Wissen und Gesundheit
22.07.2017

Schweres antisoziales Verhalten zeigt sich in Gehirnstruktur

Bestimmte Bereiche unterscheiden sich bei Buben und Mädchen.

Lügen, Schuleschwänzen, Gewalt und im Extremfall auch Waffeneinsatz - das alles zählt zu schweren Formen von antisozialem Verhalten von Jugendlichen. Forscher der britischen Universität Bath wollten herausfinden, ob sozial gestörte Kinder eine andere Gehirnstruktur aufweisen als solche mit normalem Verhalten. Dafür untersuchten sie 96 Jugendlichen zwischen 14 und 18 mit Störungen im Sozialverhalten mittels Magnetresonanztomografie und verglichen die Ergebnisse mit jenen von 105 Gleichaltrigen, die sich normal entwickelt hatten.

Die im Magazin "Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry" veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass bei Jugendlichen mit gestörtem Sozialverhalten der präfrontale Kortex dünner war, als bei der Kontrollgruppe. Dieses Areal in der Gehirnrinde ist für langfristiges Planen, das Treffen von Entscheidungen - und für die Impulskontrolle zuständig.

Doch auch unter den Geschlechtern zeigten sich Unterschiede: Bei Buben war der Kortex dünner, bei Mädchen hingegen dicker. Erstmals konnte in dieser Studie gezeigt werden, dass es geschlechterspezifische Unterschiede in den gehirnbedingten Ursachen der Erkrankung gebe, betonen die Autoren. Die Störung tritt bei Buben drei Mal häufiger auf, als bei Mädchen.

Die Störung wird oft mit Kindern aus dysfunktionalen Familien in Verbindung gebracht. Behandelt werden schwere soziale Störungen oft in Form von Programmen, die auf Veränderungen im Sozialverhalten abzielen. Die Forscher der Studie hoffen, dass ihre Daten dazu beitragen, sich mehr mit den geschlechtsspezifisch unterschiedlichen körperlichen Auslösern zu beschäftigen. Das könnte zukünftig zu spezifischer Behandlung und maßgeschneiderten Präventionsprogrammen führen.