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10/10/2012

Psychische Erkrankungen im Vormarsch

In Österreich sind rund zehn Prozent allein von Depressionen betroffen - Tendenz steigend. Die heimische Versorgung ist jedoch unzureichend.

Anlässlich des Welttags der seelischen Gesundheit am 10. Oktober wartet die WHO mit alarmierenden Zahlen auf. Laut der Weltgesundheitsorganisation leiden mehr als 350 Millionen Menschen weltweit unter Depressionen. Dabei kommt die psychische Erkrankung in allen Regionen der Welt vor, in armen Ländern genauso wie in reichen.

In Österreich sind rund zehn Prozent von Depressionen betroffen, etwa die Hälfte davon ist direkt behandlungsbedürftig. In den USA erreicht der Anteil der Betroffenen an der Gesamtbevölkerung sogar 17 Prozent. Dabei erkrankten Frauen insgesamt zu 50 Prozent häufiger als Männer, erklärt der Leiter des WHO-Referats für psychische Gesundheit, Shekhar Saxena. Ein Grund dafür sei die postnatale Depression, die eine von fünf Müttern nach der Entbindung treffe.

"Die Depression gibt es seit Jahrhunderten - die Nachricht ist: Wir tun nichts dagegen", so Saxena. Aufgrund der Scham vieler Erkrankten bekomme mehr als die Hälfte von ihnen nicht die Behandlung, die sie benötige. Saxena appellierte an Ärzte, bei ihren Patienten auf Zeichen von Depressionen zu achten. Dies gelte besonders auch bei Kinder und Jugendlichen.

Die UN-Organisation definiert Depression als "anhaltendes Gefühl der Traurigkeit für zwei Wochen oder länger", das eine normale Teilnahme am Leben verhindert. Zu den Risikofaktoren für die seelische Gesundheit zählte der WHO-Experte finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit sowie Katastrophen und Konflikte. Auch körperliche Krankheiten könnten eine Depression verursachen. Saxena machte auch auf den Zusammenhang zwischen Depressionen und Suiziden aufmerksam. Knapp eine Million Menschen nehme sich jährlich das Leben. Unter ihnen sei die Hälfte depressiv, wobei dies aber nicht der einzige Grund für die Selbsttötungen sei.

Jeder zehnte Arbeitnehmer in EU betroffen

Auch der europäische Fachverband European Depression Association (EDA) hat sich mit der Thematik beschäftigt. In einer repräsentativen Online-Umfrage unter mehr als 7.000 Europäern wurde herausgefunden, dass in Europa jeder zehnte Arbeitnehmer schon einmal wegen einer Depression zu Hause geblieben ist. Jeder Depressionsschub verursacht demnach durchschnittlich einen Ausfall von 36 Arbeitstagen. Die Diagnose Depression hat jeder fünfte Befragte schon einmal zu hören bekommen - am häufigsten waren Briten betroffen (26 Prozent).

Vor dem Chef verbergen viele ihr Leiden ohnehin lieber: Jeder Vierte der europaweit Befragten hat den Arbeitgeber nicht über seine Depression informiert. Ein Drittel dieser Befragten gab an, in der gegenwärtigen Wirtschaftslage um den Job zu fürchten.

Depression ist laut EDA auch die vorherrschende psychiatrische Störung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter. Dass die Krankheit nicht nur bloße Traurigkeit verursachen kann, sondern auch Konzentrationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit oder Vergesslichkeit, sei vielen Menschen nicht bewusst. Die volkswirtschaftlichen Kosten schätzen die von der EDA zitierten Quellen auf 92 Milliarden Euro im Jahr 2010 innerhalb der EU.

900.000 in Österreich in Behandlung

Laut EDA betreffen psychiatrische Erkrankungen weltweit mindestens rund 400 Millionen Menschen, nach manchen Schätzungen bis zu 1,5 Mrd. Personen.

- Rund 45 Millionen Menschen leiden an Schizophrenie, die wohl stigmatisierteste psychiatrische Erkrankung.

- 45 Millionen Personen leiden an Epilepsie.

- Geistige Behinderungen betreffen 4,6 Prozent der Menschen unter 18 in den Entwicklungsländern. Dieser Anteil beträgt in den Industriestaaten 0,5 bis 2,5 Prozent.

- 140 Millionen Menschen sind weltweit alkoholkrank.

- Mehr als 400 Millionen betreiben chronischen Alkoholmissbrauch und sind suchtgefährdet.

- In Österreich stehen rund 900.000 Personen wegen psychischer Leiden in Behandlung.

Versorgungsmängel in Österreich

Wie kritisch die Versorgungssituation für psychisch Erkrankte in Österreich allerdings ist, zeigte unlängst eine Analyse der Integrated Consulting Group in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Obwohl ein Anstieg der Erkrankungen prognostiziert sei, weise Österreich im Vergleich zu den anderen Ländern zersplitterte, zentralisierte Strukturen auf, die durch einen Mangel an Fachärzten für Psychiatrie gekennzeichnet sind und Betroffene in Schwerpunktspitälern isolieren.

"Dem Vergleich mit Ländern wie Italien, Deutschland, Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen hält unser Land nicht stand. Der Mental Health Index der OECD zeigt Österreichs Rückständigkeit eindeutig", so die Autoren.

Die Analyse enthält - mit Verweis auf das World Economic Forum - auch Daten, wonach sich weltweit die Kosten für psychische Erkrankungen bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln würden und damit die Kosten von Erkrankungen wie Krebs und Diabetes um ein Vielfaches übersteigen würden. Produktivitätsverluste, hohe Arbeitslosenraten bei den Betroffenen und häufigere und längere Krankenstände wären weitere Auswirkungen dieser Entwicklung.

"Patienten zweiter Klasse"

Auch Kurt Grünewald, Gesundheitssprecher der Grünen, beklagt die Versorgungssituation in Österreich. "Dass Österreich eines der Schlusslichter im Mental Health Index der OECD ist, zeigt, dass psychisch kranke Menschen in Österreich leider noch immer Patienten zweiter Klasse sind und es große Versorgungslücken gibt", so Grünewald.

Österreich hat innerhalb der in der Studie untersuchten Vergleichsländer die zweithöchste Suizidrate, wobei man davon ausgehen muss, dass bei jedem erfolgtem Suizid etwa sechs nahestehende Menschen mitbetroffen sind und professionelle Hilfe benötigen. "Hier wurde erfreulicherweise mit der Erstellung eines Suizidpräventionsplans ein wichtiger Schritt gesetzt. Wichtig ist, dass dieser Plan auch möglichst rasch und gut koordiniert umgesetzt wird", sagt Grünewald.

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