Schaden Windräder der Gesundheit?

Windrad eines Wind Kraftwerkes für Strom
Foto: Gina Sanders - Fotolia/Gína Sanders/Fotolia Windkraftwerke sind nicht unumstritten

Schlafstörungen, Benommenheit, Ohrensausen – Experten: "Auswirkungen müssen erforscht werden".

Windkraft ist öko-freundlich und boomt. Doch das Sauberimage der grünen Strom-Alternative bekommt Flecken – immer mehr Mediziner äußern Bedenken, die Anlagen könnten sich auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirken. Das dramatischste Beispiel kommt aus Dänemark – bei Inbetriebnahme von nahe gelegenen Windenergie-Turbinen begannen die Tiere eines Nerzzüchters, einander gegenseitig zu verletzen und Jungtiere totzubeißen. Anrainer von Windparks klagen über Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schlafstörungen.

Zufall? Einbildung? Skeptiker sprechen gerne vom umgekehrten Placebo-Effekt, dem "Nocebo"-Effekt. Wer negative Auswirkungen auf seine Gesundheit erwartet, bekommt sie auch. "Es gibt bisher keine Studie, die gesundheitliche Schäden eindeutig beweist – aber wir können derzeit reinen Gewissens auch keine Schäden ausschließen", sagt Univ.-Prof. Manfred Maier vom Zentrum für Public Health an der MedUni Wien. In Dänemark läuft derzeit eine große Studie, die sich mit den Auswirkungen von Windkraft befasst.

Was Infraschall macht

Hauptstreitpunkt ist der Infraschall, der unterhalb der Hörschwelle des Menschen liegt und damit für uns akustisch nicht wahrnehmbar ist. Maier: "Der Infraschall reizt trotzdem die Sinneszellen im Innenohr und im Gleichgewichtsorgan und wird über den Hörnerv bis zur Hirnrinde übertragen." Man hört nichts, es sei aber sehr plausibel, dass sich Infraschall auf den Körper auswirkt.

Für Aufsehen sorgte unlängst ein Bericht, wonach jede Anlage jährlich für den Tod von schätzungsweise 1000 Fledermäusen verantwortlich sei. Der durch die Druckluftschwankungen erzeugte Unterdruck bringt die Trommelfelle der Tiere zum Platzen, sie verlieren die Orientierung und Sterben, berichten Biologen des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung im Fachblatt European Journal of Wildlife Research.

Faktor Entfernung

"Beim Menschen ist nur belegt, dass Personen, die in der Nähe von Windkraftanlagen wohnen, entfernungsabhängig an Schlafstörungen leiden", sagt Maier. Je näher, desto mehr Probleme. In der Literatur werden zumindest zwei Kilometer Abstand empfohlen, in Großbritannien hält man sogar drei Kilometer ein. "In Niederösterreich müssen 1200 Meter eingehalten werden, in Kärnten 1500. Die Vorgaben in Österreich sind überaltert, weil sich die Windräder weiterentwickelt haben und der Infraschall damit eine ganz andere Dimension bekommen hat." Ein Rotorblatt erreicht inzwischen die Länge eines Fußballfelds. "Die schalltechnischen Gutachten werden außerdem auf Basis von methodisch falschen Messungen getroffen. Techniker treffen Aussagen zu Gesundheitsauswirkungen", kritisiert Maier.

Auch Piero Lercher, Referent für Umweltmedizin bei der Wiener Ärztekammer, beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Windkraft: "Die Betroffenen sind nicht dezidiert dagegen, sie sagen Windkraft, ja, aber ... Wir wissen auch beim Mobilfunk nicht, welche Folgen er hat, man muss einfach vorsichtig sein." Es gebe auch viele alternative Formen von Windkraft, die sich nicht durchsetzen – etwa auf Autobahnen.

Das Problem sei, dass die Beschwerdebilder nur schwer eingrenzbar sind. "Und im Gegensatz zum natürlichen Infraschall, etwa bei Erdbeben oder Wettererscheinungen, ist der mechanische Infraschall immer gleichtönig und scheint zu stören. Das muss man ernst nehmen und dem nachgehen."

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(KURIER) Erstellt am
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