Wissen 13.12.2011

Neuer Impfstoff lässt Tumore schrumpfen

Tierversuch – Forschern gelingt Erfolg bei Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Es ist – wie so oft – "nur" ein Test an Mäusen. Doch US-Krebsforscher geben sich hinsichtlich einer Krebsimpfung optimistischer denn je. Teams an der University of Georgia und an der Mayo Clinic in Arizona haben nun einen effizienteren Weg der Krebsimpfung gefunden. Zumindest bei Mäusen zeigt er beeindruckende Wirkung – in 90 Prozent der Brustkrebsfälle, aber auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs schrumpfte der Tumor um durchschnittlich 80 Prozent. Die Forscher vermuten nun, dass die Impfung zudem bei Eierstock, Darm- und Prostatakrebs wirksam sein könnte.

Die Substanz ist synthetisch, kann in Labors produziert werden und setzt mit gleich drei "Hebeln" an: Einer Art Immunbooster als Zusatzstoff, der die Abwehr stimuliert. Einer Komponente, die die Produktion von T-Zellen des Immunsystems forciert. Und einem Eiweiß, das auf die Immunantwort jener Krebszellen abzielt, die ein ganz bestimmtes Merkmal, nämlich das Protein MUC1, aufweisen.

MUC1 wurde schon vor längerer Zeit entdeckt – es ist bei sehr vielen Krebsarten nachweisbar: In jenem Moment, in dem Zellen entarten, wandeln sich die Zucker auf den Oberflächenproteinen signifikant. Eine Art Tarnanzug, der die Krebszellen unerkannt im Körper zirkulieren lässt. Dabei entsteht besonders viel vom Protein MUC1.

Der neue Impfstoff hilft dem Immunsystem, die Zellen zu erkennen und zu bekämpfen. Um die Wirksamkeit der neuen Impfung zu testen, wurden Mäuse so verändert, dass sie – ähnlich wie beim Menschen – sehr große Mengen von MUC1 produzierten. Die Impfung zeigte auch Wirksamkeit bei aussichtslosen Fällen.

2013 soll mit klinischen Studien am Menschen begonnen werden. Geert-Jan Boons, einer der Autoren der Studie, hofft, "dass mit dem Impfstoff und einer frühzeitigen Diagnose Krebs eines Tages eine kontrollierbare Krankheit wird." Im besten Fall kommt das Mittel im Jahr 2020 auf den Markt.

"In Tierexperimenten scheint ein weiterer Erfolg zum Thema Krebsimpfung gelungen sein – das ist gut, aber weit weg vom Menschen. Ansätze dafür gab es ja schon viele. So kann beim Prostatakrebs mithilfe einer Impfung die Überlebenszeit um fünf bis sechs Monate verlängert werden. Aber einen durchschlagenden Erfolg gibt es bis dato leider nicht", sagt Krebs-Experte Heinz Ludwig vom Wilhelminenspital Wien dazu.

Ein wirksames Mittel gegen die Krankheit zu finden sei deshalb so schwierig, weil sie so komplex ist. "Wir dachten einmal, dass es einfache Mittel gäbe, Krebs zu bekämpfen. So ist es aber nicht. Wir kommen nur in kleinen Schritten weiter. Es gibt keine einfache Antwort."

( Kurier ) Erstellt am 13.12.2011