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Rehabilitation
09/12/2014

Nach Schädel-Hirn-Trauma: Wenn das Leben neu beginnt

Wie Michael Schumacher erlitt auch Christian Nekowitsch bei einem Unfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und kämpft sich seither zurück ins Leben.

von Elisabeth Gerstendorfer

Schlucken, Sprechen, Gehen – was bei gesunden Menschen wie selbstverständlich abläuft, braucht bei Christian Nekowitsch viel Konzentration. Eine Unterhaltung mit Freunden ist für den 30-Jährigen zwar schön, aber auch sehr anstrengend. „Vieles wie zum Beispiel das Gehen funktioniert noch nicht automatisch. Ich muss mich konzentrieren und sehr viel trainieren, damit ich besser werde“, erzählt der lebensfrohe Kärntner.

Dass Michael Schumacher nach seinem schweren Skiunfall jetzt zur weiteren Rehabilitation nach Hause entlassen wurde, weckt auch Erinnerungen an Christians eigene Geschichte. Vier Jahre ist es her, seit er während eines Aufenthalts in Südafrika am Tafelberg in Kapstadt einen Unfall erlitt. Beim Wandern mit Freunden stürzte er am 20. Juni 2010 etwa 50 Meter in die Tiefe. Dabei zog er sich mehrere Frakturen unter anderem am Kopf, an der Lendenwirbelsäule und den Rippen zu. Die gefährlichste Verletzung war aber ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Sechs Monate lag er im Koma. Nach vier Wochen in einer Privatklinik in Südafrika konnte er nach Klagenfurt ausgeflogen werden. Von dort ging es später in die Gailtalklinik nach Hermagor.

Ausgelöscht

Von dieser Reise erfuhr Christian erst später. Als er in Hermagor erwachte, konnte er weder Schlucken noch Sprechen oder gezielte Bewegungen ausführen. Sämtliche Fähigkeiten waren ebenso wie Erinnerungen an den Unfall ausgelöscht. „Aus der Zeit in Südafrika fehlt mir einiges an Erinnerung. Manches weiß ich schon noch, aber an die Zeit unmittelbar vor dem Unfall kann ich mich nicht erinnern“, sagt der gelernte Gärtner, der früher auch als Radiomoderator arbeitete, heute.
Wie ein neugeborenes Kind muss Christian grundlegende Fähigkeiten neu erlernen. Die Fortschritte passieren langsam. „Mein Alltag besteht eigentlich aus Therapie. Dazu zählt etwa Reiten, um das aufrechte Sitzen zu stärken, Schwimmen, Logopädie oder Radfahren“, sagt Christian. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zog er wieder zu seinen Eltern nach Radenthein. Zwei Mal pro Woche ist er im Fitnesscenter, um seine Muskulatur aufzubauen. In seiner Freizeit geht er mit einem Freund Bogen schießen, mit ehemaligen Kollegen der Wasserrettung schwimmen oder er liest. Von Rückschlägen beim Training lässt er sich nicht abhalten. „Wenn etwas länger dauert, mache ich einfach weiter. Und wenn nicht, fange ich immer wieder von neuem an.“

Unermüdlich

Seine bisherigen Fortschritte bestätigen ihn in seinen Zielen: Wieder gut gehen zu können – ohne Krücke oder Rollator – und flüssig zu sprechen, „damit mich die Leute besser verstehen“. Um seine Aussprache zu verbessern, liest er beispielsweise laut vor – am liebsten Romane, manchmal auch auf Englisch – und macht Sprechübungen. Unermüdlich hört er sich Sprachaufnahmen aus seiner Zeit beim Radio vor dem Unfall an.

Noch ist Christian auf Unterstützung von seiner Familie und Therapeuten angewiesen. In der Gärtnerei seiner Eltern hilft er manchmal mit - „so gut es geht“, wie er selbst sagt - etwa beim Umtopfen von Pflanzen oder beim Aufräumen. In ein bis zwei Jahren würde er gerne selbständig leben und wieder so mobil sein, dass er Freunde alleine besuchen und etwas mit ihnen unternehmen kann. Christian: „Am Anfang haben die Ärzte in Südafrika gedacht, dass ich nicht überleben werde. Heute bin ich sehr froh über den Zustand, in dem ich jetzt bin.“

Die Therapien in der Neurorehabili­ta­tion

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