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12/05/2011

Schwere Zeiten für Heavy Metal

"Aligner-Technologie": Immer häufiger lösen hauchdünne Kunststoff-Schienen die altbekannten Draht-Zahnspangen ab.

Mit Zahnspangen verhält es sich wie mit einem Gutteil der Menschen: Schön, dass es sie gibt, aber leichter zu ertragen sind sie, wenn man sie nicht sieht. Wilde Metallschlingen an den Zähnen, die Chef, Haushund und Liebhaber irritieren, werden von der Eitelkeit oft erfolgreich verhindert. Dann doch lieber Kreuzbiss, lebenslang.

Eine ernsthafte Alternative zu den reizlosen Nickel-Streben, wie sie sogar Prinzessin Eugenie, Enkelin von Queen Elizabeth II. tragen musste (Bild re.) , sind sogenannte "Aligner": Anstatt den Kiefer mit Metall zu verzurren, gießt ein Computer passgenaue Schienen aus durchsichtigem Plastik, die wie ein Zahnschutz über obere und untere Gebissreihe gesteckt werden. Alle zwei Wochen setzt man ein neues Schienenpaar ein, das Kraft auf die Zähne ausübt, sie bewegt, immer weiter, bis sie gerade stehen.

Der KURIER hat "Aligner" der Firma Invisalign von Juni 2010 bis August 2011 getestet. Ein kurzer Überblick:

Trageweise

Der Behandlungserfolg steht und fällt mit der Tragedauer. Die Schienen sollen rund um die Uhr an den Zähnen stecken, nur dann können sie genug Kraft ausüben, um das Kiefer nachhaltig zu korrigieren. Die "Aligner" können und müssen aber von Zeit zu Zeit herausgenommen werden, etwa zum Essen oder zum Zähneputzen. Das ist Fluch und Segen gleichermaßen: Fluch, weil dadurch längere Tragepausen entstehen können - man vergisst oder setzt sie aus Bequemlichkeit erst spät wieder ein. Im schlimmsten Fall scheitert dadurch die Behandlung. Segen, da die Zahnhygiene und das Essen deutlich einfacher funktioniert als bei fixen Zahnspangen.

Sichtbarkeit

Auf Distanz sind die Schienen nicht auszumachen. Erst ab zwei, drei Armlängen glänzt das Plastik ein wenig unnatürlich, die Konturen der Zähne wirken abgerundet. Ebenfalls aus der Nähe sichtbar werden die sogenannte Attachments, die an wenigen Stellen auf die Zähne geklebt werden, um den Alignern Halt zu geben. Im Vergleich zu Zahnspangen mit Bogendraht allerdings deutlich dezenter.

Sprache

Wie sensibel die menschliche Zunge ist, zeigt sich, wenn man ihr den Platz nimmt: Die hauchdünnen Aligner machen die Zahnreihen gerade einmal um einen knappen Millimeter dicker. Das reicht, um anfangs ein leichtes Lispeln zu verursachen. Nichts für das Reinhardt-Seminar, aber etwas, das nach wenigen Tagen in den Griff zu bekommen ist.

Disziplin

Wie schwer fällt das Tragen, tagein, tagaus, über Monate hinweg? Nicht schwer. Zumindest nicht, wenn die teuren Apparate aus der eigenen Tasche bezahlt wurden. Leider geht das Tragen von Alignern mit einer gewissen Ernährungsumstellung einher: Nebenmahlzeiten werden über kurz oder lang weggelassen, weil das ewige "Schienen raus - essen - Zähne putzen - Schienen wieder rein" öde wird. Kann gut für die Figur sein.

Schmerzen

Kaum. Jeweils zu Beginn eines neuen Schienen-Paares, also etwa alle zwei Wochen, zieht es an den Zähnen. Der Kiefer gewöhnt sich aber schnell an die Belastung, nach spätestens zwei Tagen ist davon nichts mehr zu spüren.

Fazit

Für Erwachsene, die um die Stellung ihrer Zähne, aber auch um ihre Stellung in der Gesellschaft fürchten, sind
Aligner eine gute, wenn auch nicht preiswerte Sache. Eine Behandlung kostet, je nach Dauer, Modell und Arzt, mehrere Tausend Euro. Bei Jugendlichen ist Vorsicht geboten: Zum einen muss das Kiefer schon entwickelt sein, zum anderen lässt die Tragedisziplin oft zu wünschen übrig - schließlich haben die Eltern bezahlt.

Behandlung: Plastik statt Nickel-Draht

Methode Vor etwas mehr als zehn Jahren sind in den USA die ersten herausnehmbaren Kunststoff-Zahnspangen auf den Markt gekommen. Neben "Invisalign" sind in Europa unter anderem "ClearAlign" und "Alphalign" erhältlich.

Computermodell Am Anfang der Behandlung steht die Abnahme eines Kieferabdrucks. Auf Basis dessen wird ein Computermodell, der sogenannte ClinCheck, erstellt. Vor dem Computer bestimmt der behandelnde Arzt, wie die Zahnbewegungen schrittweise erfolgen müssen, und wie viele Schienen dazu notwendig sind, um die Fehlstellung zu beseitigen.

Anfertigung Ist der ClinCheck abgeschlossen, gehen die Daten zum Hersteller in den USA. Dieser fertigt alle Schienen auf einmal an - je nach Behandlungsdauer knappe 20 Paar. Nach etwa drei Wochen bekommt der Zahnarzt die fertigen "Aligner" und übergibt sie dem Patienten.

Abschluss der Behandlung Nach Ende der Therapie wird meist für einige Monate ein "Retentionsdraht" an die Innenseite der Zähne geklebt, um zu verhindern, dass die Zähne wieder in ihre Ausgangsposition wandern.

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