Speiseröhrenkrebs zählt zu den seltenen Diagnosen.

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Innovatives Verfahren
02/15/2017

Speiseröhrenkrebs: Erfolg mit Schleimhaut-Verpflanzung

Patient in Berlin kann damit deutlich besser essen und schlucken.

Berliner Ärzte haben einem Patienten nach einer Speiseröhrenkrebs-Erkrankung ein Stück Schleimhaut verpflanzt und ihm damit mehr Lebensqualität verschafft: Er kann deutlich besser schlucken und essen. Zunächst entnahmen die Mediziner dem Mann Schleimhaut aus dem Dünndarm, teilten die kommunalen Vivantes-Kliniken am Mittwoch mit. Die Schleimhaut sei dann in einem komplizierten Verfahren in die Speiseröhre transplantiert worden. Dort sei sie nun dauerhaft angewachsen.

Nach der Entfernung des Tumors aus der Speiseröhre hatte das Narbengewebe dem Patienten das Schlucken - und damit auch das Essen - extrem erschwert. Inzwischen könne der Mann sogar wieder seine Lieblingstorte essen, teilten die Kliniken mit. Ärztliche Fachgesellschaften begrüßen diese Lösung für den Patienten. Sie haben aber noch Zweifel, ob das Verfahren künftig breiter angewendet werden kann.

Wer von Speiseröhrenkrebs betroffen ist

Bösartige Neubildungen der Speiseröhre (Ösophaguskarzinome) zählten zu den seltenen Krebsdiagnosen mit 419 Fällen im Jahr 2014 in Österreich. Sie waren für rund 1% der jährlichen Krebsneuerkrankungen und knapp 2% der Krebssterbefälle verantwortlich, heißt es auf der Homepage der Statistik Austria. Die altersstandardisierten Raten wiesen fünf Neuerkrankungen und vier Sterbefälle je 100.000 Personen der Bevölkerung aus.

Speiseröhrenkrebs hatte von allen Tumorarten den höchsten Männeranteil: rund 80% der Neuerkrankungs- und Sterbefälle betrafen Männer. Am Jahresende 2014 lebten 866 Männer und 254 Frauen in Österreich mit Speiseröhrenkrebs.

Im Bundesländervergleich wies Kärnten im Jahresdurchschnitt 2012-2014die höchste, Tirol die niedrigste Neuerkrankungsrate auf. Die Sterblichkeit war in Vorarlberg am höchsten und in Tirol am geringsten.

Rund die Hälfte aller Diagnosen wurde erst gestellt, als der Tumor bereits die Organgrenzen durchbrochen hatte.

Stichwort Speiseröhre

Die Speiseröhre ist ein etwa 25 Zentimeter langer Muskelschlauch. Sie verbindet den Mund- und Rachenraum mit dem Magen. Ihre Innenwand ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Bei Speiseröhrenkrebs verändern sich die Zellen der Schleimhaut und beginnen zu wuchern.

Als typisches Warnzeichen gelten Schluckbeschwerden und Gewichtsabnahme.

Bei den meisten Patienten kann man im Nachhinein nicht klären, was genau ihre Erkrankung ausgelöst hat. Als Risiko gelten Rauchen, Alkoholmissbrauch, chronisches Sodbrennen und Übergewicht. Sitzt der Tumor in der Speiseröhre nur an der Oberfläche der Schleimhaut, können Ärzte versuchen, ihn bei einer endoskopischen Operation zu entfernen, also durch den Hals. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist bei vielen Betroffenen ein komplizierter chirurgischer Eingriff nötig.

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