Wissen
23.02.2018

Mehr als die Hälfte der Meersoberfläche wird befischt

Satellitendaten zeigen, dass mindestens 55 Prozent der Erdoberfläche kommerziell befischt werden. Der Großteil der Fischerboote kommt aus nur fünf Ländern.

„Menschen befischen die Ozeane der Welt seit 42.000 Jahren“, erklärt David Kroodsma von der Organisation Global Fishing Watch. „Aber bis jetzt hatten wir kein gutes Gesamtbild davon, wo und wann Menschen fischen.“ Aufklärung darüber bringt jetzt eine im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte Studie, die auf Satellitendaten basiert. Funkdaten, die große Schiffe über das Automatische Identifikationssystem (AIS) versenden, können von Satelliten empfangen werden und wurden für die Untersuchung ausgewertet. Das AIS ist ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und und anderen Schiffsdaten die Sicherheit des Schiffverkehrs verbessern und Kollisionen verhindern soll. Dabei lassen sich die Identität des Schiffes, seine Position, die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung verzeichnen.

Fischereinationen

Die Forscher kamen zu der Erkenntnis, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Meeresoberfläche von großen Fischereischiffen ausgebeutet wird. Der Großteil dieser Schiffe kommt aus nur fünf Ländern, die für 85 Prozent der beobachteten Fischfangeinsätze verantwortlich sind: China, Spanien, Taiwan, Japan und Südkorea.
Die Auswertung der AIS-Daten zeigt, dass die befischte Fläche des Planeten inzwischen sogar vier Mal größer ist als die landwirtschaftlich genutzte Erdoberfläche. „Hotspots“, an denen besonders intensiv gefischt wird, liegen laut der Studie vor allem im Nordost-Atlantik und Nordwest-Pazifik, ebenso wie in den nährstoffreichen Regionen vor Südamerika und Westafrika. Weltgegenden mit schwächerer Satellitenabdeckung konnten in die Studie jedoch nicht miteinbezogen werden. Daher ist es laut den Forschern möglich, dass sogar 73 Prozent der Ozeanoberfläche befischt werden. Außerdem wurden kleinere Schiffe ohne AIS nicht beobachtet, die vor allem in der Nähe der Küsten Fische fangen. Die Studie kann daher kein komplettes Bild der globalen Fischereiaktivität zeichnen.

Überfischte Gewässer

Experten schätzen, dass rund ein Drittel des weltweiten Fischfangs aus nicht nachhaltiger Fischerei stammt - die Gewässer also überfischt werden. Studienautor David Kroodsma sagt, dass die Studie den politischen Handlungsbedarf aufzeigt und bei der Ausgestaltung von internationalem Recht helfen kann. Der Ozean könne laut Kroodsma „weitaus nachhaltiger befischt werden als dies gerade geschieht - und unsere Informationen können dabei helfen.“