Wissen 05.03.2013

Reisethrombose: Vorbeugung mit Medikamenten nur bei erhöhtem Risiko

Bei Gesunden reichen Beingymastik, aufstehen und viel Trinken

Auch wenn man zehn Stunden und länger unterwegs ist: Wer noch nie eine Thrombose (Blutgerinnsel) hatte bzw. an keiner angeborenen Gerinnungsstörung leidet, benötigt keine medikamentöse Vorsorge mit blutverdünnenden Medikamenten wie Heparin oder Aspirin, erklärte Priv.-Doz. Thomas Gremmel von der Universitätsklinik für Innere Medizin II (Klinische Abteilung für Angiologie) der MedUni Wien / AKH Wien. „Früher gab es oft auch für Gesunde die Empfehlung, vor Langstreckenflügen niedermoleklares Heparin in niedrigen Dosen zu spritzen.Doch die neuesten Daten zeigen, dass das keinen Sinn macht. Denn das Risiko ist bei Menschen ohne besondere Thrombosegefahr sehr gering.“ Deshalb werde auch in den aktuellen Therapierichtlinien die medikamentöse Vorbeugung von Reisethrombose nur bei Personen mit stark erhöhtem Thromboserisiko empfohlen.
„Für Menschen ohne erhöhtes Thromboserisiko reichen allgemeine Maßnahmen aus“, sagt Gremmel: Regelmäßig trinken, regelmäßig während des Fluges aufstehen und ein wenig Herumgehen, bestimmte Bewegungsübungen mit den Beinen und Zehen (Beingymnastik: etwa Kreisen der Zehen und der Beine) durchführen sowie das Tragen von Kompressionsstrümpfen: Diese fördern den Rückstrom des Blutes aus den Venen zum Herz.
„Die Venen haben selber keine Muskulatur“, sagt Gremmel, „aber sie verlaufen zwischen diesen hindurch.“ Immer dann, wenn sich der Muskel anspannt, wird die Vene zusammengedrückt und gibt dem Blut einen Schub zurück zum Herz.

Auch Acetylsalicylsäure nicht vorbeugend nehmen

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© Bild: AP/KURIER
Gesunde Menschen, die noch nie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, sollten auch keine Vorbeugung gegen Durchblutungsstörungen mit Acetylsalicylsäure durchführen, betont Gremmel. „Das wird von den Fachgesellschaften nicht empfohlen.“ Denn das erhöhte Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trankt und im Kopf gleiche die Vorteile aus.
Anders ist dies bei Menschen, die schon verengte Herzkranzgefäße haben: „Für sie ist die Acetylsalicylsäure ein wichtiges Medikament.“ Eine Langzeittherapie sollte allerdings immer mit einem Magenschutz (Protonenpumpenhemmer) kombiniert sein, um die Magenschleimhaut vor Schäden zu schützen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.03.2013