man eine verengte Herzklappe auch anders als im Rahmen einer offenen Operation ersetzen?

Ja. Man kann heute bei sehr alten und bereits voroperierten Patienten – bei denen ein chirurgischer Eingriff ein erhöhtes Risiko bedeutet – eine neue Aortenklappe über eine Leistenarterie implantieren. Die faltbare Herzklappenprothese wird mittels Katheter (dünner Schlauch) bis an die richtige Stelle herangeschoben. Dabei wird die eigene Klappe nicht herausgeschnitten wie bei einem chirurgischen Eingriff, sondern an die Wand der Aorta (Hauptschlagader) gedrückt. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und am schlagenden Herzen ohne Herz-Lungen-Maschine.

Sind die neuen Herzklappen, die über eine Leistenarterie implantiert werden, auch eine Option für jüngere Patienten?

Eher nicht, da es noch keine Langzeitdaten gibt und diese Produkte nicht zuletzt deshalb in erster Linie bei sehr alten Patienten (ab 80 Jahren) oder nach bereits stattgefundenen Herzoperationen zur Anwendung kommen. Bei den chirurgischen Verfahren gibt es hingegen ausreichend Daten zu sehr guten langfristigen Ergebnissen. Deshalb sind sie für jüngere Patienten die erste Wahl.

Gibt es noch keine alternativen Präparate zu Marcoumar nach künstlichem Klappenersatz?

Derzeit nicht. In den vergangenen Jahren kamen neue blutverdünnende Medikamente auf den Markt, die z.B. nach Thrombosen eingesetzt werden. Nach mechanischem Klappenersatz gilt jedoch weiterhin: lebenslang Marcoumar. Wobei intensiv geforscht wird und es wahrscheinlich in den nächsten Jahren Medikamente geben wird, die man täglich einmal einnimmt und für die keine ständigen Kontrollen nötig sind.

Welche Ernährung raten Sie Herzpatienten?

Über die sogenannte "mediterrane Diät" gibt es unzählige Publikationen. Eine Verringerung des Fleischkonsums, generell eine weniger fett- und zuckerreiche Ernährung sowie vermehrter Konsum von Obst und Gemüse ist für Herzpatienten besonders wichtig. Die Bedeutung des Rotweines, täglich genossen ("French Paradoxon") wird in einigen Studien wieder angezweifelt. Zudem darf das Suchtrisiko nicht außer acht gelassen werden.

OA Peter Poslussny Tel. (01/526 57 60): Mi., 29. 3., 15 bis 16 Uhr. eMail: gesundheitscoach@kurier.at