Quälende Nervenschmer­zen: Eine Linderung ist möglich

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Foto: Getty Images/iStockphoto/ClaudioVentrella/iStockphoto Sensibilitäts- und Gehstörungen sind typisch für Nervenschmerzen.

Wenn Arme und Beine unter Gefühllosigkeit, Kribbeln und Bamstigkeit leiden: Welche Therapiemöglichkeiten es gegen Polyneuropathie gibt.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Udo Zifko ist Facharzt für Neurologie und Vorstand der Neurologischen Abteilung am  Evangelischen Krankenhaus in Wien-Währing.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Udo Zifko… Foto: /Evangelisches Krankenhaus Prim. Univ.-Doz. Dr. Udo Zifko

Welche sind die typischen Symptome für Schmerzen, die von den Nerven ausgehen?

Typisch für den Nervenschmerz – in der Fachsprache Polyneuropathie ("Vielnerven-Krankheit") genannt – sind Störungen der Sensibilität in Händen und Füßen: Bamstigkeit, Taubheit, Brennen oder Stechen in den Füßen, Ameisenkribbeln, Kälte- oder Hitzegefühle und generell Gefühlsstörungen. In fortgeschrittenem Stadium kann dies zu Lähmungserscheinungen, Gehbehinderungen und anderen Symptomen führen. Rund 900.000 Österreicher leiden unter einer der Formen von Nervenschädigung.

Welche Formen bzw. Ursachen gibt es?

Diabetes, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen, langjähriger hoher Alkoholkonsum sowie verschiedene Medikamente – auch Chemotherapie – können die Fortsätze von Nervenzellen (Axome), aber auch die Nervenzellen selbst schädigen. Etwa durch den erhöhten Blutzuckerspiegel oder durch Inhaltsstoffe von Alkohol und Medikamenten. Daneben gibt es aber auch entzündliche bzw. vom Immunsystem ausgehende Krankheitsformen: Dabei sind entweder die Gefäße, die die Nerven versorgen, oder die Nervenfasern selbst entzündet.

Wie erfolgt die genaue Diagnose?

Vor allem durch einen Blutbefund und eine umfassende neurologische Untersuchung, wobei die Nervenleitgeschwindigkeit ein entscheidender Parameter ist. Das Ausmaß der Verlangsamung der elektrischen Impulse entlang der Nervenfasern gibt Hinweise auf die Form der Polyneuropathie.

Wird rechtzeitig diagnostiziert?

Die Krankheit entwickelt sich schleichend über viele Jahre hinweg, auch deshalb erfolgt die Diagnose oft erst sehr spät. Vielfach gibt es noch die – falsche – Meinung, "da kann man nichts machen". Dabei kann man die Schmerzen gut in den Griff bekommen und das Voranschreiten der Erkrankung weitgehend stoppen. Die entzündlichen, von den Gefäßen oder dem Immunsystem ausgehenden Krankheitsformen sind mit antientzündlichen oder auf das Immunsystem wirkenden Medikamenten überhaupt heilbar. Das ist aber zu wenig bekannt.

Was kann der Lebensstil beitragen?

Körperliche Aktivität verbessert die Durchblutung der Extremitäten – und damit indirekt auch die Nervenfunktion. Physiotherapie lindert auch die Gangunsicherheit. Vielen Patienten helfen unterstützend auch Wechselbäder oder Kohlensäurebäder. Arbeiten die Patienten aktiv mit, sind die Erfolge der medikamentösen Therapie deutlich besser.

Buchtipp: Udo Zifko: "Polyneuropathie – So überwinden Sie quälende Nervenschmerzen", Springer-Verlag, 172 S, 82 Abbildungen, 20,55 Euro


Prim. Univ.-Doz. Zifko am Tel. (01/526 57 60): Mi., 13. 9., 12 bis 13 Uhr.

eMail: [email protected]

(kurier) Erstellt am
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