Wissen und Gesundheit
12.03.2013

Debatten um Anlaufstelle für unzufriedene Patienten

Die Wiener Ärztekammer installiert einen eigenen Ombudsmann für Patienten.

Auch die Wiener Ärztekammer leistet einen Beitrag zum Superwahljahr und ruft die Patienten an die virtuelle Urne: Österreichweit dürfen Sozialversicherte im Sommer online darüber abstimmen, wer die neu geschaffene Position eines Patientenombudsmanns der Kammer bekleiden soll.

Seine Aufgaben sind unter anderem die Behandlung von Beschwerden gegen Ärzte und die Aufklärung von Mängeln bei der medizinischen Versorgung.

Für all das ist seit Jahren an sich die Wiener Patientenanwaltschaft zuständig. Wollen hier die Ärzte ein politisches Gegengewicht zu einer Institution schaffen, die zum Beispiel in der Debatte um die elektronische Gesundheitsakte (Elga) immer wieder mit Kritik an der Kammer aufgefallen ist?

Es gehe nicht um Konkurrenz, sondern um Kooperation und Ergänzung, betont man in der Ärztekammer, streicht aber zugleich hervor, dass die Patientenanwaltschaft wegen der Bestellungsmodalitäten nicht frei von politischer Einflussnahme sei. „Fakt ist: Die jetzige Patientenanwältin Sigrid Pilz war Politikerin und sie wurde von der Politik eingesetzt“, sagt Wiens Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres.

Unabhängig?

Pilz, die vor ihrer Bestellung grüne Gemeinderätin war, kontert: „Die Patientenanwaltschaft wird durch ein klares gesetzliches Procedere bestellt. Da mag die Ärztekammer mutmaßen, was sie will.“ – „Wird jemand vom Staat bestellt, heißt das noch nicht, dass er nicht unabhängig ist“, ergänzt Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte. Richter seien ja auch nicht gewählt. Zu hinterfragen sei, ob eine Einrichtung der Standesvertretung unabhängig die Interessen der Patienten vertreten kann.

Geht es nach der Ärztekammer, soll sich der Ombudsmann vor allem um Probleme in Ordinationen kümmern. Sie sind laut Gesetz – anders als Spitäler – nicht zu einer Zusammenarbeit mit der Patientenanwaltschaft verpflichtet, sondern nur dazu eingeladen. „Doch daran wird auch der Ombudsmann nichts ändern“, glaubt Pilz.

Eine Jury prüft derzeit die Bewerber, die nicht aus der Ärzteschaft stammen dürfen. Letztlich sollen zwei bis fünf Kandidaten übrig bleiben, die dann zur Wahl stehen. Die Patienten werden via Inserate und Broschüren in den Ordinationen über die Bewerber informiert.

Nicht-Wiener dürfen laut Kammer mitstimmen, da in Wien auch viele Patienten aus den Bundesländern behandelt werden.

Bilanz

Fälle: 2011 zählte die Wiener Patientenanwaltschaft 12.174 Kontakte, 2914 Anliegen wurden aktenmäßig erfasst und einer Prüfung unterzogen.

Ergebnisse: In insgesamt 416 Fällen konnten Entschädigungen u.a. von Versicherungen und dem Patientenentschädigungsfonds erwirkt werden. Die dabei ausbezahlte Summe lag bei 3,4 Mio. Euro.

„Emergency Room“ soll Wiens Spitäler revolutionieren

Wer in Wien in ein Spital kommt – ob von der Rettung eingeliefert, oder als hilfesuchender „Selbsteinweiser“ –, sollte künftig in eine „Notaufnahme“ kommen, TV-Zusehern besser bekannt als „Emergency Room“. Auch wenn es hierzulande oft gar nicht so spektakulär zugeht wie im Film.

Nach nur acht Monaten Bauzeit und einer längeren Probephase wurde am Montag im Wiener Wilhelminenspital die erste große Notaufnahme offiziell in Betrieb genommen. Weitere Spitäler werden folgen, und im neuen Krankenhaus Nord wird die Neuerung fix eingeplant.

Vorteil der modernen und zentralen Einrichtung ist die große Aufnahmekapazität. Jeder Patient wird nach seinem Eintreffen untersucht, nach Dringlichkeit gereiht und, wenn möglich, auch fachgerecht behandelt.

Wichtig bei der Erstversorgung: Die richtige Diagnose, um einen möglichen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt rasch entdecken zu können. Aber auch alle anderen Erkrankungen und Beschwerden werden abgeklärt und bis zu 24 Stunden in der Notaufnahme behandelt. Nur wenn darüber hinaus eine stationäre Aufnahme notwendig ist, wird man über gedeckte Zugänge in die richtige Station gebracht.

Notwendig ist die neue Struktur durch den starken Zustrom von Patienten geworden, wie Stadträtin Sonja Wehsely erklärt. Barbara Hörnlein, Chefin des Wilhelminenspitals, ergänzt auf Nachfrage: „Natürlich soll es auch Verbesserungen bei Diagnosen geben. In der Notaufnahme sind ja alle Fachrichtungen dann rund um die Uhr besetzt.“