Wissen 15.12.2011

Schmerzmittel: Die Dosis macht das Gift

Paracetamol ist weniger gefährlich als die aktuelle Diskussion vermuten lässt. Sorgfalt ist dennoch geboten.

Wie gefährlich sind Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen wirklich? „Im Umgang mit rezeptfreien Schmerzmitteln herrscht eine verblüffende Sorglosigkeit vor“, kritisiert etwa der Spiegel das systematische Unterschätzen der von vielen als harmlos angesehenen Kopfwehpulver. In Deutschland läuft derzeit eine Diskussion darüber, die bisher rezeptfreien Schmerzmittel verschreibungspflichtig zu machen oder zumindest die Packungsinhalt zu verringern, um Missbrauch vorzubeugen.

„In Österreich gibt es derzeit keinen Grund, an unserer Regelung zu zweifeln. Sie hat sich einfach bewährt“, erklärt dazu Christoph Baumgärtel von der Arzneimittelaufsichtsbehörde AGES-PharmMed. „Paracetamol ist sogar eine der sichersten Substanzen und einer der besten Schmerzstiler, die wir haben. Es wird sogar Schwangeren und Kleinkindern verabreicht.“


Der Diskussionspunkt der Deutschen, dass zu hohe Dosen die Leber schädigen können, sei zwar berechtigt, aber bei einer empfohlenen Tagesdosis von zwei Milligramm für einen normalen Erwachsenen gebe es einen großen Spielraum. „Erst ab der fünffachen Tagesdosis ist mit einer Leberschädigung zu rechnen. Das sind Mengen, die ein normaler Mensch nicht unabsichtlich einnehmen kann.“ Baumgärtel hält auch nichts davon, Paracetamol rezeptpflichtig zu machen: „Dann holen sich die Leute einen anderen rezeptfreien Schmerzstiller, der womöglich nicht annähernd so gut verträglich ist. Mit der Verschreibungspflicht würde man sich wahrscheinlich andere Probleme einhandeln.“

Dosierung

„Die Dosis macht das Gift“, erklärt dazu Oberarzt Matthias Oehmke von der Schmerzambulanz an der MedUni Wien. Auch eine Überdosierung mit Aspirin könne sich ungünstig auf die Blutgerinnung, Nierenfunktion und auf die Magenschleimhaut auswirken. Der große Irrtum, der bei vielen Schmerzpatienten vorliegt, ist: „Die schmerzlindernde Wirkung von rezeptfreien Schmerzmitteln wird durch eine übermäßige Dosissteigerung nicht besser.“ Eine Überdosierung etwa mit Paracetamol reduziert also nicht den Schmerz, sondern steigert nur die Nebenwirkungen. „In diesem Fall müsste man unter ärztlicher Aufsicht auf ein anderes Mittel zurückgreifen.“

„Wir wissen aus Umfragen, dass 90 Prozent der Leute die Gebrauchsinformationen genau lesen – wir sind durchaus ein Vorzeigeland, was die Patientenmündigkeit betrifft“, erklärt Baumgärtel.

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Die missbräuchliche Verwendung von verschreibungsfreien Arzneimitteln könne man ohnehin bei keinem Präparat komplett verhindern, meint dazu auch Herbert Wicho von der Pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer. „Wenn jemand das gesuchte Mittel in der einen Apotheke nicht bekommt, geht er in die nächste. Man kann nicht verhindern, dass sich jemand mit rezeptfreien Arzneimitteln eindeckt – das ist aber auch bei anderen Präparaten wie etwa Abführmitteln so.“

( Kurier ) Erstellt am 15.12.2011