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Kinderwünsche
12/17/2016

Zwei Brüder mit Diabetes - ein fast normales Leben

Julian und Moritz haben Diabetes Typ 1 – ihr Alltag ist von Blutzucker-Berechnungen bestimmt. Ein Diabetiker-Warnhund könnte ihnen helfen, gefährlichen Unterzucker rechtzeitig zu erkennen.

von Laila Daneshmandi

Vor jeder Mahlzeit und jedem Schokoriegel müssen der achtjährige Julian und sein kleiner Bruder Moritz, 6, in den Finger gestochen werden. Und dann noch einmal zwei Stunden später. Die Eltern messen ihre Blutzuckerspiegel, um zu berechnen, wie viel Insulin sie den Buben für die Nahrungsaufnahme spritzen müssen. "Im Schnitt brauchen wir pro Kind zehn Messstreifen am Tag", erzählt Peter Streit. Wenn der letzte Wert am Abend nicht passt, bleibt er nachts oft länger auf, um noch einmal zu messen und sicher zu gehen, dass seine Kinder keinen Unterzucker haben. Für die Familie aus Zeltweg ist das ganz normaler Alltag.

Wenn die Buben unterzuckert sind, werden sie launisch bis aggressiv und ihr Gesicht wird blass. Im Extremfall verlieren sie das Bewusstsein: "Das versuchen wir mit allen Mitteln zu verhindern, weil jede Bewusstlosigkeit bedeutet, dass das Gehirn weniger mit Sauerstoff versorgt wird und es Folgeschäden geben kann", erklärt Peter Streit. Die Eltern wollen ihren Kindern einen möglichst normalen Alltag und vor allem eine möglichst gesunde Zukunft ermöglichen. Je früher Schäden entstehen, desto gravierender sind die späteren Folgen.

Unklare Ursache

Im Gegensatz zu Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) wissen Ärzte nicht, wodurch Diabetes Typ 1 ausgelöst wird. Es fällt nur auf, dass die Krankheit in den vergangenen Jahren immer häufiger bei Kindern auftritt, oft nach einer Erkältung. Doch die Ursachen sind noch immer unklar.

Julian war drei Jahre alt, als der Mutter auffiel, dass er ungewöhnlich viel Wasser trank und die Windeln immer öfter gewechselt werden mussten. Der Hausarzt wollte auf Verdacht den Blutzucker messen – er war so hoch, dass sein Gerät den Wert nicht mehr anzeigen konnte. Julian musste sofort ins Spital auf die Intensivstation, nach einer Woche durfte er wieder nach Hause. Seither muss er spritzen. Anfangs bekam er das Insulin über den für Diabetiker typischen Pen – ein Stift, der das Insulin injiziert.

Nach einigen Wochen erhielt er eine Insulinpumpe: ein kleines Gerät mit Schlauch zum Bauch – für ein kleines Kind mehr als unpraktisch. Schließlich erkämpfte die Familie bei der Krankenkasse das aktuellste Gerät, das dem Kind das lebenswichtige Insulin injiziert, den Omnipod. Das ist ein kleines Gerät, das auf den Oberarm geklebt wird – statt mehrerer Nadelstiche am Tag gibt es ein Mal einen Stich, durch den das Insulin über eine Fernbedienung verabreicht wird.

Nach drei Tagen wird ein neues Gerät aufgeklebt und es gibt wieder "nur" einen Stich. Zwei Jahre später erhielt der kleine Bruder Moritz dieselbe Diagnose: "Da haben wir uns wenigstens schon ausgekannt", erzählt Sonja Streit. Seither wird jede Mahlzeit abgewogen, für alles werden die Broteinheiten berechnet. Im Kopfrechnen kann der Familie inzwischen kaum jemand was vormachen. Für Notfälle haben alle immer Traubenzucker dabei. Abends richten die Eltern den Kindern die Schuljause und schreiben der Lehrerin die Broteinheiten auf, damit sie weiß, wie viel sie per Fernbedienung spritzen muss.

Julian trägt den Omnipod und darüber ein Gerät, das seinen Zuckerstatus regelmäßig über das Gewebe misst - es kann per Handy abgelesen werden, liefert aber nicht so genaue Daten wie ein Stich in den Finger.

"Dass ihre Lehrer das machen, ist alles andere als selbstverständlich", wissen die Eltern. "Viele weigern sich, ein Kind mit Diabetes, Asthma oder Epilepsie aufzunehmen. Es hängt viel an der persönlichen Einstellung der Lehrer, zumal sie haftbar sind, falls etwas passiert." Doch Familie Streit ist mit der Schule ihrer Kinder im guten Einvernehmen.

Niemals alleine

Dass einer der Elternteile bei Ausflügen, beim Schwimmen oder beim Fußballtraining dabei sein muss, ist für sie selbstverständlich. "Das gilt für jede Aktivität. Wir können die Verantwortung nicht abgeben." Deshalb hat sich Peter Streit inzwischen selbstständig gemacht, um zeitlich flexibler zu sein. Die Mutter arbeitet Teilzeit.

Um den Alltag etwas zu erleichtern – und vor allem, um mehr Sicherheit zu haben und ruhiger zu schlafen, spart die Familie auf einen Diabetiker-Warnhund. Die sind speziell darauf trainiert, Zeichen zu geben, wenn eines der Kinder Unter- oder Überzucker hat. So kann die Familie reagieren, bevor es zu gröberen Schwankungen kommt. Doch so ein speziell ausgebildeter Hund kostet bis zu 25.000 Euro – trotz zahlreicher Spenden ist die Familie noch weit entfernt von dem Betrag und hofft nun mit Unterstützung der Stiftung Kindertraum auf die Hilfe der KURIER-Leser.

SPENDENKONTO
Stiftung Kindertraum

IBAN: AT10 6000 0000 9011 8500

BIC: OPSKATWW

Kennwort: Julian und Moritz

Hilfe für Kinder: Stiftung Kindertraum

Die vielen Therapien und Hilfsmittel für kranke oder behinderte Kinder verursachen auch Kosten – viele Familien können sich das nicht leisten. Seit 1998 erfüllt die Stiftung Kindertraum Kindern mit schweren Schicksalen Herzenswünsche. Das Geld dafür stammt aus Spenden und Erlösen von Benefizaktionen. Jedes Jahr realisiert das Team damit rund 200 Herzenswünsche. ✆ 01 / 585 45 16
www.kindertraum.at