Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel.

© APA/dpa

Prognose
10/03/2016

Nobelpreis 2016: Das sind die Favoriten

Immuntherapie gegen Krebs, Gen-Schere und Gravitationswellen gelten als aussichtsreiche Kandidaten.

Wer die prestigeträchtige Auszeichnung bekommen will, sollte nicht nur genial sein, sondern auch rechtzeitig publizieren. Sonst passiert es, dass die glorreiche Entdeckung nicht eingereicht werden kann. Aktuelles Beispiel: die Gravitatonswellen. Ihr direkter Nachweis gilt als nobelpreiswürdig, wurde aber erst im Februar publik. Um ihre Erkenntnisse einzureichen, hätten sie die Forscher bis Ende Jänner veröffentlichen müssen. Das bestätigte ein Sprecher der schwedischen Jury in Stockholm. Am 31. endet nämlich jährlich die Nominierungsfrist. Umso mehr überrascht es, dass der Nachrichten- und Datenkonzern Thomson Reuters jene Forscher als Favoriten handelt, die „nur“ das Observatorium begründet haben, mit dem die Wellen gemessen wurden. Ronald Drever, Kip Thorne (beide Caltech) und Rainer Weiss (MIT) leisteten die Vorarbeit zur großen Entdeckung. Ob sie sich freuen dürfen, wird sich am Dienstag zeigen.

Zuvor werden heute ab 11.45 Uhr die Preisträger für Medizin verkündet:

Große Chancen haben etwa James Allison (Uni Texas), Jeffrey Bluestone (UC San Francisco) und Craig Thompson (Memorial Sloan Kettering Cancer Center). Ihnen gelang es, die Rolle spezieller Moleküle (CD 28 und CTLA-4) zu entschlüsseln, die T-Zellen in ihrer Abwehrfunktion gegen Krebszellen hindern. Die Blockade dieser Moleküle ist die Grundlage für die Entwicklung moderner Immuntherapien gegen Krebs. Mit neuen Medikamenten, die die Krebszellen für das Immunsystem wieder sichtbar machen, ist bei verschiedenen Krebsarten - etwa Melanomen - bereits eine deutliche Lebensverlängerung möglich.

Ebenso werden Gordon Freeman (Harvard University), Tasuku Honjo (Kyoto Universität) und Arlene Sharpe (Harvard Uni) als Favoriten in Medizin genannt. Sie haben die Rolle des Programmed Death-1-Rezeptors (PD-1) entschlüsselt. Auch er blockiert das Immunsystem bei der Abwehr von Krebszellen und ermöglicht es damit dem Tumor, sich vor den Abwehrzellen zu tarnen und praktisch unsichtbar zu machen.

Als dritte Favoriten-Gruppe im Medizin-Bereich firmierenMichael Hall(Uni Basel),David Sabatini(MIT) undStuart Schreiber(Harvard Uni), die die Funktion des Enzyms „mechanistic Target of Rapamycin“ (mTOR) geklärt haben, das Zellwachstum und Zellteilung reguliert.

So entstehen die Prognosen

Wie es zu den Prognosen für mögliche Nobelpreis-Kandidaten kommt: Thomson Reuters wertet nach streng wissenschaftlichen Kriterien aus, was Forscher wo publizieren und wie oft ihre Arbeiten von Kollegen zitiert werden. Führend waren in diesem Jahr etwa George Church (Harvard Uni) und Feng Zhang (MIT). Sie haben die Genschere CRISPR-Cas9 in Mäuse- und Menschenzellen verwendet und gelten als große Favoriten für den Chemie-Nobelpreis. Er wird kommenden Mittwoch verkündet. Mit dieser Genschere könnten zum Beispiel in Zukunft krankmachende Genmutationen, die für Erbkrankheiten verantwortlich sind, herausgeschnitten und durch gesunde Gene ersetzt werden.

Die Entwicklerinnen dieses Werkzeugs, Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna, wurden bereits im Vorjahr für den Preis gehandelt.

Dennis Lo Yuk-Ming (Chinese University of Hong Kong) gilt für die Entdeckung von zellfreier fetaler DNA im mütterlichen Blutplasma, das für Pränatal-Diagnostik eingesetzt werden kann, als nobelpreiswürdig. Schließlich werden für Chemie noch Hiroshi Maeda (Sojo University) und Yasuhiro Matsumura (National Cancer Center Tokyo) als Favoriten genannt, sie haben den sogenannten EPR-Effekt entdeckt, der die passive Anreicherung von Makromolekülen, Fettkügelchen und Nanopartikel in Tumorgeweben beschreibt und in der Krebstherapie eingesetzt wird.

Die Favoriten im Bereich Wirtschaft

Drei Namen nennt Thomson Reuters als Favoriten für den Wirtschaftsnobelpreis: Der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard (MIT), könnte für seine makroökonomischen Forschungsbeiträge ausgezeichnet werden, Edward Lazear (Stanford University) für seine Beiträge zur Personalökonomie und Marc Melitz (Harvard Uni) für seine Beschreibung des Zusammenhangs zwischen der Produktivität und den Exportaktivitäten von Unternehmen (Firmenheterogenität). Für Literatur- und Friedensnobelpreis gibt es keine Prognosen, da es sich um keine wissenschaftlichen Bereiche handelt.

Der Nobelpreis-Fahrplan

Die Bekanntgabe des Nobelpreises für Medizin bildet den Auftakt der alljährlichen Preisverleihung. Dienstag und Mittwoch folgen die Auszeichnungen für Physik und Chemie, am Donnerstag der Nobelpreis für Literatur. Der Friedensnobelpreis-Gewinner folgt am Freitag, den 9. Oktober. Seit 1969 gibt es den von der schwedischen Nationalbank gestifteten Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der am 12. Oktober verkündet wird. Verliehen werden die Auszeichnungen am Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, dem 10. Dezember, in Stockholm und Oslo. Die Verkündung des Physik-Gewinners gibt es am 4.10. ab 11.45 Uhr im Stream:

Chemie folgt am 5.10. ab 11.45 Uhr:

Der Gewinner des Friedensnobelpreis wird am 7.10. ab 11 Uhr bekannt gegeben:

An wen der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht, ist am 10.10 ab 13 Uhr hier zu sehen:

Der Termin für Literatur steht noch nicht fest:

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