Wissen und Gesundheit
21.03.2016

Hemmt Graviola das Krebswachstum?

Angebliche Wundermittel gegen Krebs boomen - zum Schaden der Patienten.

Im Reagenzglas ist fast alles wirksam gegen Krebs. Denn die meisten Inhaltsstoffe sind für das Wachstum der Tumorzellen eher hinderlich als fördernd. Daher sagen Zellversuche nur sehr wenig aus. Was immer in Zellversuchen gefunden wird, muss erst im lebenden Organismus überprüft werden. Vorher lässt sich über jede Form von Wirksamkeit nur spekulieren.

Im Internet tauchen immer wieder Jubel-Meldungen auf, dass die eine oder andere Substanz oder eine exotische Frucht ganz großartig gegen Krebs hilft – und dass das mit Studien belegt sei. Beispiel Graviola-Baum: der auch Stachelannone genannte Baum soll gegen Krebs helfen und sogar herkömmlichen Chemotherapien überlegen sein. Die Quellen dafür sind allerdings dubios. Die Public-Health-Experten des Info-Service-Portals "medizin transparent" an der Donau-Universität Krems haben die Faktenlage geprüft.

Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren können die gängigen Krebstherapien nicht immer zu einer Heilung bzw. zumindest zu einer langfristigen Besserung führen. Krebs zählt nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu den häufigsten Todesursachen in Österreich.

Geschäft mit der Angst von Krebspatienten blüht

Entsprechend blüht das Geschäft mit der Angst. Die Verzweiflung von Krebskranken und ihren Angehörigen ist oft groß. Umso geschmackloser mutet es an, wenn beispielsweise in Internetforen und auf Facebookseiten "Informationen" über angebliche "Wundermittel" und "Zauberfrüchte" kursieren.

Seriöse Belege fehlen

Für derartige Behauptungen gibt es in Sachen Graviola keine seriösen Belege. Studien mit Menschen, bei denen sich Graviola-Substanzen als Krebsmedikament bewährt haben, fehlen.

Bisher gibt es zur möglichen Anti-Krebs-Wirkung nur Tests an Zellen im Reagenzglas (in vitro) sowie an Ratten und Mäusen (in vivo). Tatsächlich konnten Graviola-Substanzen in einigen dieser Versuchen etwas gegen verschiedene Krebszellen ausrichten. Eventuell sind Pflanzenstoffe namens Acetogenine dafür (mit-)verantwortlich.

Ungeklärt ist, ob und welche Stoffe aus dem Graviola-Baum Krebspatienten helfen können. Noch weniger bekannt ist, welche Dosis und welcher Einnahmezeitraum sinnvoll wären.