Wissen und Gesundheit
05.12.2011

Mitgefühl beschleunigt Heilung

Patienten brauchen weniger Schmerzmittel und gehen früher nach Hause - wenn sie einfühlsam betreut werden.

Operations-Termin: Hinein ins nüchterne Krankenhaus-Zimmer. Sorge, ob bei dem Eingriff alles gut geht. Ungewissheit, wie es einem danach geht. Wann man wieder fit ist. "Wenn jemand einmal als Patient ins Spital muss, hat das in der Regel einen ernsten Hintergrund. Das erzeugt Unbehagen und Stress", erklärt Roswitha Hasslinger vom Gallup Institut.

Im Auftrag des Verbandes der Privatkrankenanstalten Österreichs ging sie daher der Frage nach, was den Menschen wichtig ist, wenn sie doch einmal ins Krankenhaus müssen. Und das Ergebnis zeigt, dass Luxus und sogenannter Hotelkomfort ganz schnell an Bedeutung verlieren, wenn es um die eigene Gesundheit geht: "Summa summarum zählt die Menschlichkeit. Der Zeitfaktor ist dabei das Wichtigste. Denn mehr Zeit bedeutet auch mehr Zuwendung."

"Vor allem ältere Menschen haben Angst vor der Anonymität im Spital", meint Hasslinger. Die Qualität des Umgangs und die persönliche Betreuung standen für die Befragten deutlich im Vordergrund. "Wenn es ernst wird, spielen Ausstattung und Komfort eine untergeordnete Rolle."

Positive Auswirkungen

Dass hinter dem Bedürfnis nach mehr Menschlichkeit im Krankenhaus noch mehr steckt, zeigen internationale Studien. "Faktoren wie menschliche Zuwendung, einfühlsame Kommunikation und Qualitätszeit für Arzt-Patienten-Gespräche haben einen entscheidenden positiven Einfluss auf den Genesungsprozess der Patienten", erklärt Melanie Neumann von der Fakultät für Gesundheit an der Universität Witten/Herdecke.

Qualitative Kommunikation könne die emotionale Gesundheit verbessern, Symptome mindern und die Leistungsfähigkeit steigern. "Information und der Aufbau einer Beziehung zum Patienten erhöhen die Zufriedenheit und die Therapietreue." Folglich komme es auch zu einer geringeren Zahl von Nachfragen und Nachbehandlungen, wenn der Patient von vornherein gut beraten wird. "Das verbessert nicht nur den Therapieerfolg - der Patient macht im Endeffekt auch weniger Arbeit", fasst es Neumann zusammen.

Messbar

Die positiven Auswirkungen wurden mittlerweile auch in etlichen Forschungsarbeiten nachgewiesen: Eine aufwendige US-Studie zeigte etwa, dass ein mitfühlend gestalteter Arzt-Kontakt die Immunwerte von Patienten deutlich steigern konnte - die Erkältung verlief folglich weniger schwer und dauerte auch kürzer.

"Empathische Ärzte können auch das Depressionsniveau von Krebspatienten senken und die Lebensqualität signifikant erhöhen", wies Neumann selbst im Rahmen einer Studie an der Uni-Klinik Köln nach. Der größte Störfaktor für empathische Kommunikation sei demnach Stress. Eine Studie an der US-Mayo-Clinic hat etwa durch den Einsatz von komplementären Methoden wie Entspannungstherapie oder Massagen gezeigt: Die Patienten fühlen sich besser, schlafen besser, brauchen um bis zu 50 Prozent weniger Schmerzmittel und erholen sich schneller.

Auch das Krankenhaus-Umfeld nehme entscheidenden Einfluss: Der Blick ins Grüne, aber auch Naturbilder und Naturgeräusche würden Schmerzen deutlich reduzieren, die Schlafqualität verbessern und den Aufenthalt verkürzen. Würden diese Faktoren stärker berücksichtigt, und in den Spitalsablauf integriert, könnte man "aus Krankenhäusern Gesundheitshäuser machen".