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Astronomie
05/09/2016

Als der Merkur sich vor die Sonne schob, trat Faymann zurück

Miniplanet zog als schwarzer Punkt an der Sonnenscheibe vorbei.

Pünktlich um 13.12 Uhr hat am Montag in Österreich ein seltenes Himmelsereignis begonnen: Der Planet Merkur schob sich vor die Sonnenscheibe und war dort mit Teleskopen und Sonnenfiltern als kleiner schwarzer Punkt zu sehen. „Trotz stark zitternder Luft wegen des Windes haben wir pünktlich um 13.12 Uhr und 45 Sekunden den Eintritt des Merkur beobachten können“, sagte Experte Günther Wuchterl. Dieser Merkurtransit war in ganz Österreich gut zu beobachten, nur einige Quellwolken störten ab und zu die Sicht auf das Schauspiel, das bis Sonnenuntergang dauert. Neben Merkur als kleiner schwarzer Punkt waren auch etwa gleich große Sonnenflecken auf der Nordhalbkugel der Sonne zu beobachten.

Ein seltenes Ereignis

Das planetare Ringelspiel mit einer Sonnen-Umlaufzeit des Merkur von 88 Tagen und jener der Erde von 365 Tagen führt dazu, dass etwa alle 116 Tage Erde, Merkur und Sonne in einer Linie stehen. Weil die Merkurbahn aber gegenüber jener der Erde um sieben Grad geneigt ist, wandert der innerste und kleinste Planet des Sonnensystems dabei meistens nördlich oder südlich der Sonne vorbei. Nur 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert geht es sich aus, dass Merkur direkt zwischen Erde und Sonne steht - und zwar immer im Mai oder November. Der letzte von Mitteleuropa sichtbare Merkurtransit war 2003, den nächsten gibt es am 11. November 2019.

Aufgrund der Kleinheit des Merkurs und seiner Entfernung war der Transit nicht mit freiem Auge wahrnehmbar. Der kleine schwarze Punkt, der rund 7,5 Stunden lang über die Sonnenscheibe zog, konnte nur mit einem Feldstecher mit einer mindestens 30-fachen Vergrößerung oder einem Teleskop inklusive spezieller Sonnenfilter beobachtet werden. Als „Mikro-Sonnenfinsternis“ deckte Merkur 0,004 Prozent der Sonnenscheibe ab.

Teleskope für Himmelsgucker

In Österreich konnte man bei zahlreichen Veranstaltungen den Transit unter fachkundiger Anleitung und der notwendigen Ausrüstung beobachten. Dazu hatte der von Günther Wuchterl geleitete Verein Kuffner-Sternwarte im Augarten rund zehn Teleskope zum Beobachten aufgestellt. Ebenso viele gab es auf der Sofienalpe von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Zum Beginn des Himmelsschauspiels hielt sich der Andrang zwar noch in Grenzen. Alexander Pikhard von der WAA rechnet allerdings gegen späteren Nachmittag mit deutlich mehr Besuchern, die nach der Arbeit das Ereignis beobachten wollen. „Das Datum kann man sich gut merken als Astronom“, sagte Wuchterl augenzwinkernd, als gerade die Nachricht vom der Rücktritt Werner Faymanns als Bundeskanzler und SPÖ-Chef die Runde machte.

Merkurtransit als seltenes Himmelsereignis

Kosmisches Schauspiel: Der Merkur wandert am kommenden Montag (9. Mai) vor der Sonne vorbei. Der sogenannte Merkurtransit beginnt um 13.12 Uhr mit dem Eintritt des kleinsten Planeten am Ostrand der Sonne und endet um 20.41 Uhr.

Das Ereignis ist allerdings nur mit speziellen Fernrohren zu sehen. Experten warnen aber: Niemals ohne Filter in die Sonne schauen.

Merkurtransite sind noch seltener als Sonnen- und Mondfinsternisse. Im 21. Jahrhundert tritt der sonnennächste Planet nur 14 Mal vor die Sonne. Nicht alle Merkurtransite sind von Mitteleuropa aus zu sehen. Zuletzt konnte das Schauspiel in unseren Breitengraden 2003 beobachtet werden, das nächste Mal ist es 2019 möglich.

Wetterprognose

Das Wetter dürfte mitspielen. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien überwiegt am Montag der Sonnenschein. Tagsüber entstehen vor allem im Bergland und generell im Osten und Südosten zahlreiche Quellwolken

Merkur ist der kleinste Planet unseres Sonnensystems und hat einen Durchmesser von fast 4900 Kilometern. Er erscheint am Montag als winziger dunkler Punkt vor der Sonne. Mit bloßen Augen ist das Ereignis nicht zu sehen. Dafür ist ein Fernrohr mit stabilem Stativ und mindestens 50-facher Vergrößerung notwendig. Das Himmelsereignis kann auch in vielen Sternwarten beobachtet werden.

Nur ein extrem dünnes Gasgemisch, die Exosphäre, umhüllt den Merkur. Diese Exosphäre besteht vor allem aus Sauerstoff, Natrium und Wasserstoff. Forscher des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam wollen das Himmelsschauspiel beispielsweise nutzen, um mit Hilfe von Teleskopen Natrium in der Exosphäre von Merkur aufzuspüren und die Messgenauigkeit von Instrumenten zu testen. Dies sei wegen der dünnen Gasschicht nur durch Raumsonden oder während eines solchen Transits möglich.

Video vom Merkurtransit 2006

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