Wissen und Gesundheit
25.03.2017

Merk-Tricks zur Zeitumstellung und was Sie sonst noch wissen müssen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird um 2 Uhr früh die Winterzeit auf Sommerzeit umgestellt. Die wichtigsten Fakten. Plus Umfrage.

1. Vier Tricks, um sich das zu merken: Im Frühjahr kommen die Stühle vor das Lokal, im Herbst stellt man sie wieder zurück. Oder: Vorne im Jahr werden die Uhren vorgestellt, hinten im Jahr nach hinten. Oder aber: Der Uhrzeiger wird stets in Richtung Sommer gestellt: Im Frühjahr nach vorne, im Herbst nach hinten. Für Rechenfans gilt die 2-3-2-Formel: Im Frühjahr geht die Uhr von 2 auf 3 (2-3), im Herbst von 3 auf 2 (3-2).

2. Zur Einführung: Die Sommerzeit wurde in Österreich aus wirtschaftlichen Gründen erstmals 1916 bis 1920 verordnet wurde? Sie galt erneut von 1940 bis 1948. Im Jahr 1947 gab es eine „Hochsommerzeit“, mit einer Differenz von zwei ganzen Stunden zur MEZ. Nach der ersten Ölkrise erlebte die Sommerzeit in Europa eine Renaissance. Schließlich wurde die Sommerzeit im Jahr 1980, abgestimmt mit anderen europäischen Staaten, wieder eingeführt.

3. Das Sommerzeit-Gesetz: Es gibt ein eigenes Gesetz, das die Sommerzeit regelt. Es handelt sich dabei um das Zeitzählungsgesetz, das ab 1976 existiert. Es betonte seinerzeit die „Einsparung der Energie“ und schließlich auch den Erholungsgewinn Österreichs.

4. Umstellung per GPS: Öffentliche Uhren in Wien mussten ab dem Jahr 1948 Wiens nicht mehr händisch aufgezogen werden? Sie wurden via Meldeleitung der Feuerwehr erstmals zentral gesteuert. Mit dem 21. Jahrhundert wurde die Funk-Technik zur Uhrensteuerung mehr und mehr durch den Einsatz von GPS-Empfangsantennen abgelöst.

5. Diskussion: Die Sommerzeit war und ist immer schon umstritten und gilt als Politikum. Das Team Stronach fordert etwa ihre Abschaffung, weil sie schlecht für die Wirtschaft, Menschen und Tiere sei. Den viel zitierten „Mini-Jetlag“ spüren die meisten Menschen laut Schlafforscher der MedUni Wien nicht. Kinder, Jugendliche und ältere Menschen sind stärker betroffen.

6. Was ist normal? Die normale Zeit ist eigentlich die Winterzeit.

7. Beschwerden: Sollten öffentliche Uhren in Wien nicht richtig ticken, soll man sich an das Lichttelefon der MA 33 wenden: www.wien.leuchtet.at,. Störungen können per Telefon, E-Mail oder Online-Formular gemeldet werden: Lichttelefon: 0800-33 80 33 (rund um die Uhr), Infoline Straße und Verkehr: 955 59 (täglich von 7 bis 18 Uhr), E-Mail: lichttelefon@ma33.wien.gv.at.

Wenn die Uhren wieder im Takt des Sommers ticken

Zeit, viel Zeit. Die braucht Rupert Kerschbaum, Leiter des Wiener Uhrenmuseums, wenn er seinen Uhren einen neuen Takt beibringen möchte. Speziell im Herbst, wenn es an die Umstellung zur Winterzeit geht. Behutsam dreht er die Zeiger der Stand- und Wanduhren vor. "Deren Mechanik erlaubt kein Zurückdrehen. Deshalb muss ich sie elf Stunden vordrehen und die Uhren jede Viertelstunde schlagen lassen." Eineinhalb Stunden dauert die Prozedur. Aber dann: Bimbam, der Winter ist eingeläutet.

Sommerzeit-Spiele

Anders heute, Samstag: Da geht Kerschbaum ins Museum und sorgt für einen uhrigen Sommer-Auftakt. Die Umstellung im Frühling ist der weniger aufwendige Prozess: "Das Vordrehen der Zeiger in Richtung Sommerzeit dauert nur eine Dreiviertelstunde, das ist angenehm." Angenehm auch deshalb, weil Kerschbaum mit seinen Uhren in diesen Momenten alleine ist. Nur er und ihr magisches Ticken. "Ich rede dann mit ihnen und wenn sie zu spinnen anfangen, schimpfe ich". Vielleicht ein Fall von Alters-Uhren-Starrsinn, manche Exemplare sind schließlich an die 250 Jahre alt. Doch gerade die haben für ihn etwas Beruhigendes: "Wenn ich einen schlechten Tag habe, gehe ich ins Barockzimmer und höre hin." Der Takt der Meter-Pendel ähnelt dem Takt des menschlichen Herzschlags.

Die verordnete Umstellung sieht der Uhren-Experte schon seit langem gelassen – eine Frage der Zeit, wie er meint: "Früher war das nervig, aber je älter ich werde, desto ruhiger gehe ich die Sache an. Ich würde das Altersweisheit nennen." Apropos: Privat ist der Leiter des Uhrenmuseums eher kein Fan der Sommerzeit-Spiele. "Mich belastet das, ich brauche an die zwei Wochen, bis ich mich daran gewöhne."

Das Tages-Plus hat Vorteile

Tatsächlich: Das Alter spielt beim viel zitierten "Mini-Jet-Lag" eine Rolle. "Mit den Jahren nimmt die Anpassungsfähigkeit der zirkadianen Uhr ab", erklärt Univ.-Prof. Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie am Zentrum für Public Health, MedUni Wien. Doch sonst kann sie die Sommerzeit-Raunzer nur beruhigen: "Die Umstellungsphase ist etwas kritisch, man kann aber davon ausgehen, dass es nur ein paar Tage dauert, bis sich der Organismus adaptiert hat. Eine stabile Zeit, ohne den halbjährlichen Wechsel, wäre dennoch optimaler."

Sommerzeit für immer – so sähe ihr Ideal aus. Das Tageslicht-Plus gegen Abend hat Vorteile: "Positiv ist, dass die Menschen jetzt mehr Zeit für Outdoor-Sport haben oder für soziale Kontakte, mit Freunden, mit der Familie. Der Tag verlängert sich. Das ist gut und gesund."

Zehn nach zehn

Das sieht Johannes Barotanyi, Fachgruppenobmann der Uhrmacher-Innung, ähnlich. "Als Privatmann bin ich ein großer Freund der Sommerzeit, ich schätze es, wenn es abends nicht mehr finster ist." Als Uhren-Spezialist hält er schließlich sein Geschäft täglich bis 18.30 offen, da erfreut ihn jeder Lichtblick.

Beruflich ist die Sommerzeit für ihn keine große Angelegenheit: "Die Modelle in der Auslage brauchen wir nicht zu justieren, weil sie alle auf 10 nach 10 gestellt sind." Dies ließe das Ziffernblatt für Kunden am "harmonischsten" aussehen. Einzig die Tage nach der Zeitumstellung sind mitunter ein Thema: "Weil es Leute gibt, die ihre Uhren nicht einstellen können und uns dann um Hilfe bitten." Den Wert der Zeit sieht er im Beständigen – für ihn naturgemäß in Gestalt hochwertiger Uhren, die "wie lebende kleine Maschinen Tag und Nacht funktionieren".

Nichts Weltbewegendes

Dass trotz nächtlichen Zeitverlusts von Samstag auf morgen Sonntag das Gros der öffentlichen Uhren richtig tickt, dafür sorgen die Beamten der Magistratsabteilung 33. Für Gerhard Dully, Referatsleiter für Spezialanlagen der MA 33, ist das seit langem Routine: "Für uns ist das wie ,ewig grüßt das Murmeltier’ – also nix Weltbewegendes." Dully schaut drauf, dass 74 Würfeluhren und 84 Kirchenuhren in Wien die richtige Zeit anzeigen, auch nach der Umstellung. Wie das funktioniert? "Über Funk- oder GPS-Signal, das von einem Satelliten ausgestrahlt und via Antenne von der Uhr empfangen wird." Meist verläuft der Prozess reibungslos – "nur sechs bis zehn Uhren werden spinnert", so Dully. Kritik an der Zeitumstellung übt er nicht: "Das ist unser Job und so lange das so sein soll, werden wir dafür sorgen." Privat outet er sich als Sommerzeit-Fan: "Weil sie mir mehr Lebensqualität bringt."

Wiener Atomuhr

Und wo wohnt in Wien eigentlich die Zeit? In Ottakring, präzise: Im Amt für Eich- und Vermessungswesen, wo zwei Atomuhren dafür sorgen, dass die "Zeit richtig dargestellt wird". Mit der aktuellen Umstellung auf die Sommerzeit hat das nichts zu tun. Robert Edelmaier, Leiter der Gruppe Eichwesen, sieht die Causa pragmatisch: "Die Sommerzeit ist eine Verordnung des Wirtschaftsministeriums, wir hingegen tragen durch internationale Zeitvergleichsmessungen via GPS-Satelliten zur internationalen Atomzeit und zur Weltzeit bei." In diesem Kosmos der Präzision hat die Abweichung keinen Platz, auch nicht im Namen der ministeriellen Sommerzeit-Verordnung. Die Darstellung einer Sekunde erfolgt mit so hoher Genauigkeit, dass diese Zeitskala in 1.000.000 Jahren eine Abweichung von weniger als eine Sekunde hätte. Auch privat hat Edelmaier ein recht pragmatisches Verhältnis zur Sommerzeit: "Ich bin ein Abendmensch, ich mag das gerne."