Wissen und Gesundheit
16.05.2017

Pubertäre Jungs: Testosteron macht sie ungeduldig

Sie wollen alles und das sofort: Welche Rolle ein Hormon bei Pubertierenden spielt.

"Yolo" lautet die Devise vieler Jugendlicher – in der Langform: "You only live once" (Du lebst nur einmal). Speziell pubertierende Burschen nehmen diesen Slogan mitunter zu wörtlich und wollen alles, am besten jetzt. "Impulsives Verhalten" nennen das dann die Wissenschaftler. Es wurde nun am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung näher untersucht. Im Fokus – die Hormone, in diesem Fall: das Männlichkeitshormon Testosteron. Untersucht wurden Burschen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren. Via Speicheltest wurde ihr Testosteronspiegel ermittelt, dazu gab es einen Entscheidungstest: Sie mussten insgesamt 80 Entscheidungen über einen hypothetischen Geldbetrag treffen, der unterschiedlich nah oder fern in der Zukunft angeboten wurde. Sie konnten zwischen einem baldigen, kleineren Geldbetrag oder einem höheren Gelbetrag in ferner Zukunft wählen. Ein Großteil der Heranwachsenden war empfänglicher für die unmittelbare Belohnung – zwei Drittel der Studienteilnehmer entschieden sich für den kleineren Geldbetrag, der aber schnell zu haben war. Erst mit zunehmendem Alter fällt der Zeitpunkt der Belohnung weniger ins Gewicht.

Ungleichgewicht im Gehirn

Die Studie ist ein weiterer Schritt zum besseren Verständnis von impulsivem Entscheidungsverhalten von Jugendlichen. Demnach ist eine erhöhte Impulsitivät auf ein Ungleichgewicht des subkortikalen affektiven Netzwerks und des kortikalen kognitiven Kontrollnetzwerks im Gehirn sowie ihrer Verbindungen zurückzuführen. Dabei hat sich gezeigt, dass jenes Netzwerk, das an der Wahrnehmung und Bewertung von Belohnung beteiligt ist, schneller reift, als jener Teil im Gehirn, der für Kontrolle zuständig ist. Nun soll die Auswirkung des Testosterons auf dieses Ungleichgewicht erforscht werden.

Und dennoch: "Impulsivität gehört zum Erwachsenwerden und ist Teil einer gesunden Entwicklung. Jugendliche eignen sich damit neue Fähigkeiten an, die sie als eigenständiges Individuum brauchen. Doch Jugendliche können sich mit ihrem impulsivem Verhalten auch schaden", sagt Ko-Auor Wouter van den Bos vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Aus erzieherischer Perspekte kann es vor dem Hintergrund dieser Studienergebnisse interessant sein, Jugendliche kurzfristiger zu belohnen, anstatt auf Belohnungen in weiter Zukunft zu verweisen.