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Fetalchirurgie
10/22/2016

Medizinische Sensation: Baby kam zwei Mal zur Welt

US-Ärzte holten Baby aus der Gebärmutter, um es zu operieren.

Die kleine Lyn Lee gilt als medizinische Sensation – laut Berichten des US-TV-Senders CNN wurde das Baby in den USA von Medizinern gleich zwei Mal zur Welt gebracht. Lyn Lees Mutter, Lee Margaret Boemer, war in der 16. Woche schwanger, als die Ärzte im Rahmen einer Routine-Ultraschall-Untersuchung entdeckten, dass mit dem Baby im Bauch etwas nicht in Ordnung war. „Sie sahen etwas auf dem Scan, der Doktor kam und sagte, dass mit dem Kind ernsthaft etwas nicht stimmte – und dass es einen Tumor am Steißbein hätte." Genauer gesagt handelte es sich dabei um ein Steißbeinteratom (lat. teratoma sacrococcygealis), ein Fehlbildungstumor im unteren Bereich der fetalen Wirbelsäule.

OP als letzte Chance

Deshalb holten die Mediziner die kleine LynLee im Rahmen eines Eingriffs in einer Klinik in Houston, Texas, in der 23. Woche aus der Gebärmutter, entfernten den Tumor und gaben den Fötus wieder zurück in den Uterus. „Das ist etwas ganz Ungewöhnliches, eine außergewöhnliche Leistung“, sagte Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg, der Deutschen Presse-Agentur.

Manchmal könne der Tumor auch noch nach der Geburt des Kindes entfernt werden, sagte der stellvertretende Direktor des Texas Children's Fetal Center, Darrell Cass. Im Fall von LynLee saugte die Geschwulst aber so viel Blut ab, dass der Fötus nicht überlebt hätte - eine OP war die letzte Chance. In einem mehr als fünfstündigen Eingriff öffneten die Mediziner die Gebärmutter und entfernten einen Großteil des Tumors. Zwölf Wochen später kam das Mädchen gesund per Kaiserschnitt zur Welt - in einer weiteren Operation wurde acht Tage später der Rest des Tumors entfernt. Das Baby ist inzwischen fast fünf Monate alt. LynLees Mutter war nach der Geburt überglücklich. „Es war jeden Schmerz wert“, sagte sie dem Bericht zufolge. LynLee sollte eigentlich ein Zwilling sein - das zweite Kind verlor die Mutter jedoch während der Schwangerschaft. Der Tumor am Steißbein tritt laut „CNN“ bei einem von 35 000 Babys auf.

Fetalchirurgie rettete schon vielen Babys das Leben, der Eingriff erfolgt heute aber meist minimal invasiv, direkt im Mutterleib. Die allerersten erfolgreichen Eingriffe an Ungeborenen machten weltweit Schlagzeilen. 1981 behandelte der US-Chirurg Michael Harrison einen ungeborenen Buben mit Hydronephrose (Erweiterung des Nierenbeckens) – er und seine Zwillingsschwester, die gesund war, kamen schließlich zwei Wochen danach im achten Schwangerschaftsmonat zur Welt. Der häufigste Eingriff ist der Verschluss einer Spina bifida (offene Wirbelsäule).

Verschluss der Wirbelsäule außerhalb des Uterus

Erst im August habenHeidelberger Ärztemit einem neuen, europaweit einmaligen Verfahren ein Kind bereits im Mutterleib erfolgreich am offenen Rücken operiert. Für den Eingriff wurde die Gebärmutter wie bei einem Kaiserschnitt eröffnet, der kleine Karl ein Stück herausgehoben, er blieb mit der Nabelschnur verbunden. Bei dem Buben hatte sich die Wirbelsäule nicht vollständig um Rückenmark und Nerven gebildet. Durch die frühzeitige Operation konnte sich der Junge im Mutterleib erfolgreich entwickeln, ohne dass das Rückenmark weiter Schaden nimmt. Bei dem Eingriff im Mai habe Karl 500 Gramm gewogen.

Vorteil einer offenen OP

Werden Kinder mit offenem Rücken erst nach der Geburt operiert, schädigt das Fruchtwasser das offen liegende, ungeschützte Rückenmark irreparabel. "Die Studienergebnisse aus den USA belegen eindrucksvoll den großen Vorteil einer offenen fetalchirurgischen Operation der Spina bifida", sagt die Kinder-Neurochirurgin Privatdozentin Dr. Heidi Bächli, die das Kind am Rücken operiert hat. "Die Kinder leiden seltener an einem Wasserkopf, das Kleinhirn verlagert sich weniger stark in den Wirbelkanal und das Ausmaß der Lähmungen kann deutlich reduziert werden."

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