© Udo Kroener - Fotolia/Udo Kroener7Fotolia

Medizin-Mythen
05/07/2016

Fördern Probiotika die Verdauung?

Nützliche Mikroorganismen sollen den Darm auf Vordermann bringen.

Die Werbung ist voll damit: glückliche Menschen, die dank ein bisschen Joghurt nie wieder Probleme mit der Verdauung haben. Sind probiotische Joghurts oder Probiotika-Kapseln aus der Apotheke tatsächlich so toll? Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben die Faktenlage geprüft.

Probiotika sind Mikroorganismen, die natürlicherweise im Darm, aber auch in Joghurt oder anderen Milchprodukten vorkommen. Sie helfen dem Körper bei der Verdauung.

Tatsächlich scheinen Probiotika bei Durchfällen zu helfen, die durch eine Infektionskrankheit ausgelöst werden. Darauf deuten die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien hin. Demnach können Probiotika die Dauer von solchen Durchfällen um etwa einen Tag verkürzen.

Antibiotika können Durchfälle auslösen

Auch Antibiotika können Durchfälle auslösen. Grund dafür ist, dass Antibiotika nicht nur krankmachende Bakterien abtöten, sondern auch jene, die unsere Darmflora bilden. Prinzipiell scheint das Antibiotika-bedingte Durchfälle verringern zu können, sie scheinen im Durchschnitt jedoch nur einem von 13 Betroffenen Erleichterung tatsächlich zu helfen.

Untersucht wurden in den meisten Studien jedoch keine Joghurts, sondern Probiotika-Kapseln aus der Apotheke. Ob probiotische Joghurts ähnlich gut wirken, ist nicht gut untersucht. Dazu muss aber nicht unbedingt das Wort „probiotisch“ auf der Verpackung stehen. Auch gewöhnlicher Naturjoghurt enthält solche lebenden Keime, soferne das Produkt nicht pasteurisiert wurde. Nebenwirkungen sind gewöhnlich nicht zu erwarten. Vorsichtig sein sollten jedoch Personen mit einem geschwächten Immunsystem und zu früh geborene Kinder – bei ihnen können probiotische Keime in seltenen Fällen selbst Infektionen auslösen.