Parkinson breitet sich im Hirn ähnlich wie eine Infektion aus

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Foto: KURIER/Wilhelm Schraml "Schüttellähmung" (Parkinson) zeigt im Gehirn Ausbreitungsprozesse, die an jene einer Infektion erinnern

Die krank machenden Veränderungen weiten sich auf immer größere Teil des Gehirns aus.

Studie. Erst vor wenigen Tagen hat der Münchner Neuropathologe Armin Giese berichtet, dass sich sowohl bei Morbus Alzheimer als auch bei Morbus Parkinson ("Schüttellähmung") krank machende Mechanismen im Gehirn ähnlich wie Krankheitserreger bei Infektionen breitmachen. Hinweise auf eine solche Kettenreaktion bei Morbus Parkinson haben jetzt auch Wiener Wissenschafter gesammelt. Eine internationale, interdisziplinäre Forschungsgruppe um Gabor Kovacs vom Klinischen Institut für Neurologie der MedUni Wien konnte jetzt mit einem Antikörper zeigen, wie sich Parkinson im menschlichen Gehirn von Zelle zu Zelle ausbreitet. Bisher sei dieser Mechanismus nur in experimentellen Modellen beobachtet worden, nun sei er erstmals auch beim Menschen nachgewiesen worden, teilte die MedUni Wien am Montag in einer Aussendung mit.

Im Mittelpunkt der im Top-Journal Neurobiology of Disease erschienenen Studie steht das Protein alpha-Synuclein. Es ist im menschlichen Gehirn vorhanden, tritt aber bei der Parkinson-Erkrankung und einer häufigen Art von Altersdemenz (Demenz mit Lewy-Körpern; verantwortlich für bis zu ein Viertel aller Demenzerkrankungen) in krankhaft veränderter Form auf.

Die Studie, an der auch Wissenschafter aus den USA, Deutschland und Ungarn beteiligt waren, zeigt, dass menschliche Nervenzellen das pathologische alpha-Synuclein aufnehmen und sich so die Krankheit von einer Zelle auf die andere überträgt. "Das erklärt, warum sich Patientinnen im Krankheitsverlauf klinisch immer mehr verschlechtern und neue Symptome auftreten, da sich die Krankheit durch diesen 'Ansteckungsprozess' auf weitere Hirnregionen ausbreiten kann", so Kovacs. Offenbar funktioniert das wie bei den Dominosteinen.

(APA/KURIER / EM) Erstellt am
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