Wissen und Gesundheit
25.07.2017

Genauere Vorhersage von Herzinfarkt und Schlaganfall möglich

Bereits ein leichter Anstieg des Eiweißes Troponin im Blut gesunder Menschen kann ein erhöhtes Infarkt-Risiko anzeigen, zeigt eine Studie der MedUni Innsbruck. Die Prognose von Infarkt und Schlaganfall wird dadurch erleichtert.

Die Messung des Troponin-Spiegels gehört seit vielen Jahren zur klinischen Routine bei der Diagnose von Herzinfarkten. Eine Meta-Studie des Epidemiologen Peter Willeit von der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie belegt nun, dass bei gesunden Personen leichte Erhöhungen von Troponin mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden sind. Damit kommt diesem Eiweißkomplex eine besondere Rolle für die Vorhersage von Herzinfarkt und Schlaganfall zu. Die Ergebnisse einer soeben im renommierten Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten Meta-Studie aus Innsbruck könnten wesentlich zu Prognose und gezielter Vorsorge beitragen.

Zusammenhang bestätigt

Das Überraschende: Bereits ein leichter Anstieg des Troponin-Spiegels im Blut gesunder Personen (auch innerhalb des "Normalbereiches") ist mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen verbunden, wie Studienleiter Peter Willeit gemeinsam mit dem Innsbrucker Neurologen Stefan Kiechl und PhD-Studentin Lena Tschiderer sowie weiteren KollegInnen in Großbritannien, Holland und Irland herausfand.

Durch die Zusammenführung und Analyse von Daten von insgesamt 154.052 ProbandInnen aus 27 weiteren Untersuchungen aus einem Beobachtungszeitraum von 11,9 Jahren konnte der Zusammenhang zwischen erhöhtem Troponin-Spiegel und einem späteren kardiovaskulären Ereignis unabhängig von anderen Risikoparametern nachweislich bestätigt werden.

Goldstandard der Infarktdiagnostik

Das bereits in den 1960er Jahren identifizierte kardiale Troponin wird in den Herzmuskelzellen gebildet und bei Schädigung, etwa durch Herzinfarkt, ins Blut freigesetzt. Die Messung des Troponin-Spiegels gilt als Goldstandard der Infarktdiagnostik und wird auch als Indikator für das Ausmaß der Herzmuskelschädigung herangezogen. Die Entwicklung immer sensitiverer Messmethoden ermöglicht inzwischen die zuverlässige Detektion von Troponin-Spiegeln in sehr geringer Konzentration.

Risikoerhöhung bis 43 Prozent

„In jenem Drittel der Probanden, in dem der Troponin-Spiegel am höchsten lag, war das Risiko, eine Herzkreislauferkrankung zu erleiden, um immerhin 43 Prozent erhöht. Unsere Daten zeigen ein erhöhtes Risiko nicht nur für die Entwicklung eines Herzinfarkts, sondern auch für das Auftreten eines Schlaganfalls an“, erklärt Studienautor Willeit.

Der damit nachdrücklich bestätigte Zusammenhang von moderat erhöhtem Troponin-Spiegel bei scheinbar gesunden Probanden und dem Eintreten einer Herzkreislauf-Erkrankung könnte für eine bessere Prognose und eine damit ermöglichte gezielte Prävention künftig von wertvollem Nutzen sein.