Wissen 31.12.2011

Neujahrsvorsatz: Am Anfang ist der Wille

Serie Teil 1: Neues Jahr, neues Glück: Wer etwas in seinem Leben dauerhaft verändern will, muss es zuallererst wirklich wollen.

Alles anders im neuen Jahr! Wir wollen schlanker werden, mit dem Rauchen aufhören, auf einen besseren Lebensstil achten und uns mehr um unsere Lieben kümmern. Allein 30 Prozent der Wiener haben vor, im neuen Jahr gesünder zu leben und zu essen – das ergab eine Befragung der Makam Market Research. 16 Prozent wollen ein paar Kilos verlieren, 14 Prozent mit dem Rauchen aufhören und elf Prozent mehr Sport betreiben.

Der Jahreswechsel scheint stets der perfekte Moment, um lange ersehnte Veränderungen endlich in die Tat umzusetzen – doch der heute gefasste Vorsatz fällt allzu oft den Schwächen von morgen zum Opfer. Nur 35 Prozent der Befragten haben es im vergangenen Jahr geschafft, ihre Neujahrs-Vorsätze dauerhaft und erfolgreich in die Tat umzusetzen – für zwei Drittel ist es beim Wunsch geblieben. „Die Frage ist, warum man überhaupt Vorsätze festsetzt und es nicht einfach tut“, meint Wolf-Dietrich Zuzan vom Berufsverband Österreichischer Psychologen. „Was man wirklich will, macht man ja auch, ohne sich einen Vorsatz zurechtzulegen.“

Ist der Jahreswechsel womöglich also gar kein guter Zeitpunkt, um etwas in seinem Leben zu verändern? „Nein, das Problem liegt woanders – ich nehme mir etwas vor, was ich im Grunde genommen gar nicht will, weil das bedeutet, dass ich etwas an meinem Leben verändern muss.“ Wir brauchen also nicht nur den guten Vorsatz, sondern vor allem den inneren Willen, ihn umzusetzen.

„Wenn ich zu dem guten Vorsatz kein Motiv habe, warum ich das umsetzen will, ist das Scheitern programmiert.“ Es reicht also nicht, einfach nur abnehmen zu wollen – es muss einem auch klar sein, warum: etwa, um gesünder zu sein oder attraktiver. „Wir brauchen etwas, worin wir eine Belohnung sehen, um die innere Psychodynamik in Gang zu setzen. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich das auch umsetze“, meint Zuzan.

Hindernisse

Doch wer kennt das nicht, oft scheitern die guten Vorsätze trotz ambitioniertester Psycho-Tricks. „Es gibt natürlich immer wieder Hindernisse“, sagt auch Zuzan und nennt sie „konkurrierende Komponenten“. Ein gutes Beispiel dafür ist der Wunsch, dem Glimmstängel zu entsagen: „Rauchen hat in sich schon viele Belohnungen, genauso wie das Essen. Etwa gemeinsam mit anderen zu essen oder zu rauchen ist doppelt belohnend, weil es auch noch den Gemeinschaftscharakter stärkt.“

Doch auch hier müssen die Belohnungen, die man sich vor Augen hält, stärker sein. „Etwa, wenn ich erlebe, wie schön es ist, Luft zu bekommen, nachdem es mir vorher nicht mehr so leicht gefallen ist.“ Zusätzliche Unterstützung bietet Bestätigung aus der Umgebung – wie anerkennende Worte, ob man denn ein paar Kilo verloren hat. „Wenn man das große Ziel nicht auf einen Sprung erreicht, ist es außerdem sinnvoll, sich Zwischenziele zu setzen“, meint Zuzan. Entscheidend sei, sich den Vorsatz nicht nur formell vorzunehmen – er muss auch realistisch sein. Nicht zuletzt muss man sich die Verhaltensänderung auch selbst zutrauen: „Mit der Einstellung ,Ich schaffe es ja eh nicht‘ kommt keiner weiter. Es ist wichtig, sich Selbstwirksamkeit zuzutrauen.“

Wie man seine Ziele auch tatsächlich erreichen kann

Gute Vorsätze können nur umgesetzt werden, wenn sie auch realistisch erreichbar sind. Wer sich zu viel auf einmal vornimmt, kommt leicht ins Strudeln. Wer etwa mit dem Rauchen aufhört, sollte nicht unbedingt auch gleichzeitig abnehmen wollen – hier sind Frust und Rückfall programmiert.

Außerdem hilft es, seine Ziele konkret zu formulieren: „Ab sofort esse ich jeden Tag zwei Portionen Obst“ ist als Vorsatz also besser als „ab sofort ernähre ich mich gesünder“.

Bei größeren Zielen hilft es, sich Zwischenziele zu setzen – etwa beim Abnehmen: zunächst in eine alte Hose passen. Oder mit flotten Spaziergängen anfangen und erst später mit dem Joggen beginnen. So verschafft man sich kleine Erfolgserlebnisse, die man abhaken kann, bevor man das nächste Ziel anpackt.

Hilfe bei den Zwischenzielen bieten inzwischen auch etliche Internet-Dienste und Handy-Applikationen. Unter www.rememberthemilk.de lassen sich größere Vorhaben etwa in viele kleine Einzelprojekte aufsplitten. Der Online-Dienst ist auch für den Alltagskram geeignet, den man sonst gerne vor sich herschiebt. Die Anwendung ist gratis und für 25 Dollar im Jahr auch für Mobilgeräte verfügbar.

Für Aufsehen hat auch das Berliner Start-up-Unternehmen „6Wunderkinder“ gesorgt. Der sehr übersichtlich aufbereitete und kostenlose Aufgabenplaner unter www.wunderlist.de hat es sogar in 104 Ländern zur Handy-Applikation der Woche gebracht.

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( Kurier ) Erstellt am 31.12.2011