Gefährden Antibiotika in der Tierhaltung unsere Gesundheit?

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Resistente Keime könnten auch für Menschen zum Problem werden.

Antibiotika sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken. Sie bekämpfen wirkungsvoll viele Erkrankungen, die durch Bakterien verursacht werden.

Die Mittel werden auch in der Massentierhaltung häufig vorsorglich eingesetzt, selbst wenn die Tiere gesund sind. Das soll verhindern, dass sich Pute, Schwein und Co bei erkrankten Stallgenossen anstecken. Willkommen dürfte freilich auch der Nebeneffekt von einigen Antibiotika sein: Sie fördern ein schnelleres Wachstum der Tiere. Offiziell ist der Einsatz von Antibiotika zur Tiermast in der Europäischen Union jedoch verboten.

Resistenzen drohen

Das Problem dabei: Je öfter die Bakterienkiller verabreicht werden, umso größer ist die Gefahr, dass einzelne Bakterienstämme dagegen unempfindlich werden. Verursachen solche resistenten Keime dann eine Infektion, bleiben die entsprechenden Antibiotika zur Bekämpfung wirkungslos.

Tatsächlich finden sich bei Tieren, die Antibiotika verfüttert bekommen, häufiger resistente Keime. Dafür liefern bisher veröffentlichte Studien klare Hinweise. Demnach dürften Personen wie Bauern, Tierärztinnen oder Schlachthofangestellte, die von Berufs wegen häufigen Kontakt mit Nutztieren haben, öfter resistente Bakterien in sich tragen als Personen aus der Allgemeinbevölkerung. Ob sie dadurch schlechter auf Antibiotika-Behandlungen ansprechen, wenn sie einmal krank werden, ist jedoch nicht erforscht.

Probleme bei Frühchen und Schwerkranken befürchtet

In Spitälern stellen resistente oder gar multiresistente – also gegen mehrere Antibiotika immune – Bakterienstämme ein großes Problem dar. Zwar sind diese Erreger nicht aggressiver als solche, die auf Antibiotika reagieren. Haben sie aber erst einmal eine Infektion verursacht, lassen sie sich schlechter oder in manchen Fällen gar nicht mehr bekämpfen. Das könnte etwa bei Frühchen, alten oder schwer kranken Personen ein Problem sein.

Einige Fachleute fordern daher, Menschen mit direktem Kontakt zu Stalltieren vorsorglich auf resistente Bakterien zu untersucht werden, wenn sie in ein Krankenhaus kommen.

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( kurier.at , iteu ) Erstellt am 20.08.2017