Wissen und Gesundheit
17.11.2017

Mondlandung 2.0 für 2021 geplant

Mit dem Raumschiff Orion sollen wieder Astronauten zum Mond fliegen – und später zum Mars.

Geht es nach der NASA könnte es ab 2021 wieder einen Orion-Commander Cliff Allister McLane geben. Ältere werden sich noch lebhaft an die Fernsehserie Raumschiff Orion mit Dietmar Schönherr erinnern. Die amerikanische Weltraumagentur plant nämlich, nach fast einem halben Jahrhundert wieder Menschen zum Mond zu fliegen und hat der Mission originellerweise den Namen Orion gegeben.

Fragt man Wolfgang Baumjohann, wozu das gut sein soll, antwortet der Astrophysiker des Grazer Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften lapidar: "Zum Üben". Seit Jahren geht die NASA mit dem sogenannten Constellation-Programm schwanger. Ziel der ehrgeizigen Multi-Milliarden-Dollar-Anstrengung ist die Entwicklung eines Transportsystems mit dem man Menschen tatsächlich in den Weltraum schicken kann. Und damit sind keine Kurztrips zum Mond gemeint.

Zentrale Komponente der Mission ist die Raumkapsel Orion, die vier Astronauten beherbergen und künftig tief ins All bringen soll. Baumjohann: "Mit Orion will man also bis zum Mond und etwas weiter fliegen. Es ist der erste Schritt zu einem Marsflug."

Seit das Constellation-Programm Mitte 2006 ins Leben gerufen wurde, arbeiten Ingenieure und Forscher der NASA sowie ihre Kollegen vom US-Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin daran, Antriebsstufen, Mannschafts- und Servicemodule sowie Landesysteme zu entwickeln. "Für die Entwicklung des Antriebssystems und die Energieversorgung hat man nun Airbus Bremen ins Boot geholt", sagt Baumjohann. Mehr als 150 Ingenieure und Techniker entwickeln und bauen in der Hansestadt das Europäische Servicemodul (ESM). Kostenpunkt: 390 Millionen Euro.

Unbemannt - bemannt

Der Plan: Ende 2019 zunächst unbemannt ins All fliegen und den Mond umkreisen. Dafür soll die erste bereits fertige Kapsel dienen. Der erste bemannte Flug ist für 2021 geplant. Und für den wird gerade in Bremen heftig gearbeitet: Im Inneren von Europas modernstem Raumschiff sieht es wüst aus. Kabelstränge in vielen unterschiedlichen Farben winden sich aus Wänden, dazwischen verlaufen unzählige Rohre und Leitungen. Auf drei Ebenen gleichzeitig arbeiten Monteure, um die vielen Tausend Einzelteile einzubauen. Da muss jede Schraube sitzen, denn ESM erfüllt fünf Aufgaben zugleich – ist der Antrieb, reguliert die Temperatur im Inneren der Kapsel, sorgt für Strom, Wasser und die Luft zum Atmen.

Die Mission soll bis zu 64.000 Kilometer hinter den Erdtrabanten führen. "Dort war noch kein Mensch", sagt Chefingenieur Matthias Gronowski. Für die Ingenieure ist das eine besondere Herausforderung, denn das Raumschiff wird in den Mondschatten fliegen, wo es extrem kalt ist. Und nach 21 Tagen zur Erde zurückkehren.

Geht alles gut, wird Airbus das fertige Servicemodul im nächsten Jahr an die NASA liefern. Womit wir wieder beim Üben und beim unbemannten Testlauf 2019 wären: "Alles hängt von diesem Start ab", sagt die NASA-Direktorin Ellen Ochoa. "Damit können wir beweisen, dass Reisen ins tiefe All möglich sind."

Österreich macht beim weltgrößten Sonnenteleskop mit

Dann, wenn die unbemannte Orion-Kapsel Richtung Mond abhebt, werden Europäische Forscher auch unser Zentralgestirn verstärkt ins Visier nehmen: „14 europäische Länder haben sich zusammengetan und planen das weltgrößte Sonnenteleskop“, berichtet der Astrophysiker von der Universität Graz, Arnold Hanslmeier. „Es soll auf Teneriffa oder La Palma errichtet werden, denn die Kanaren haben in der Nähe von Europa das beste Klima für Himmelbeobachtungen, vor allem ruhige Luftverhältnisse.“
Das European Solar Telescope (EST) wird mit 4,5 Meter Durchmesser einzigartige Beobachtungen der Vorgänge auf dem heißen Stern ermöglichen. Die Uni Graz ist bei den Vorbereitungen mit an Bord. „Man will,
so der Plan, mehr über den Einfluss der Sonnenaktivität auf die Erde herausfinden – auf den Funkverkehr und die Navigationssysteme“, sagt Hanslmeier. „Dazu wird das Teleskop mit einer ganz neuartigen Technologie ausgestattet und so die weltweit besten Bilder der Sonne liefern. Man kann damit Details in einer Größe von rund 50 Kilometern erkennen.“
Die Fertigstellung ist für 2025 geplant.