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Länger leben
01/03/2016

Warum die Lebenserwartung jährlich um 3 Monate steigt

Sozialmediziner sagt: "Kein medizinischer Grund für fixes Pensionsalter".

von Ernst Mauritz, Christa Schimper

"Sie läuft und läuft und läuft", sagt der Doyen der österreichischen Sozialmediziner, Univ.-Prof. Michael Kunze, und meint damit die Lebenserwartung: "Jedes Jahr gewinnen Neugeborene drei Monate dazu, und ein Ende ist nicht absehbar." Dass dadurch auch Herausforderungen auf die Gesellschaft zukommen werden, sollte man "nicht beklagen, sondern annehmen. "Natürlich, wenn wir alle mit 16 an der Tuberkulose gestorben wären, könnten wir nicht dement werden", so Kunze kürzlich bei einer Veranstaltung der Gesellschaft der Ärzte in Wien zum Thema Lebenserwartung. "Das starre Pensionsantrittsalter, so wie wir es heute haben, ist nicht zielführend. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Grundlage – nicht medizinisch, nicht psychologisch, nicht sozial – für ein fixes Pensionsantrittsalter." Denn das tatsächliche biologische Alter sei extrem verschieden: "Da können zehn Jahre Unterschied zum tatsächlichen Lebensalter sein. Wer fit ist und dies auch will, sollte so lange arbeiten können, wie es seinen Vorstellungen entspricht."

Er selbst sei zwar schon 73, sein eigenes biologisches Alter sei aber erst 64. Als emeritierter Universitätsprofessor sei er noch voll aktiv: "Ich unterrichte so wie früher, betreue Diplomanden und fahre auf Konferenzen. Alles andere würde mich unglücklich machen."

Österreich liegt im internationalen Vergleich zwar bei der Lebenserwartung relativ weit vorne, es gibt aber Länder, die noch besser sind – wie etwa Schweden: Nicht nur bei den Lebensjahren insgesamt, sondern vor allem auch bei den Lebensjahren, die ohne chronische Krankheiten verbracht werden. "Zwei Hauptursachen dafür sind der geringere Alkohol- und geringere Zigarettenkonsum", sagt Univ.-Prof. Ellenor Mittendorfer-Rutz vom Karolinska Institut in Stockholm, derzeit Gastprofessorin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien.

Bildung entscheidet

Der Zigarettenkonsum in Schweden ist stark zurückgegangen, dafür sind die Verkaufszahlen des Lutschtabaks gestiegen: "Da dieser Tabak nicht geraucht wird, gibt es auch kein Lungenkrebsrisiko", sagt Kunze. Und trotz des bei Jugendlichen häufigen "Koma-Trinkens" am Wochenende habe durch die schwedische Alkoholkontrolle (z. B. eingeschränkte Kaufmöglichkeiten) "Alkohol in Schweden einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft als in Österreich."

Schwerwiegend seien die Auswirkungen des Bildungsniveaus auf die Lebenserwartung: "Männer mit dem besten Ausbildungsniveau haben mit 30 Jahren eine deutlich höhere Lebenserwartung als Frauen mit der niedrigsten Ausbildung. Diese Schere geht weiter auf."

Was Schockbilder tatsächlich bewirken können

Was können schockierende Bilder auf Zigarettenpackungen tatsächlich bei Rauchern bewirken? Die Ohio State University, USA, untersuchte das und versorgte vier Wochen lang 244 Raucher mit ihrer bevorzugten Zigarettenmarke. Allerdings waren die Packungen modifiziert und zeigten einen Mann, der über einen Zugang zur Luftröhre (Luftröhrenschnitt) rauchte.

Nach einem Monat untersuchten die Forscher, ob diese Bilder irgendwelche Veränderungen bei den Rauchern ausgelöst hatten: „Der Effekt war klein, aber er war nicht unwichtig“, so Daniel Romer, einer der Studienautoren. Die Raucher waren „nicht eingeschüchtert, aber sie hatten negativere Gefühle gegenüber ihrem Rauchverhalten und dachten mehr über die möglichen Gesundheitsrisiken nach“. Und sie zogen etwas stärker als früher die Möglichkeit eines Rauchstopps in Erwägung: „Die Studie belegt, dass derartige Darstellungen tatsächlich einen Effekt haben.“

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