Inhaltsstoffe können Entzündungsbotenstoffe hemmen.

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Inhaltsstoffe
12/24/2016

So wird Weihrauch in der Medizin eingesetzt

Das Harz wird intensiv erforscht. Es wirkt entzündungshemmend, etwa bei Arthrosen.

von Ingrid Teufl

Es gilt in vielen Kulturen als das "Harz der Götter" und vor allem in den ländlichen Gebieten Österreichs wird wohl auch am heutigen Heiligen Abend vielerorts Weihrauchduft durch Häuser und Wohnungen ziehen. Das wohlriechende Harz kann aber viel mehr, als symbolisch das zu Gott aufsteigende Gebet der Gläubigen darzustellen. Schon in früheren Jahrhunderten wurden ebenso seine desinfizierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften genutzt.

Wirkweisen wissenschaftlich untersucht

Heute versuchen Forscher, neue Wirkungsfelder von Weihrauch zu erschließen und wissenschaftlich fundiert zu untermauern. In PubMed, weltweit eine der größten Medizin-Datenbanken, sind derzeit etwa 600 Publikationen dazu aufgelistet. "Die Hälfte davon entstand in den vergangenen fünf bis sechs Jahren", sagt Oliver Werz. Er hat an der Friedrich-Schiller-Universität Jena einen Lehrstuhl für pharmazeutische und medizinische Chemie inne und beschäftigt sich seit Jahren mit den Wirkstoffen von Weihrauch. "In mehreren Bereichen kommen gut designte Studien zu positiven Ergebnissen." Derzeit laufen weitere 16 Studien, die sich mit Einsatzmöglichkeiten bei Asthma, Arthrosen oder Morbus Crohn beschäftigen. Für eine Zulassung in Europa reichen diese allerdings nicht aus. Daher werden Weihrauchprodukte, etwa in Form von Kapseln, als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Entzündungshemmend

Für die entzündungshemmenden Eigenschaften des Weihrauchs sind die fast nur im Weihrauch enthaltenen Boswellia-Säuren verantwortlich. "Wir sehen, dass Boswellia-Säuren pharmakologisch gesehen hoch aktiv sind", erklärt Werz. Sie können zum Beispiel die Bildung von Entzündungsbotenstoffen hemmen.

In den vergangenen fünf Jahren fanden Wissenschaftler heraus, dass auch andere Inhaltsstoffe mit ähnlicher Struktur wie die Boswellia-Säuren für viele Wirkungen (mit-)verantwortlich sind. Von diesen Triterpensäuren (zu denen auch Boswellia zählt) sind je nach Weihrauchsorte 15 bis 20 enthalten. Manche sind für den charakteristischen Geruch von Weihrauch verantwortlich.

Relativ neu ist auch die Erkenntnis, dass eine fettreiche Ernährung zu einer wesentlich besseren Aufnahme von Weihrauchkapseln im Magen-Darm-Trakt führt. Werz: "Es gibt mittlerweile auch spezielle Darreichungsformen, die mit Lecithinen angereichert sind."

Für die Knie-Arthrose gibt es die meisten Studienergebnisse. Bereits vor einigen Jahren stellte das unabhängige Medizin-Netzwerk Cochrane Collaboration in einer Übersichtsarbeit fest, dass Kapseln mit Weihrauchextrakt Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zumindest geringfügig verbessert.

Für Werz ist der Grund die Fähigkeit des Weihrauchharzes, chronische Entzündungen zurückzudrängen. Es komme allerdings auf die richtige Dosis an. Der Boswellia-Gehalt einzelner Sorten variiere stark. Wesentlich für die Wirksamkeit sei ein hoher Wert. "Zu akuter Schmerzbekämpfung wird aber ein klassisches Schmerzmittel besser wirken", räumt er ein.

Beruhigend

Viele schreiben dem Weihrauch eine beruhigende Wirkung zu. Über die ätherischen Öle sollen die positiven Eigenschaften in die Atemwege, das Blut und letztendlich ins limbische Gefühl des Gehirns, dem Sitz der Emotionen, gelangen. Aus gesundheitlichen Gründen aber besonders viel Weihrauch einzuatmen, ist aus pharmakologischer Sicht allerdings wenig sinnvoll, betont Werz. "Ätherische Öle haben aus meiner Sicht mit Arzneimitteln wenig zu tun."

Aber in den Raunächten die Wohnräume mit duftendem Weihrauch zur räuchern, kann in jedem Fall reinigend wirken – äußerlich und innerlich. Gelegenheit, Altes hinter sich zu lassen gibt es im Weihnachtsfestkreis übrigens noch mehrere. Silvester und die Nacht vor dem Heiligen-Drei-König-Tag sind im traditionellen Volksglauben ebenfalls klassische "Räuchernächte".

Tradition
Bereits vor 7000 Jahren wurde Weihrauch im Orient den Göttern geopfert. Im indischen Ayurveda setzt man ihn seit rund 5000 Jahren ein, und die alten Ägypter verwendeten ihn unter anderem bei der Mumifizierung ihrer Pharaonen. Über Jahrtausende galt Weihrauch als exklusives Handelsgut, die Transportroute vom Oman nach Damaskus wurde als „Weihrauchstraße“ benannt und gilt als eine der ältesten Handelsrouten. Das Wort Weihrauch stammt aus dem Althochdeutschen, wo es „heiliges Räucherwerk“ bezeichnete.

Herkunft
Es gibt 25 Arten der Gattung Boswellia, der Standort bestimmt die Qualität. Der Strauch gedeiht in Ostafrika, Südarabien und Ostindien. Dazu werden nur einige Arten zur Gewinnung von Weihrauch verwendet. Das ist vorrangig Boswellia sacra (auch Boswellia carterii. somalischer oder arabischer Weihrauch). Sein Harz ist honiggelb und nicht weniger zitronig als andere Sorten. Weitere gebräuchliche Sorten sind Boswellia serrata (indischer Weihrauch), Boswellia papyrifera und Boswellia frereana. Über 80 Prozent des Weihrauchs kommt aus Somalia.