30 Prozent aller Pollenallergien werden im Raum Wien durch Ragweed ausgelöst.

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09/02/2012

Nur die Berge sind Ragweed-frei

Ragweed breitet sich ungebremst aus. 20 Prozent der Pollen­allergiker reagieren darauf mit Asthma und Reizhusten.

von Martin Burger

Ein Lkw donnert mit 100 Sachen über die Karawankenautobahn zwischen Slowenien und Kärnten. Der Fahrer ahnt nicht, dass er Gefahrengut im Schlepptau hat. Der Sog, den sein Sattelschlepper erzeugt, reißt vom Grün neben der Straße und vom Mittelstreifen unzählige kleine Pflanzen-Samen mit sich. Unter vielen auch die an sich flugunfähigen Samen des gefürchteten Ragweeds.

Ragweed blüht und fruchtet bis in den Oktober hinein. In Wien ist die Ambrosie nach der Birke und vor Gräsern und dem Beifuß das häufigste Allergen. Am Land ist Ragweed nicht so dominant, in Niederösterreich liegt der Ambrosia-Pollen hinter Birke und Gräsern an dritter Stelle. Dennoch: Von den 800.000 Pollenallergikern in Österreich reagieren mittlerweile bis zu 20 Prozent mit starken Heuschnupfensymptomen auf Ragweed – viele entwickeln Asthma", erläutert der Allergologe Univ.-Prof. Reinhart Jarisch vom Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ). Und die Zahl der Betroffenen nimmt weiter zu. Anhaltende Erkältungssymptome von August bis Oktober können ein Indiz für eine Allergie gegen Ragweed-Pollen sein.

Maximilian Kmenta aus NÖ., ist Mitarbeiter des Pollenwarndienstes und Ragweed-Geplagter. "Ich bin schon lange Allergiker, aber Ragweed-Allergiker bin ich erst seit ein, zwei Jahren. Bei mir kommt zum Heuschnupfen dazu, dass ich vermehrt in der Lunge reagiere, was ziemlich unangenehm ist. Es ist eine Art Reizhusten, vor allem, wenn ich länger draußen bin."

Spitzenwerte

2011 wurden laut Pollenwarndienst Spitzenwerte von 200 Pollen/m³ gemessen. Der Schwellenwert für allergische Beschwerden liegt bei 10–15 Pollen/m³, manche reagieren bereits ab 3 Pollen pro m³. Viele Ragweed-Pollen werden aus Ungarn mit der Thermik vertragen. Wenn es zwischen 16 und 20 Uhr draußen kühler wird, sinken die Pollen ab. Dann ist es für Maximilian Kmenta Zeit, sich von der Terrasse in die Wohnung zurückzuziehen.

Ragweed öffnet die Blüten von ca. 8 bis 14 Uhr. Daher ist die Belastung auch am Vormittag nicht zu unterschätzen, Der Wiener Physiotherapeut Alexander Baillou musste jahrelang vormittags in geschlossenen Räumen bleiben. "Ich litt unter Niesattacken, juckenden Augen und leichtem allergischen Asthma und wurde dadurch auch schnell müde." Die Symptome sind mittlerweile durch eine erfolgreiche Immuntherapie stark zurückgegangen, sagt der Physiotherapeut. Seinen Österreich-Urlaub verbringt er in höheren Lagen, über 700 Meter hat sich der Neophyt (pflanzliche Neubürger) bisher nicht etablieren können.

Volkswirtschaftlicher Schaden

Die volkswirtschaftlichen Kosten der Allergien liegen bei hochgerechnet rund 90 bis 100 Millionen Euro pro Jahr, sagt Jarisch.

Auch die Landwirtschaft wird geschädigt. In der Umgebung von Radkersburg überwuchert Ragweed mittlerweile die Kürbisfelder, "ein Dilemma für die Bauern, händisch ausreißen ist ausgeschlossen und spritzen geht nicht, weil man die Kultur schädigt", sagt der Botaniker und Ökologe Franz Essl vom Umweltbundesamt, Abteilung Naturschutz und Biologische Vielfalt. Die Ausbreitung entlang des hochrangigen europäischen Straßennetzes ist ein großer Vorteil für die widerstandsfähige Pflanze. "Ragweed schafft so eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von ein bis zwei Kilometern pro Jahr."

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